Kommentar zum Handelskonflikt: Chinas Trumpf

Kommentar zum Handelskonflikt : Chinas Trumpf

Trump erhöht die Einfuhrzölle und heizt damit den Handelskonflikt mit China an. Peking kündigt Gegenmaßnahmen an. Doch auch Deutschland leidet, kommentiert GA-Korrespondentin Birgit Marschall

Wie sehr der von Donald Trump angezettelte Handelsstreit mit China auch uns in Deutschland berührt, zeigte am Donnerstag die neue Steuerschätzung: Der deutsche Staat nimmt in den kommenden Jahren über 100 Milliarden Euro weniger ein, weil die Wirtschaft weniger expandiert. Die deutsche Konjunktur leidet besonders, weil ein einzelner Mensch in Washington an der Zollschraube dreht. Dass Trump eine Weltrezession riskiert, die auch die USA mit hinab reißen kann, scheint ihn nicht zu interessieren.

Trump setzt darauf, dass China viel mehr als die USA auf den Export angewiesen ist. Die Kehrseite ist jedoch, dass die US-Wirtschaft von Importen abhängig ist, die durch Trumps Einfuhrzölle teurer werden. Zudem verfügt China über einen Trumpf, den es bisher nicht einsetzt: Die Chinesen besitzen erhebliche Teile der USA, weil sie ihr angehäuftes Billionen-Kapital in amerikanischen Anleihen und Wertpapieren angelegt haben.

Zögen sie das Kapital ab, bräche der US-Dollar so stark ein, dass auch Trump das nicht mehr lustig fände. Die Renditen für US-Staatspapiere müssten drastisch steigen und der stark verschuldete Staat müsste höhere Zinsen bezahlen. Auf Dauer könnte Trump das nicht aushalten.

Verliert China das Kräftemessen, wäre dies keine gute Nachricht: Trump würde sein brutales Vorgehen als Blaupause für die Zukunft preisen. Er würde weitermachen, kurzfristige Erfolge erzielen.

Man kann also nur hoffen, dass die Chinesen nicht einknicken, aber klug genug vorgehen, damit Trump das Gesicht wahren kann, kleinere Erfolge im Handelspoker verbuchen kann – und die protektionistische Abwärtsspirale durch die derzeit laufenden Verhandlungen in Washington doch aufgehalten werden kann.

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