Deutscher Tourismustag: Expertin rät Bonn zu Fokus auf eigene Geschichte

Deutscher Tourismustag : Expertin rät Bonn zu Fokus auf eigene Geschichte

Beim Deutschen Tourismustag in Bonn haben Experten über die Folgen der Digitalisierung auf das Reisen diskutiert. Verbandsgeschäftsführerin Claudia Gilles empfiehlt, Bonn, Köln und Düsseldorf stärker gemeinsam zu vermarkten.

Virtuelle Realitäten und Youtube-Videos sind kein Ersatz für echte Erlebnisse. Darüber waren sich die Experten beim Deutschen Tourismustag einig. Am Donnerstag trafen sich knapp 500 Vertreter der deutschen Urlaubsregionen in Bonn, um die Auswirkung der Digitalisierung auf die Branche zu diskutieren. „Die Menschen reisen dadurch nicht weniger“, sagte Claudia Gilles, Geschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) am Rande der Tagung.

Im Gegenteil: In Deutschland legt der Tourismus laut DTV seit neun Jahren kontinuierlich zu, die Zahl der Übernachtungen liege knapp unter einer halben Milliarde. Sogar die Zahl der Reisebüros sei durch die Verbreitung von Online-Buchungen nicht signifikant zurückgegangen, sagte Gilles. „Viele Kunden wünschen sich einen Navigator durch die vielfältigen Reiseangebote und wollen nicht selbst stundenlang vor dem Computer sitzen.“

Am liebsten an die Küste oder in die Berge

Nach Einschätzung des Tourismusverbandes werden Urlaubsregionen in Zukunft stärker die Daten ihrer Besucher auswerten und ihnen dann maßgeschneiderte Angebote machen – sofern diese eingewilligt haben. Diese Entwicklung sieht auch Gerd Leonhard, der als selbst ernannter „Futurist“ den Einführungsvortrag zum Bonner Tourismustag hielt: „Allein durch die Auswertung meiner Suchanfragen bei Google kann der Computer mir die passendsten Reiseangebote liefern.“

In Deutschland liegen die klassischen Urlaubsziele an den Küsten und in den Bergen nach Verbandsangaben nach wie vor in der Gunst der Urlauber vorne. Die Regionen in Nordrhein-Westfalen seien dagegen eher klassische Kurzreiseziele, so die Verbandsgeschäftsführerin. Bonn und Umgebung rät die Branchenkennerin, ihre touristischen Attraktionen „mit noch mehr Selbstbewusstsein“ zu vermarkten. Der Titel „Bundesstadt“ sei dabei für die Tourismuswerbung weitgehend nutzlos. Bonn solle sich auf seine Geschichte und seine kulturellen Angebote konzentrieren und sich bei der Präsentation als Reiseziel stärker mit Köln und Düsseldorf koordinieren als „Städtekette am Rhein“. „Da ist noch viel möglich“, so die Expertin.

Deutschland als sicheres Reiseland

Insgesamt gelte Deutschland nach wie vor als sicheres Reiseland. Weder der Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz 2016 noch die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Ostdeutschland hätten bisher zu deutlichen Rückgängen bei Gästezahlen oder Übernachtungen geführt. „Aber Ausschreitungen gegen Ausländer sind für Deutschland als Touristenziel natürlich inakzeptabel“, so Gilles. Deshalb positioniert sich der Verband mit einer neuen Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit im Land. Die Branche sei „eine starke Wertegemeinschaft“ und stehe „für ein friedliches Miteinander und für die Völkerverständigung“, erklärte DTV-Vizepräsident Peter Siemering, am Donnerstag in Bonn. „Tourismus und Fremdenfeindlichkeit schließen sich aus.“

Dem DTV gehören rund hundert kommunale, regionale und bundesweite Tourismusorganisationen an, von denen die neue Initiative in die Öffentlichkeit getragen werden soll. Der Tourismus verbinde Menschen – „ganz egal welcher Herkunft, Religion, Weltanschauung oder sexueller Orientierung“, erklärte Siemering. Zentrale Werte des Tourismus in Deutschland seien „Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz“. (mit Material von AFP)

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