Nicht nur der Name: Das ändert sich alles beim Modehaus Sinnleffers

Nicht nur der Name : Das ändert sich alles beim Modehaus Sinnleffers

Das Modehaus Sinnleffers stellt sich ein Jahr nach dem Insolvenzverfahren für die Zukunft neu auf. Dabei ändert sich nicht nur der Name.

Neuer Name, neues Glück: Ein Jahr nach dem erfolgreichen Abschluss des Insolvenzverfahrens will das Modehaus Sinnleffers auch äußerlich sichtbar machen, dass es wirtschaftlich wieder Tritt gefasst hat. Ab August nennt sich das Unternehmen nur noch „Sinn“. „Wir wollen gegenüber unseren Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern einen Neuaufbruch signalisieren“, erklärt Friedrich-Wilhelm Göbel, Generalbevollmächtigter der Sinn-Gruppe mit Zentrale in Hagen, zu der seit Januar auch das Fuldaer Modehaus Hohmann und Heil gehört.

Der bisherige Name, seit der Fusion der Textilhäuser Sinn und Leffers 1997 entstanden, erschien vielen Kunden laut Göbel „zu sperrig“. Sinnleffers hatte seit der Jahrtausendwende einige Höhen und Tiefen erlebt, die mit der Übernahme durch Karstadt im Jahr 2000 begannen. Eine erste Insolvenz gab es 2008, 2013 folgte der Kauf durch Gerhard Wöhrl, 2016 dann das Insolvenzverfahren in Eigenregie. Von einst 46 Niederlassungen sind 20 Filialen geblieben, davon das Traditionshaus in Bonn, vormals Leffers. Rund 1300 Mitarbeiter hat das Unternehmen bundesweit, in der Bundesstadt sind davon 142.

Der Schrumpfungsprozess schlug sich verständlicherweise auch im Umsatz nieder: Beliefen sich die Erlöse im Geschäftsjahr 2009/2010 auf 300 Millionen Euro (26 Filialen), dürften sie im ablaufenden Geschäftsjahr, das zum 31. Juli schließt, bei 202 Millionen Euro liegen, wie Göbel erläutert und ergänzt: „Wir machen keinen Verlust.“ Im letzten Geschäftsjahr vor der Insolvenz hatte das Minus noch bei 14 Millionen Euro gelegen.

Auf allen Etagen Wlan

Göbel, von Hause aus Investmentbanker, der bei Sinnleffers vor vier Jahren einstieg, hat das Unternehmen einer umfangreichen Digitalisierung unterzogen. In den kommenden Monaten wird das Warenwirtschaftssystem komplett erneuert, seit Jahresbeginn ist in allen Filialen auf sämtlichen Etagen Wlan verfügbar. „Allein im Haus in Bonn haben wir über 250 Zugangspunkte“, erläutert der 55-Jährige, der früher eine Bank in New York leitete.

Die Internetverbindung hilft den Mitarbeitern, filialübergreifend miteinander zu kommunizieren. Dafür gibt es seit dem ersten Quartal eine unternehmensinterne App, die seit Mai durch eine Kunden-App ergänzt wird. Sie soll schrittweise die „Fashion Card“ ersetzen, das bisherige Kundenbindungsprogramm von Sinnleffers, das rund 1,4 Millionen Teilnehmer hat. Göbel rechnet vor, welche Kostenvorteile eine solche App habe, weil etwa keine Werbebroschüren über den Postweg versandt werden müssten, sondern über die App ausgespielt würden. Zum Einstieg lockt Sinn die Kunden mit einem 30-Euro-Gutschein auf das Portal. Zudem gibt es derzeit besondere Rabatte wegen des Saisonendes.

In den Onlinehandel mit einem eigenen Shop will Sinn nicht mehr einsteigen, „da ist der Zug abgefahren“. Stattdessen bereite man das Projekt „Verlängerte Ladentheke“ vor. Wenn ein Kleidungsstück nicht in der gewünschten Größe oder Farbe vorrätig sei, könnten Kunden es künftig per App bestellen und später in der Filiale abholen oder nach Hause liefern lassen.

Persönliche Beratung

„Der Filialverkauf wird das Wichtigste bleiben“, betont Göbel, dessen Eltern und Großeltern aus dem Einzelhandelsgeschäft kommen. Seit der Insolvenz hält die Familie nun einen kleinen Teil an Sinn, der Großteil liegt bei Vermietern und Investoren. „Wir legen sehr Wert auf persönliche Beratung der Kunden.“

Eine Neuerung betrifft die Schaufensterdekoration. Göbel glaubt, dass Dekorationspuppen ausgedient haben. Kunden will er über Bewegtbilder auf großen Bildschirmen in die Geschäfte ziehen. Wenn der Start im Oktober in der Filiale Bochum erfolgreich sei, werde man das in Bonn ab Februar ausprobieren.

Was den Textilhandel angeht, hält Göbel das Argument, das Internetgeschäft sei der Tod des stationären Verkaufs, für falsch. Die Leute gäben heute einfach mehr Geld für Kommunikation aus als für Anzüge oder festliche Kleider. Zudem habe sich die Einzelhandelsfläche in den letzten Jahrzehnten knapp verdreifacht. „Da muss die Flächenproduktivität sinken.“

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