Artikelreihe "Profil": Den Preisen auf der Spur

Artikelreihe "Profil" : Den Preisen auf der Spur

Hermann Simon, der am Freitag 70 wurde, ist Gründer der Unternehmensberatung Simon-Kucher in Bonn. Seine Preisfindungslehre ist weltweit bekannt, seine Bücher in Dutzende Sprachen übersetzt. Dabei ist er seinem Eifeler Heimatdorf immer treu geblieben.

Die meisten Bahncard-Besitzer werden nicht wissen, wem sie die kleine Plastikkarte verdanken. In Erinnerung geblieben ist den meisten wohl eher der Name Hartmut Mehdorn – als der Mann, der ihnen die Karte wegnehmen wollte.

Hermann Simon erzählt die Geschichte mit einiger Genugtuung und auch ein wenig Stolz. „Wir haben die Bahncard 1993 entwickelt. Es ging damals darum, das Bahnfahren konkurrenzfähig zum Auto zu machen.“ Wer wäre dazu besser geeignet als ein Wirtschaftsprofessor, der eine weltweit beachtete Preisfindungslehre ersonnen hat?

Das „Pricing“, wie es in der Fachwelt heißt, hat Simon, der am Freitag 70 geworden ist, bereits in seiner Doktorarbeit und später als Habilitationsthema begleitet. Er hat darüber Bücher geschrieben, die in Dutzende Sprachen übersetzt wurden und immer wieder neu aufgelegt werden.

Wenn Simon „Wir“ sagt, meint er zu allererst seine Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners, die er in den 1980er Jahren mit seinen beiden ersten Doktoranden gründete. Die Zentrale ist immer in Bonn geblieben, während das Unternehmen wuchs und wuchs. Inzwischen hat Simon-Kucher 33 Büros in aller Welt. Die Beschäftigtenzahl hat gerade die Tausender-Marke überschritten.

Simon ist ein großgewachsener Mann, fast etwas schlaksig. In seinem Büro, heute in der Willy-Brandt-Allee gegenüber den Museumsbauten, hängen zwei Fotos, die die Gründermannschaft und Seniorpartner von Simon-Kucher jeweils im Abstand von 30 Jahren zeigen. Dass dieser Kreis weiterhin besteht, spricht sicherlich auch für Simon.

In das Unternehmertum hat er sich übrigens nicht sofort begeben. Zunächst war Simon 16 Jahre Wirtschaftsprofessor, mit Gastprofessuren in den USA, Frankreich, Großbritannien und Japan, bevor er das Beamtentum aufgab und bei Simon-Kucher den Vorstandsvorsitz übernahm. „Ich wollte keinen Chef mehr über mir haben“, begründet er diesen Schritt.

Wenn man ihn fragt, was das verbindende Element zwischen seinen diversen Tätigkeiten als Lehrer, Autor und Unternehmer sei, dann sagt er: „Managementdenker“. Simon sieht es als seine Stärke, die ökonomische Lehre mit der unternehmerischen Praxis verbunden zu haben. Warum etwa ein Samsung-Smartphone nur halb so viel kostet wie ein iPhone, kann er mit dem Prestige der Marke Apple und dem System von iTunes erklären. „Der Preis hat in dieser Hinsicht nichts mit den Kosten zu tun.“

Der Sohn eines Eifelbauern aus Hasborn wollte eigentlich Starfighterpilot werden. Wegen einer Farbsehschwäche wurde daraus nichts, aber er ging zur Bundeswehr, wo damals in seiner Einheit auch viel über Politik diskutiert wurde. Mit 80 Soldaten seiner Kompanie, alle privat in Zivil unterwegs, sprengte er 1967 in Ulm eine NPD-Versammlung.

Die Jahre an der Universität in Bonn und Köln, die mitten in die Studentenbewegung fielen, empfindet er als „aktive und belebende Zeit“. Simon war Fachschaftssprecher für Ökonomie, politisch unabhängig, was ihn bis heute auszeichnet. Dass er sich bei der letzten Oberbürgermeisterwahl in Bonn für den CDU-Kandidaten Ashok Sridharan einsetzte, begründet Simon mit dessen Befähigung für das Amt, nicht mit der Partei.

Der Unternehmer, der seit 43 Jahren verheiratet ist und mit seiner Frau zwei Kinder hat, strahlt Bodenständigkeit und geistige Unabhängigkeit aus. Die Aufgeregtheit über chinesische Investoren in Deutschland etwa teilt er nicht: „Das ist ein normaler Prozess der Globalisierung.“ Man müsse auch wissen: „Das Knowhow, das die Chinesen wollen, steckt nicht in den Patenten, sondern in den Menschen.“

Zur Bodenständigkeit gehört, dass er jüngst ein Buch über sein Heimatdorf geschrieben hat. Dass es so schnell vergriffen war, hat ihn überrascht. Klar ist: Simon gehen auch mit 70 die Ideen nicht aus.

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