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Deutsche Telekom legt bei Gewinn und Umsatz zu

US-Tochter soll alle überholen : Deutsche Telekom legt bei Gewinn und Umsatz zu

Das Bonner Unternehmen glänzt vor der geplanten Fusion der US-Tochter mit Rekordzahlen bei Umsatz, Gewinn und Investitionen. Auf dem deutschen Markt wird der Wettbewerb härter.

Die Torte mit brennender Kerze galt auf der Bilanzpressekonferenz dem 25-jährigen Bestehen der Deutschen Telekom. Bald könnte Telekom-Chef Timotheus Höttges eine Sektflasche daneben stellen.

 Die Fusion zwischen der Telekom-T-Mobile US und Sprint ist in greifbare Nähe gerückt. Nur noch zwei kleinere Genehmigungen stehen aus. Bei einer Klage gegen die Fusion unterlegene US-Bundesstaaten könnten noch Berufung gegen ein Urteil einlegen. Der das Verfahren anführende Bundesstaat New York hat allerdings bereits angekündigt, nicht gegen den Richterspruch vorgehen zu wollen. „Das ist dann die größte Fusion eines deutschen Unternehmens in den USA jemals“, sagte Höttges. Das Volumen betrage insgesamt mehr als 110 Milliarden Dollar. „Es tut uns Deutschen gut, wenn ein deutsches Unternehmen es einmal schafft, in einer Schlüsselindustrie, in einer Hightech-Industrie, in den USA eine führende Rolle einzunehmen“, sagte Höttges.

Gleichzeitig legte er die Messlatte für das Management in den USA hoch: Das fusionierte Unternehmen solle die neue Nummer Eins auf dem US-Markt werden. Bei der Zahl der Kunden sei man bereits auf Augenhöhe: AT&T und Verizon hätten 150 und 140 Millionen Kunden. Die neue T-Mobile US wird rund 140 Millionen Kunden haben. Der führende Anbieter AT&T komme an der Börse auf eine Marktkapitalisierung von 274 Milliarden Dollar, Verizon als Nummer zwei auf 242 Milliarden Dollar. Die neue T-Mobile US habe eine Marktkapitalisierung von fast 120 Milliarden Dollar. Er sehe keinen Grund, warum man diese Lücke nicht deutlich verkleinern könne.

 Kritik, die Telekom werde in Zukunft zu viel in den USA investieren müssen und weniger für Europa übrig haben, will Höttges nicht gelten lassen. Die Fusion sei für die Telekom insgesamt gut. Die Aktionäre würden eine zusätzliche Wachstumsperspektive erhalten.

Ordnungsrahmen entwickeln

Richtig sei, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden könne. „Darum werbe ich seit Langem dafür, dass Deutschland und Europa einen Ordnungsrahmen entwickeln, in dem Investitionen gefördert werden“, so der Telekom-Chef. Derzeit stehe der Netzausbau ganz oben. Die zahlreichen Kooperationen, die gerade entstünden, seien „Zeichen eines Kulturwandels in dieser Industrie, der in meinen Augen eine Chance verdient hat.“ Die Telekom hat mit Konkurrenten Vereinbarungen geschlossen, um Funklöcher zu schließen und Glasfaser gemeinsam zu verlegen.

Mit dem Geschäftsjahr 2019 zeigte sich Höttges überaus zufrieden. Das Unternehmen habe so erfolgreich abgeschlossen wie noch nie in seiner Geschichte. Insgesamt erwirtschaftete die Deutsche Telekom 2019 rund 80,5 Milliarden Euro und damit rund 6,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie aus den Jahreszahlen hervorgeht. Übrig blieb ein Konzernüberschuss von 3,9 Milliarden Euro, der damit um rund 79 Prozent höher liegt als 2018. 2019 hat die Telekom mehr investiert als je zuvor: 13,1 Milliarden Euro, davon in Deutschland rund 5,5 Milliarden.

Auf die Vodafone-Preisoffensive bei Breitbandanschlüssen reagiert Höttges betont cool: „Es wird immer wieder solche Angriffe und Preise geben.“ Der Markt sei sehr dynamisch. „Aber ich würde die Frage stellen: Warum muss eigentlich Vodafone sein Spitzenprodukt um 50 Prozent im Preis senken? Haben die Absatzprobleme?“ Konkurrent Vodafone hat gerade den Preis für seinen Gigabit-Anschluss auf 40 Euro monatlich gesenkt. „Ich mache mir keine Sorgen, wenn ich unsere Zuwachszahlen sehe.“ Die Telekom kombiniere den Breitbandanschluss mit Magenta TV. Die Kunden würden das gut annehmen.

Schulden deutlich höher als im Jahr zuvor

Mit rund 76 Milliarden Euro lagen die Schulden der Telekom deutlich höher als im Jahr zuvor mit 55,4 Milliarden Euro. Ein Großteil des Schuldenanstiegs kommt laut Unternehmen durch die Umstellung auf einen neuen Rechnungslegungsstandard. Deshalb könnte sich die Telekom auch von Geschäften trennen. Das Mobilfunkgeschäft in den Niederlanden könnte an die Börse gebracht werden, für die Funkturm-Gesellschaft wird ein Verkauf geprüft.

Das Management will der Hauptversammlung eine Dividende von 60 Cent je Aktie vorschlagen. Das sind zehn Cent weniger. Der Konzern hatte dies schon früher mit hohen Kosten für die 5G-Mobilfunkauktion und die US-Fusion begründet.

Höttges wird Mitglied des Daimler-Aufsichtsrates, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. Er übernimmt den Platz von Paul Achleitner, der nicht mehr kandidiere. Der Telekom-Chef sei ein ausgewiesener Fachmann für Digitalisierung in der Telekommunikation. „Unter seiner Leitung hat die Deutsche Telekom AG einen großen Sprung nach vorne gemacht“, sagte Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff.