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Wettervorhersage: Die Qualität von Apps ist sehr unterschiedlich

Wettervorhersage : Die Qualität von Apps ist sehr unterschiedlich

Wetter-Apps können sehr unterschiedliche Vorhersagen anzeigen. Die Qualität der Angebote kann sehr variieren, sagen Experten. Für Fehleinschätzungen können Daten aus den USA verantwortlich sein

Obwohl draußen vor dem Hotel Alpengarten im österreichischen Mallnitz noch bestes Wanderwetter ist, packt eine belgische Familie vorzeitig die Koffer. Denn der Wetterbericht ihrer Smartphone-App sagt Kälte und Regen voraus. „Die Prognosen stimme oft nicht“, ärgert sich der Hotelbesitzer Peter Angermann. Aber die Gäste richten sich danach, anstatt aus dem Fenster zu schauen.

Sehr verlässlich sind viele Prognosen der privaten Anbieter von Wetterberichten nicht. „Wir staunen manchmal, wie unterschiedlich die Vorhersagen sind“, stellt der Sprecher des steuerfinanzierten Deutschen Wetterdienstes (DWD), Gerhard Lux, fest. Diese Beobachtung haben auch verschiedene Vergleichstests, etwa von der Stiftung Warentest, schon bestätigt. Insbesondere bei den kostenlosen, auf den Smartphones beim Kauf bereits installierten Programmen, entdeckten die Tester Mängel.

Die Fehleinschätzungen haben Fachleuten zufolge mehrere Ursachen. Eine ist die Fülle und Auswahl der Daten. Einen wichtigen Block an Informationen beziehen die Apps vom amerikanischen Wetterdienst NOAA. Stützt sich eine Prognose allein darauf, oder auf die privaten meteorologischen Dienste der USA, sind daraus abgeleitete Vorhersagen für Deutschland noch recht ungenau. „Es darf sich jeder Meteorologe nennen“, sagt Dominique Jung. Erst mit dem akademischen Diplom versehen, ist die Berufsbezeichnung geschützt. Diplom-Meteorologe Jung bietet selbst Prognosen an. Dabei werden die US-Daten durch französische und britische Wetterbeobachtungen ergänzt. Die Vorhersagen seiner Firma wetter.net werden vor allem an Unternehmen verkauft. „Man sollte darauf achten, wer hinter einer App steht.“

Das Geschäft mit Wettervorhersagen ist ein vergleichsweise kleiner Markt in Deutschland, mit einem Umsatz im niedrigeren zweistelligen Millionenbereich. Die Apps leben in der Regel von Werbung auf ihren Seiten oder bieten neben einer kostenlosen Version auch eine gebührenpflichtig an. Wird bezahlt, gibt es auch eine genauere Prognose, weil die Angaben häufiger aktualisiert werden. Das ist gerade beim häufig benutzten Regenradar von Wetteronline.de hilfreich. Denn Schauer und Gewitter sind regional nur schwer exakt vorherzusagen. Jung ärgert es, wenn die Anbieter dies vorgeben.

„Die Apps gaukeln eine Genauigkeit vor, die es gar nicht geben kann“, kritisiert er. Gewitter ließen sich am Vortag zwar für eine größere Region anzeigen, nicht jedoch für eine bestimmte Stadt in dieser Gegend. Auch der DWD einige Praktiken kritisch. Prognosen über einen Zeitraum von mehr als zehn Tagen seien sehr unverlässlich. Wie arbeitsintensiv die Meteorologie ist, zeigen die Zahlen des DWD. Acht Mal täglich erneuert der Dienst seine Vorhersage. Rund eine Million Datenpakete werden von den Computern der Offenbacher in dieser Zeit verarbeitet. Entscheidend für eine präzise Prognose sind schließlich nicht die in Deutschland vorgenommenen Messungen von Temperatur oder Luftdruck. „Unser Wetter wird vor allem im Nordatlantik gemacht“, sagt Lux. Viele Messstellen in Deutschland, mit dem ein privater Wetterdienst wirbt, sind demnach eher für weiter östlich liegende Länder interessant. Denn das hiesige Hoch oder Tief zieht womöglich dorthin.