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Konzern kommt ohne Staatshilfen aus: Deutsche Post will 2022 Corona hinter sich lassen

Konzern kommt ohne Staatshilfen aus : Deutsche Post will 2022 Corona hinter sich lassen

Die Deutsche Post sieht trotz der Corona-Krise keinen Bedarf für staatliche Finanzhilfen. Der Konzern sieht sich gut aufgestellt, erklärte Post-Chef Frank Appel am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Die Deutsche Post sieht sich in der Corona-Krise so gut aufgestellt, dass Staatshilfen nicht nötig würden, erklärte Konzernchef Frank Appel am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Am Vorabend hatte das Logistikunternehmen seine Jahresprognose zurückgenommen. Die vorgeschlagene Dividende von 1,25 Euro will es aber zahlen, vorbehaltlich der verschobenen Hauptversammlung.

„Covid-19 ist die neue Realität“, sagte Vorstandsmitglied Melanie Kreis, die für Finanzen zuständig ist. Weil niemand weiß, wann und in welchen Schritten sich das öffentliche Leben wieder normalisieren wird, sieht sich der Konzern nicht in der Lage, zum jetzigen Zeitpunkt die Auswirkungen der Pandemie auf die Geschäftsergebnisse herauszurechnen.

Zumindest für das abgelaufene Quartal stehen die Corona-Folgen aber vorläufig fest: Mit rund 200 Millionen Euro schlägt sich die Corona-Krise im operativen Ergebnis nieder, das nun rund 590 Millionen Euro statt der ursprünglich angestrebten eine Milliarde Euro beträgt. Hinzukommen 230 Millionen Euro Aufwendungen für die Umwandlung des Streetscooters in einen Betriebsflottenbetreiber.

Die Post hatte Ende Februar angekündigt, dass sie die Produktion des Elektrolieferwagens einstellen werde, die zu Millionenverlusten geführt hatte. Appel bestätigte am Mittwoch, dass das Unternehmen den Betrieb des Streetscooters aufrechterhalten will. Bis Ende des Jahres werde man mehr als 15 000 Fahrzeuge haben.

Rund 550 000 Mitarbeiter weltweit

Kreis sagte, die Post sei „sehr komfortabel ins Jahr gestartet“, man habe das Vorjahr mit einer Liquidität von 2,9 Milliarden Euro beendet. Der Konzern verhandelt zudem mit den Betriebsräten über Kurzarbeit. Laut einem Bericht der „Wirtschaftswoche“, die das Unternehmen nicht kommentieren wollte, handelt es sich um etwa 4000 Beschäftigte, insgesamt beschäftigt die Post rund 550 000 Mitarbeiter weltweit. Die Betroffenen arbeiten laut Appel in Tochterfirmen, vornehmlich in Lagern für die Autoindustrie. „Kurzarbeit ist keine Staatshilfe“, betonte der Vorstandsvorsitzende, denn es handele sich beim Kurzarbeitergeld um Mittel aus den Sozialkassen, in die die Arbeitgeber auch eingezahlt hätten.

In den fünf Unternehmensbereichen wirkt sich die Corona-Krise sehr unterschiedlich aus. In Deutschland leidet vor allem das Briefgeschäft, weil es weniger Werbesendungen gibt. Dafür läuft der Versandhandel sehr gut, das Paketaufkommen sei derzeit ähnlich hoch wie in der Vorweihnachtszeit. Unter dem Strich verringert die Corona-Krise das Ergebnis hier um rund 40 Millionen Euro. Bei DHL Express schlägt die Pandemie im ersten Quartal sogar mit etwa 90 Millionen Euro negativ zu Buche. Das Ergebnis bleibt aber mit rund 390 Millionen Euro immer noch positiv, wie Kreis überhaupt betonte, dass alle Unternehmensbereiche im Plus lägen. Wo weniger Kleidung und Autos produziert und nachgefragt werden, leidet auch der Bereich Lieferketten: Das Quartalsergebnis fiel rund 30 Millionen Euro niedriger aus als erwartet. Der Bereich E-Commerce halbierte sein Betriebsergebnis auf rund zehn Millionen Euro.

Appel sagte: „Wir glauben, dass wir in 2022 eine normale oder vielleicht sogar leicht bessere Geschäftsentwicklung haben werden.“ Die Globalisierung werde sich fortsetzen, Digitalisierung und E-Commerce würden sich beschleunigen. An der Ergebnisprognose für 2022 von mehr als 5,3 Milliarden Euro hält der Konzern daher fest. „Wir glauben an eine positive Zukunft nach Covid-19“, sagte Kreis. Der Vorstand macht das daran fest, dass sich das Geschäft in China bereits deutlich erholt hat.

Die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Virusausbreitung lobte Apple: „Die moderate Ausgangssperre in Deutschland hat funktioniert.“ Man sollte nun darüber nachdenken, das Land in den nächsten Wochen schrittweise wieder hochfahren. Er sprach sich für die freiwillige Nutzung einer App aus, die den Nutzer warnt, falls er mit Infizierten in Kontakt gekommen ist.