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Corona-Krise im Rhein-Sieg-Kreis: So reagieren die Unternehmen

Aufschwung und Schließungen im Rhein-Sieg-Kreis : So reagieren die regionalen Firmen auf die Corona-Krise

Viele Firmen sind wegen der Pandemie im Winterschlafmodus, die anderen stellen dagegen sogar zusätzliche Mitarbeiter ein: Die Krise wirkt sich ganz unterschiedlich auf die Wirtschaft aus. Ein Überblick über die Lage der Firmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis.

Bei den einen gibt es bereits Engpässe, andere produzieren mehr denn je – das Coronavirus hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Unternehmen in Bonn und der Region. Eines steht bei allen Firmen im Vordergrund: Der Schutz der Mitarbeiter und Kunden. Kautex Maschinenbau hat zum Beispiel schon sehr früh an seinen Standorten in China gelernt, welche Maßnahmen wirksam sind. So wird bei jedem Mitarbeiter vor Betreten des Geländes die Körpertemperatur gemessen, bei der Arbeit werden Schutzmasken getragen. So gehen andere Unternehmen mit der Krise um:

  • Knauber: Noch dürfen die Filialen des Freizeitmarktes Knauber weiter geöffnet haben. Ob dies allerdings so bleibe, weiß Alexander Peinemann, Geschäftsführer von Knauber Freizeit, nicht. Das Unternehmen sei bereits dabei, das Kurzarbeitergeld vorzubereiten. Falls die Regierung weitere Maßnahmen beschließen sollte, infolgedessen Schließungen der Filialen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen nötig seien, seien alle Mitarbeiter, auch in der Verwaltung, von der Kurzarbeit betroffen. Im Moment gebe es bereits Unterbrechungen in den Lieferketten: „Viele Pflanzenanbieter aus Holland beliefern uns nicht mehr“, sagt Peinemann. Zurzeit lohne es sich, die Geschäfte geöffnet zu lassen, „aber wir überlegen schon, ob es in Zukunft noch Sinn macht, alle Filialen auf zu halten“, sagt Peinemann.
  • Intersurgical: Bei dem Unternehmen Intersurgical läuft die Arbeit hingegen gerade auf Hochtouren. Der Vertrieb in Sankt Augustin versorgt bundesweit Krankenhäuser und medizinische Fachhändler mit Einmalprodukten für die Intensivmedizin, zum Beispiel mit Beatmungssystemen. „Wir haben  in den letzten zwei Wochen einen Auftragszuwachs von 170 Prozent verzeichnet“, erklärt Bernd Siegburg, Geschäftsführer von Intersurgical. Fünf zusätzliche Mitarbeiter habe er bereits als Hilfskräfte in dem 7000 Quadratmeter großen Lager eingestellt. „Die Mitarbeiter leisten tolle Arbeit, niemand ist mehr im Urlaub, alle legen Sonderschichten ein“, sagt Siegburg. So würden die 58 Angestellten nun im Schichtbetrieb an sechs Tagen pro Woche in der Firma sein.
  • Kuhne Anlagenbau: „Es ist ein bisschen wie zwischen Weihnachten und Neujahr“, sagt Peter Kuhne von der Geschäftsleitung des mittelständischen Maschinenbauunternehmens in Sankt Augustin. Die Firma habe den Betrieb heruntergefahren und befinde sich in einer Art „Winterschlafmodus“. Da es zu Stockungen bei der Anlieferung komme, gestalte sich die Arbeit zurzeit etwas anders: „Es gibt gewisse Teile, die wir nicht mehr geliefert bekommen. Dann müssen wir an anderer Stelle weiterarbeiten, das ändert sich täglich“, erklärt Kuhne. Da das Unternehmen sich vor allem mit langfristigen Aufträgen beschäftigt, sei es momentan noch möglich, Aufträge aus dem vergangenen Jahr zu bearbeiten.
  • A-Z kreativ Displays: Das Unternehmen A-Z kreativ Displays in Meckenheim stattet Kosmetikfirmen mit Werbedisplays aus. Da durch das Coronavirus allerdings eine Vielzahl an Aufträgen storniert wurde, hat das Unternehmen seine Produktion umgestellt: „Um eine Weiterbeschäftigung zu gewährleisten, produzieren wir derzeit Spuckschutz-Wände“, teilte A-Z kreativ Displays mit. So habe die Meckenheimer Firma bereits letzte Woche die Bäckereikette Mauel sowie eine Apotheke mit Hygienebarrieren beliefert.
  • Reifenhäuser Reicofil: Auch der Maschinen- und Anlagenbauer aus Troisdorf hat seine Produktion umgestellt. Auf zwei seiner Versuchsanlagen produziert Reifenhäuser seit einigen Tagen Vlies, das zur Herstellung von bis zu einer Million Atemschutzmasken täglich verwendet werden kann. Die Anlagen im sogenannten Technikum nutzt die Firma sonst zur Forschung, nicht aber für die eigentliche Produktion. Der Versuchsbetrieb werde in dieser Zeit fast vollständig ausgesetzt. Reifenhäuser bemühe sich, die lokale Versorgung mit Schutzmaterial sicherzustellen, habe allerdings bisher keine Abnehmer für das Material in Europa oder Deutschland gefunden. Die Lieferungen für die nächsten fünf Woche seien bereits an einen vietnamesischen Hersteller für Atemschutzmasken verkauft.
  • Italia-Import Perrone: Normalerweise verkauft Toni Perrone täglich Pasta, Tomatensauce oder Olivenöl an viele Restaurants in der Region. Doch nun muss der Geschäftsführer des Importhandels „Italia-Import Perrone“ auf sein Hauptstandbein verzichten: „Von heute auf morgen haben die Gastronomiebetriebe geschlossen und wir konnten nichts mehr liefern“, erklärt er. Ab April müsse er sieben Fahrer von seinen insgesamt 20 Mitarbeitern in Kurzarbeit schicken. Das Onlinegeschäft hingegen laufe im Moment sehr gut. „Und auch im Privatsektor kommen doch noch einige“, so Perrone. Sie würden jetzt statt kleiner Mengen ganze Paletten mit Tomatensauce oder große Säcke Mehl kaufen. Doch es gebe keinen Grund zur Panik, so Perrone: „Die Waren kommen regelmäßig rein.“ Lieferengpässe gebe es nicht.
  • Evonik: Das Unternehmen für Spezialchemie produziert laut Arndt Selbach, Standortleiter in Wesseling und Lülsdorf, noch so wie vor Beginn der Corona-Pandemie: „Bisher gibt es keine bis wenig Beeinträchtigung in der Produktion.“ Allerdings müsse die Firma auf die Lieferketten und Abnehmer reagieren. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass Abnehmer wegfallen werden“, so der Standortleiter. Da das Unternehmen unter anderem für die Automobilindustrie produziert, und einige Hersteller bereits Werke geschlossen haben, geht Selbach davon aus, dass sich die Lage ändern wird. „Es genügt ein Dominostein, um doch Einschränkungen herbeizuführen.“ Die Bedingungen für Kurzarbeit werden deshalb zurzeit überprüft. Sie solle aber möglichst vermieden werden.