Bonner Wirtschaftstalk: „Etwas mehr Agilität“

Bonner Wirtschaftstalk : „Etwas mehr Agilität“

Die Kommunen sollen ab kommendem Jahr in der "Metropolregion" stärker zusammenarbeiten. Politiker und Wirtschaftsvertreter diskutierten am Mittwoch in der Bonner Bundeskunsthalle darüber, welche gemeinsamen Aufgaben am wichtigsten sind.

Manchmal sind es die vermeintlich kleinen Dinge, die eine Region auszeichnen. Etwa, dass man eines Tages mit nur einem Fahrschein im Nahverkehr von Bonn bis Aachen oder Wuppertal fahren könnte. Mobilität und Infrastruktur gehörten zu den wichtigsten Themen für Bonn und seine Umgebung, darüber waren sich Politiker und Wirtschaftsvertreter gestern beim 26. Bonner Wirtschaftstalk in der Bundeskunsthalle einig. Wie die sonstige geplante engere Zusammenarbeit in der „Metropolregion Rheinland“ aussehen soll, wurde durchaus unterschiedlich interpretiert.

Knapp zehn Millionen Menschen umfasst der Wirtschaftsraum am Rhein, für den sich die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken mit der Vereinsgründung für die Metropolregion Anfang kommenden Jahres nicht zuletzt eine effizientere gemeinsame Vermarktung verspricht. Im internationalen Wettbewerb könne man sich nur als Region behaupten, sagte Walsken bei der von GA-Chefredakteur Helge Matthiesen moderierten Podiumsdiskussion.

Auch der bessere Zugriff auf öffentliche Fördermittel soll selbst traditionelle Konkurrenten wie Köln und Düsseldorf zu neuer Zusammenarbeit motivieren. „Da konnten sich andere Metropolregionen bisher oft besser verkaufen“, sagte der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan.

Für Gert Schambach, Geschäftsführer der Siegburger Dohle-Gruppe (Hit-Märkte), ist das Rheinland bereits ein attraktiver Standort: Die Kaufkraft sei hoch, die Lebensbedingungen für die Mitarbeiter gut. Aber der Manager dämpfte den Lokalpatriotismus leicht: „In Berlin ist es schon etwas lebendiger, und München hat es geschafft, eine High-Tech-Gründerszene aufzubauen.“

Gutes Verkehrssystem besonders wichtig

Schambach erwartet von der zu gründenden Metropolregion „etwas mehr Agilität“. Die Herseler Unternehmerin Sabine Baumann-Duvenbeck wäre schon mit besser fließendem Verkehr im Rheinland zufrieden. „Eine Wirtschaftsregion ist nur stark, wenn das Verkehrssystem stark ist“, sagte die Geschäftsführerin der Firma Baumann Schwertransporte, „und das ist im Moment nicht gegeben.“ Auflagen und Umwege etwa durch Brückensperrungen verursachten ihrem Unternehmen hohe Zusatzkosten, berichtete sie.

Bonns Oberbürgermeister Sridharan will das Rheinland durch die stärkere Vernetzung vor allem im Wettbewerb um Fachkräfte positionieren. „Nicht nur die Unternehmen, auch die Kommunen haben es immer schwerer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, sagte er. Gleichzeitig machte er deutlich, wo für ihn die Grenzen einer regionalen Zusammenarbeit verlaufen: „Wir können es uns in Bonn nicht leisten, auf eine Oper zu verzichten.“ Sogar schrumpfende Einwohnerzahlen fürchte er, wenn es in Bonn keine Oper mehr gebe.

Das sah Dohle-Manager Schambach anders. Er schlug vor, für die „am Ende relativ kleine Klientel der Oper“ die Musikhäuser in der Region zu einem qualitativ besonders hochwertigen Standort zusammenzulegen – und erntete damit spontanen Publikumsapplaus.

Auch Regierungspräsidentin Walsken hat, wie sie sagte, „andere Ideen“ für die Bonner Oper, die sie jedoch ungern präzisieren wollte. Stattdessen verlegte sie sich auf unstrittige Forderungen wie eine Zusammenarbeit zum besseren Breitbandausbau im Rheinland, um in Zeiten der Digitalisierung mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Denn, wie Sridharan sagte, „global gesehen sind die rheinischen Metropolen einzeln alle Kleinstädte“.

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