Erdbeeren und Salat verkaufen sich per Telefon

Erdbeeren und Salat verkaufen sich per Telefon

Peter Knüttgen übernimmt am 1. Oktober die Geschäftsleitung des Roisdorfer Centralmarktes - Auch die Landwirte der Region müssen sich den globalen Anforderungen stellen

Bornheim-Roisdorf.Der Landwirt packt alle Äpfel zentnerweise auf den Hänger und fährt seine Fracht zum Centralmarkt. Dort versucht er, bei der Versteigerung einen möglichst guten Preis zu erzielen, nimmt schließlich enttäuscht wieder die halbe Ladung mit nach Hause.

Das war einmal. Heute weiß der Bauer schon einen Tag vorher, was er morgen anbietet, was er mit welchem Profit verkauft. Das Internet, Telefone und eben der Centralmarkt machen es möglich.

Der neue Geschäftsführer des mit 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 110 Millionen Euro wichtigen Arbeitgebers für Bornheim und Umgebung ist Peter Knüttgen, er tritt am 1. Oktober die Nachfolge von Johannes von Bodmann an, der den elterlichen Betrieb übernimmt.

Der 55-jährige geborene Bonner Knüttgen übernimmt mit dem Centralmarkt Roisdorf-Straelen einen Vermarktungsbetrieb, der sich zwar in erster Linie dem regionalen Obst- und Gemüsebau verschreibt, sich aber auch der Globalisierung in der Wirtschaft stellen muss.

"Der Centralmarkt Roisdorf-Straelen ist entstanden als Tochtergesellschaft zweier traditionsreicher Vermarkter. Zum einen des Centralmarktes Rheinland in Roisdorf, zum anderen der NBV/UGA aus Staelen am Niederrhein. Das ist Deutschlands führende Absatzorganisation für Schnittblumen, Topfpflanzen und Baumschulpflanzen, deren Abteilung für Obst und Gemüse mit in unsere Organisation eingeflossen ist", spricht der zukünftige Geschäftsführer schon routiniert über seinen neuen Arbeitgeber.

Kein Wunder, denn Peter Knüttgen ist vom Fach, hat beruflich weder Sparte noch Region je verlassen. 1965 am Erzeuger-Großmarkt Bonn Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt, war er dort für den Verkauf von Obst, Gemüse, in der Qualitätskontrolle und als Auktionator tätig.

Bei der Edeka-Gruppe arbeitete er in Roisdorf im Fruchtkontor, baute das gesamte deutsche Obst- und Gemüsegeschäft auf, war in der Organisation leitend beschäftigt.

Eine "neue Herausforderung" sieht er jetzt und will das Unternehmen auch neu ausrichten: "Nach den Anforderungen der heimischen Produzenten, aber auch nach den Anforderungen der Verbraucher." Denn nur wenn die "Gärtner" - die unter Glas produzierenden Landwirte - und Bauern - unter freiem Himmel - ihre Ware in Roisdorf absetzen können und einen akzeptablen Preis erzielen, hat der Centralmarkt eine Zukunft.

Und auch nur dann, wenn Lebensmittelketten sich auf die Qualität und Menge der in Roisdorf gekauften Ware verlassen können. "Wenn jemand 40 000 Kisten Blumenkohl bei uns bestellt, dann müssen wir 40 000 Kisten Blumenkohl liefern. Natürlich fragen wir zuerst in der Umgebung nach, doch hier im direkten Bereich Roisdorf/Straelen gibt es vielleicht 15 000.

Also müssen wir das Gemüse im weiteren Umkreis besorgen - natürlich in der geforderten Qualität. Diese Verlässlichkeit und gleichzeitig eine möglichst hohe Absatzgarantie für heimische Erzeugnisse machen unseren guten Ruf aus, den wir täglich neu erkämpfen müssen.

Der Obst- und Gemüsebauer erntet dann auch gezielt, weiß früh genug, ob er die Erdbeeren sofort liefert oder die Äpfel noch einige Tage im Kühllager lässt. Damit ist Händler und Produzenten geholfen."

Gerade die Hilfe für den Landwirt ist ein wichtiger Part. Ein Bauer muss heute auch Betriebswirt sein, muss sich mit Buchführung und Computer genauso auskennen wie mit Melkmaschine und Pflanzenschutz. Er muss aber auch wissen, was er im nächsten Monat verkaufen kann und was in vielleicht zwei/drei Jahren.

Beispiel Zierkürbisse: Nachdem die Halloween-Woge aus den USA auf den alten Kontinent übergeschwappt war, wollte man auch hier die Früchte haben, selbst die feinsten Sterne-Köche kreierten Kürbissuppen.

"Da müssen wir schnell reagieren und am Markt sein, wenn wir nicht Mitbewerbern das Feld überlassen wollen. Das selbe gilt für neue Obstsorten oder exotische Früchte, die wir hier anbauen und verkaufen können."

Der Kunde legt auf Qualität großen Wert und ist bereit, dann auch ein paar Cent mehr für die Tomate oder die Birne zu zahlen, hat Peter Knüttgen in seiner Laufbahn festgestellt. Regionale Qualität sei ein großes Kaufargument des Verbrauchers. Das laufe über den Centralmarkt, der fest im Rheinland verwurzelt sei und dem Einzelhandel diese Produkte anbietet.

Da die Landwirtschaft im Wandel sei, müsse auch der Centralmarkt entsprechend reagieren. Deutlich ging der Trend zum größeren Hof, der seine Ware zentral anbiete, wenige Selbstvermarkter fielen da nicht so sehr ins Gewicht.

"Eine Lebensmittelkette will auch nicht mit vielen kleinen Händlern verhandeln, das ist viel zu kompliziert und kostet Zeit. Die geben uns einen Auftrag, und mit unseren etwa 1400 direkten Vertragspartnern sind wir natürlich in der Lage, Terminwünsche in auch erheblichem Umfang zu erfüllen."

Und das geht dann eben nicht mehr so häufig über die traditionelle Versteigerung in der großen Umschlag-Halle, sondern per Telefon und Internet. Es geht sogar so weit, dass die Produzenten ihr Obst und Gemüse, ihre Erdbeeren und ihren Salat schon auf dem Hof in den Kartons des Käufers verpacken und etikettieren, dann werden sie in Roisdorf noch kommissioniert und gehen direkt an den Verbraucher - zur hoffentlich großen Zufriedenheit aller Beteiligten.

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