7. Cloud-Unternehmertag in Bonn: Dienstleister bei Künstlicher Intelligenz im Rückstand

7. Cloud-Unternehmertag in Bonn : Dienstleister bei Künstlicher Intelligenz im Rückstand

Die Digitalisierung verspricht mehr Produktivität. Gastgeber Scopevisio erläuterte auf dem Cloud-Unternehmertag in Bonn, warum man vor der Automatisierung keine Angst haben müsse.

Drei Milliarden Euro will die Bundesregierung in den kommenden Jahren in die Förderung der Künstlichen Intelligenz (KI) stecken, damit Deutschland den technologischen Anschluss an die USA und China nicht verliert. Ob das ausreichend ist, sei dahingestellt. Dass sich deutsche Unternehmen allerdings schon heute nicht verstecken müssen hinter der globalen Konkurrenz, unterstrich der Unternehmensberater Hermann Simon am Mittwoch auf dem 7. Cloud-Unternehmertag in Bonn. Als Beispiel nannte er die Patentanmeldungen im Bereich autonomes Fahren: Von den über 7300 geschützten Entwicklungen seit 2010 gehörten deutschen Firmen fast 49 Prozent, so Simon.

Gastgeber im Kameha-Hotel war die Scopevisio AG aus Bonn, die Softwarelösungen aus der Datenwolke anbietet. Die digitalen Anwendungen sind bei den Unternehmenskunden nicht auf Computern installiert, sondern in der Cloud (englisch für Wolke).

Thema der diesjährigen Tagung, zu der sich über 1000 Gäste angemeldet hatten, war die Automatisierung als Produktivitätstreiber. „Automatisierung ist etwas Positives und nichts, wovor wir Angst haben müssen“, erklärte Scopevisio-Gründer Jörg Haas. Während bei Robotik jeder sofort an die Industrie denke, stehe die Dienstleistungsbranche in Sachen Digitalisierung und KI noch ganz am Anfang, führten Haas und Scopevisio-Vorstand Michael Rosbach aus. Würden die schon heute vorhandenen IT-Anwendungen eingeführt, könnten Dienstleistungsunternehmen pro Mitarbeiter und Monat 45 Stunden einsparen.

Routinetätigkeiten den Robotern überlassen

Vor allem „monotone Routinetätigkeiten können wir Robotern überlassen“, erklärte Rosbach. Als Beispiel nannte er Lieferdienste. 60 bis 80 Prozent der Fragen von Kunden könnten automatisiert von sogenannten Chatbots beantwortet werden. Das setze bei den so entlasteten Mitarbeitern neue Ressourcen frei, die Raum für Kreativität ließen. „Wo automatisiert wird, sind die Mitarbeiter kreativer und zufriedener.“

KI ist nicht gleich KI, sondern besteht aus verschiedenen Bereichen. Das erläuterte Geschäftsführer Ulrich Erxleben von SMACC in Berlin: „KI ist das, was im Hintergrund abläuft.“ Sie entlastet im Bestellwesen, in der Logistik, in der Lagerhaltung, bei der Gehalts- und Reisekostenabrechnung ebenso wie bei der Personaleinsatzplanung.

Digitale Anwendungen sind etwa bei der Rechnungslegung in der Lage, wesentliche Prozesse automatisch ablaufen zu lassen. In strukturierten Dokumenten wie einer Rechnung könnten „semantische Verfahren“ die Bedeutung von Zeichen verstehen und die notwendigen Daten herauslesen. Die Erfahrung zeige, dass nur ein Prozent der Rechnungen fehlerhaft seien und dann händisch überprüft werden müssten.

Innovativer Mittelstand

Simon von der Unternehmensberatung Simon-Kucher berichtete, dass der global agierende deutsche Mittelstand, den er „Hidden Champions“ (versteckte Weltmarktführer) nennt, bei der Digitalisierung sogar führend sei. Der Reinigungsgerätehersteller Kärcher etwa könne 40.000 Produktvarianten in 24 Stunden liefern. Ohne automatisierte Prozesse wäre das nicht möglich. „Die Digitalisierung ist klarer Treiber im Globalisierungsprozess“, sagte Simon. Bei den Patenten pro Mitarbeiter sei der Mittelstand auch viel innovativer als Großunternehmen.

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