Konjunktur in Deutschland: Chefetagen in festlicher Stimmung

Konjunktur in Deutschland : Chefetagen in festlicher Stimmung

Die Laune der Firmen verbessert sich zum Jahresende überraschend deutlich. Die deutsche Wirtschaft startet mit Schwung und guten Mutes ins Jahr 2017.

Das signalisiert der aktuelle Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung für den Monat Dezember. Der ist über Erwarten kräftig von 110,4 auf 111,0 Zähler gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren.

„Die deutsche Wirtschaft legt einen Jahresendspurt hin“, verkündete Ifo-Chef Clemens Fuest die frohe Botschaft. Mit der aktuellen Geschäftslage, als einer von zwei Teilkomponenten des wichtigsten Konjunkturindikators der Repu-blik, seien heimische Firmen sogar so zufrieden wie seit Februar 2012 nicht mehr. Leicht verbessert hätten sich unter den 7000 befragten Unternehmen auch die Erwartungen an neue Geschäfte im ersten Halbjahr 2017.

Angesichts dieser festlichen Stimmung in deutschen Chefetagen zum Jahresausklang frohlocken sogar Konjunkturexperten von Banken. „Die Konjunktursymphonie schließt 2016 mit einem Akkord in Dur“, jubelte Jörg Zeuner von der KfW-Bankengruppe. Die gute Laune in den Betrieben stütze Hoffnung auf ein stärkeres Wachstum der deutschen Wirtschaft. Ifo erwartet dafür 2017 ein 1,5-prozentiges Plus.

Ähnlich ist es bei anderen Auguren. Weil speziell in der Industrie Nachfrage und Auftragsbestände zuletzt merklich angezogen haben, werde dort auch die Produktion in den kommenden Monaten angehoben, stellen die Münchner Wirtschaftsforscher klar. Verbessert habe sich im Dezember zudem die Stimmung im Großhandel, während sie im vom Weihnachtsgeschäft geprägten Einzelhandel stabil auf hohem Niveau bleibe. Vor allem Händler von Elektroartikeln würden von guten Verkäufen kurz vor dem Fest berichten. Der Bau setzt indessen seine Rekordjagd fort. Seit der Wiedervereinigung ist es heimischen Baufirmen noch nie so gut gegangen. Der Bauboom gehe in den kommenden Monaten weiter, betont Ifo.

Das spricht dafür, dass die Binnennachfrage hier zu Lande auch 2017 wesentliche Stütze der deutschen Wirtschaft bleibt. Darauf deutet auch ein Anstieg der Pro-Kopf-Kaufkraft um nominal 1,7 Prozent auf 22 239 Euro im nächsten Jahr, den die Konsumforscher der Nürnberger GfK-Gruppe berechnet haben. Grund dafür sind steigende Löhne und Einkommen sowie eine anhaltend positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Zudem ist die heimische Einwohnerzahl dieses Jahr um 1,2 Prozent gewachsen. Addiert man diesen Effekt hinzu, wächst die deutsche Kaufkraftsumme 2017 sogar um knapp drei Prozent auf gut 1,8 Billionen Euro.

Während im Inland die Signale für die Wirtschaft damit verlässlich auf Grün stehen, bergen Einflüsse aus dem Ausland vor allem auf den deutschen Export einige gewichtige Ungewissheiten. Vor allem warnen Konjunkturexperten von Banken vor schwer kalkulierbaren politischen Risiken wie den 2017 anstehenden Verhandlungen zum Brexit und dem wirtschaftspolitischen Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Dazu kommen Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und eventuell auch Italien.

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