Rheinbacher Autozulieferer: DSG-Canusa setzt auf Geschäft mit Spezialschläuchen

Rheinbacher Autozulieferer : DSG-Canusa setzt auf Geschäft mit Spezialschläuchen

Wenn Geschäftsführer Thomas Schmidt aus seinem neuen Bürofenster blickt, dann schaut er auf große Industriehallen, Straßen, die an ihren Rändern noch unbefestigt sind, und grüne Wiese.

Mitten im Rheinbacher Gewerbe- und Büropark Nord II hat DSG-Canusa, deren Chef Schmidt ist, 45.000 Quadratmeter Gelände bebaut mit großen Produktionsgebäuden, einem Lager und einem zweigeschossigen Verwaltungsgebäude. Die ursprünglich Meckenheimer Firma, die nach eigenen Angaben Marktführer bei der Herstellung von Schrumpfschläuchen für die Automobilindustrie ist, eröffnet heute ihr neues Zuhause offiziell.

Bei Schrumpfschläuchen handelt es sich um Kunststoffschläuche, die sich bei Hitze stark zusammenziehen können. Bis zu fünf Kilometer Kabel schlängeln sich durch einen modernen Mittelklasse-Pkw. Sie übertragen Signale oder Energie. Kabelbäume bündeln die einzelnen Leitungen. Die unzähligen Kabel zusammenzuhalten und gegen Wasser und Abrieb zu isolieren, ist die Aufgabe der Schrumpfschläuche.

2011 beschloss man im Unternehmen, das seit 1999 zum kanadischen Shawcor-Konzern gehört, die Zusammenführung der verschiedenen Unternehmenszweige unter ein Dach. "Wir hatten in der Finanzkrise einen erheblichen Absatzeinbruch", sagt Geschäftsführer Schmidt. Deshalb musste das Werk in Polen geschlossen werden, 100 Mitarbeiter wurden allein dort entlassen. Auch das Werk im englischen Plymouth, wo die Wurzeln des kanadischen Konzerns liegen, wurde dicht gemacht, ebenso die Produktionsstätte in Langewiesen in Thüringen. 15 Mitarbeiter verloren hier ihren Job. Die Schließung all dieser Werke machte es eng in Meckenheim: "Auf der gleichen Fläche mussten wir fast das Doppelte an Maschinen unterbringen", so Schmidt. Und Ende 2013 lief der Mietvertrag für die Räumlichkeiten in Meckenheim aus. "Wir haben uns dann für die grüne Wiese und einen Umzug nach Rheinbach entschieden", sagt der Chef.

In der Region zu bleiben, sei auch eine Entscheidung für die Mitarbeiter gewesen. "In ein Niedriglohnland zu gehen, stand nie zur Diskussion", so Schmidt. Bei den Entwicklern, Anwendungstechnikern, Produktmanagern und Produktionsmitarbeitern liege erhebliches Know-how, das in Deutschland aufrechterhalten werden sollte. Doch ein Wiederaufbau der vor dem Umzug abgebauten Arbeitsplätze hat auch am neuen Standort in Rheinbach nur zum Teil stattgefunden: 230 Mitarbeiter zählt das Unternehmen heute, 2007 waren es mit den Standorten außerhalb Meckenheims noch fast 350. Der Umzug war teuer: 18 Millionen Euro schlugen auf den Gewinn vor Ertragssteuern in Höhe von 0,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Der Gesamtumsatz lag bei 40,3 Millionen Euro. Doch schon dieses Jahr rechnet Schmidt mit einem Rekordniveau: 42,7 Millionen Euro Umsatz erwartet er für 2014 und einen Gewinn vor Ertragssteuern in Höhe von fünf Millionen Euro.

Von aktuellen Krisenherden ist bei DSG-Canusa nichts zu spüren: Es gebe zwar Kabelbaumkonfektionäre, die Werke in der Ukraine haben, aber die könnten ihre Produktion verlagern. "Wir wandern mit", ist Schmidt optimistisch. Das eigene Russlandgeschäft sei nicht so stark: "Wir machen ein Prozent des Gesamtumsatzes in Russland", sagt er. Bisher spüre man da aber keine Beeinträchtigung.

Die Kabelbaumkonfektionäre sind die direkten Abnehmer der Schrumpfschläuche - meist große Familienunternehmen, nicht an der Börse notiert und dadurch weniger bekannt als die Konzerne, die die Schläuche schließlich in ihren Produkten verbauen. Schmidt nennt Volkswagen, Audi, BMW und Daimler. In anderen Branchen als der Automobilindustrie ist DSG-Canusa bislang wenig vertreten: Auch in der Energiebranche, der Kommunikationstechnik und der Luft- und Raumfahrt werden Schrumpfschläuche benötigt.

In ganz neue Bereiche einsteigen - vielleicht auch ein Ziel für den neuen Standort? Man sei klar auf Wachstum ausgerichtet, heißt es. "Wir möchten unsere Position im Automobilsektor weiter ausbauen, aber nicht in zunehmende Abhängigkeit geraten", sagt der Chef. Man wolle auch andere Segmente stärker ausbauen. Welche, das verrät Schmidt nicht.