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Coronavirus in Bonn: Kleinunternehmer arbeiten weiter - Umsätze halbiert

Umsätze wegen Corona-Krise halbiert : Viele Kleinunternehmer in Bonn arbeiten weiter

Viele kleine Dienstleister in Bonn arbeiten trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise weiter. Die Umsätze der meisten haben sich dennoch halbiert. Bei Friseuren oder Optikern ist die Angst vor Ansteckung dennoch groß.

„Alle Mitarbeiter haben Angst.“ Robert Fuhs gibt sich keine Mühe, die Stimmung angesichts zunehmender Corona-Infektionen zu beschönigen. In seinem Friseursalon in Alfter hat der Innungsobermeister der Friseurinnung Bonn-Rhein-Sieg deshalb strikte Vorkehrungen getroffen. Er legt keine Zeitungen mehr aus, serviert keinen Kaffee mehr und lässt jeden Stuhl nach getaner Arbeit desinfizieren. Haarschnitte, Dauerwellen oder Strähnchen gibt es nur noch mit Termin, damit niemand warten muss – und nur noch für Stammkundschaft. „Wir beschränken uns auf die reine Dienstleistung“, sagt der Handwerker.

In vielen der rund 1000 Friseur-Betriebe im Innungsbezirk habe es am vergangenen Wochenende einen regelrechten Run gegeben, berichtet Fuhs. Die drohende Zwangsschließung ist nun erst einmal ausgeblieben, auch wenn einige Friseure in Bonn ebenso wie etliche Kosmetikstudios freiwillig vorerst geschlossen hätten. Andere, gerade junge Kollegen ohne finanzielles Polster, könnten sich das wirtschaftlich oft nicht leisten, berichtet der Innungsfunktionär: „Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter deckt nicht die Ladenmiete und die Lebenshaltung des Inhabers“. Anders sei dies im Fall einer angeordneten Quarantäne nach einem Virusfall in der Belegschaft. „Dann zahlt der Staat für den Einnahmeausfall“. Gerecht finden die Friseure, für die ein Abstand von zwei Metern zum Kunden Wunschdenken sind, das nicht.

Auch andere Geschäfte mit Dienstleistungsfunktion wie Hörakustiker oder Optiker dürfen weiter öffnen. Alexander Drehsen, Geschäftsführer bei Optik Zielinski in der Bonner Innenstadt, hat einige Beschäftigte mit Kindern nach Hause geschickt und die Öffnungszeiten verkürzt. „Der Umsatz hat sich um 60 Prozent verringert“, berichtet er. Einige Kunden nutzten die Gelegenheit, bei dem warmen Wetter in Ruhe eine Sonnenbrille zu kaufen. „Aber dafür sind wir jetzt eigentlich nicht da – eher für Reparaturen und Notfälle“. Weil ein Körperkontakt bei der Anpassung von Brillen sich nicht immer vermeiden lässt, setzt Drehsen auf Desinfektion. Ein paar Liter entsprechender Mittel hatte er schon vor der Krise günstig eingelagert.

Auf dem Marktplatz bietet David Klobuch am Donnerstagmorgen frischen Spargel und süße rote Erdbeeren an. „Normalerweise wäre das ein Selbstläufer – gerade bei dem warmen Wetter mit erstmals 18 Grad“, sagt der Händler. Doch normal ist wenig in diesen Tagen. Die vielen Kunden, die sonst den Marktbesuch mit einem Einkaufsbummel verbinden, bleiben fern. Die Zahl der Stände ist bereits deutlich reduziert. Nur vereinzelt kommen Passanten vorbei. „Ich kann nicht sagen, wie lange sich das hier noch lohnt“, sagt Klobuch. Angst vor Ansteckung hat er hinter seinen Auslagen weniger. Die Kunden werfen das Kleingeld in eine Schale, um direkten Kontakt zu vermeiden.

„Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl“, findet der Marktbeschicker. Auch andere Handwerker arbeiten derzeit wie gewohnt weiter. Der Sanitär- und Heizungsbauer Thomas Schumacher aus Küdinghoven rückt mit seinen sechs Mitarbeitern aus, um verstopfte Rohre zu reinigen. „Auch bei einem Gasleck können wir ja die Kunden nicht einfach alleine lassen‘“, sagt der Familienunternehmer. Einweghandschuhe und Seife plus Desinfektionsmittel in jedem Firmenfahrzeug sollen das Risiko einer Ansteckung bei den Kunden zuhause verringern. Trotzdem überlegt sich Schumacher inzwischen genau, wo er tätig wird. Er betont: „Für einen tropfenden Wasserhahn kommen wir aktuell nicht.“

Dabei könnte Schumacher in diesen Wochen noch bessere Geschäfte machen als vor Beginn der Virus-Krise. Er berichtet – und das bestätigen weitere Fachkollegen wie Marco Büttgenbach in Duisdorf gegenüber dem GA – von einer wunderlichen Sonderkonjunktur. Viele Verbraucher, die jetzt im Homeoffice arbeiten oder Kinder betreuen, wollten die Zeit zu einem Umbau von Küche oder Bad nutzen. „Die haben jetzt Zeit, um aufgeschobene Dinge zu erledigen“. Bei Schumacher haben solche Anfragen indessen keinen Erfolg. „In erster Linie geht es jetzt um die Sicherheit und Gesundheit meiner Mitarbeiter“, betont der Handwerksmeister.