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Drei Monate Stillstand: Busunternehmen in der Region leiden in der Corona-Krise

Drei Monate Stillstand : Busunternehmen in der Region leiden in der Corona-Krise

Die meisten Busunternehmen in Bonn und der Region fahren seit dem Lockdown Mitte März nicht mehr. Die Kunden halten sich noch immer zurück.

Keine Klassenfahrten, keine Konzerte und Festivals, keine Zuschauer beim Fußballspiel – all das fällt den Busunternehmen in Bonn und der Region zulasten. Das Reisegeschäft rollt ebenfalls nur sehr langsam an. Für die meisten Unternehmen haben seit Mitte März gar keine Fahrten mehr stattgefunden und alle Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Wie geht es den Betrieben drei Monate nachdem Reisen verboten wurden und es zu einem kompletten Stillstand im Bustourismus kam?

Bei Frank Eymael in Königswinter steht der Reisebus seit drei Monaten abgemeldet auf dem Hof. „Wir sind zum Glück etwas breitbeiniger aufgestellt“, berichtet der Geschäftsführer. Mit seinen Taxis konnte er sich bisher über Wasser halten. Doch auch in diesem Fall lediglich mit Krankenfahrten – „das reine Taxigeschäft ist komplett weggebrochen“, so Eymael. Für März hatte er noch geplant, einen neuen Bus anzuschaffen. Tatsächlich sagt er jetzt: „Zum Glück haben wir das nicht gemacht.“ Denn laufende Kosten trägt Eymael weiterhin für seinen Bus. Rund 4000 Euro Finanzierungskosten musste er bis jetzt jeden Monat weiterzahlen. Um die Verluste ausgleichen zu können, entließ er drei seiner fünf Mitarbeiter. Erst im kommenden Monat hat Eymael wieder Tagesfahrten auf dem Plan. Dann darf er 16 bis 20 Personen in einem Bus, der für 52 gedacht ist, mitnehmen. „Daran werde ich nichts verdienen“, berichtet der Geschäftsführer und fügt hinzu, dass er die Kundschaft dennoch zufrieden­stellen wolle.

„Wir hatten gerade die letzten Saisonvorbereitungen abgeschlossen und waren startklar. Dann mussten wir von heute auf morgen einen Großteil des Personals in Kurzarbeit schicken“, sagt Aenne Kimmel, Geschäftsführerin von Univers Reisen aus Bonn. Dies sei insbesondere deshalb enttäuschend gewesen, da sie von Dezember bis Februar noch neues Fahrpersonal akquiriert hatte. Seit der Aufhebung der Reisebeschränkungen laufe das Geschäft nur sehr schleppend an. Hinzu komme laut Kimmel ein „klarer Wettbewerbsnachteil“, da in den Reisebussen Abstandsregeln von mindestens 1,5 Metern gelten und somit maximal jeder zweite Platz belegt werden dürfe. Bei der Deutschen Bahn und dem Unternehmen Flixbus gelte diese Maßnahme hingegen nicht.

Regelunterschiede in den Bundesländern erschweren Situation

Die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer würden die Situation weiter erschweren: Einige erlauben touristische Fahrten, andere nicht. „Das bedeutet, dass man eventuell bei einer Fahrt an die Ostseeküste in dem ein oder anderen Bundesland nur durchfahren, aber nicht anhalten darf. Die Länder sprechen von föderalen Bestimmungen, ich würde es als vollendetes Chaos bezeichnen“, so Kimmel. Trotz alledem blicke Univers Reisen positiv in die Zukunft und lasse sich von dem Corona-Virus nicht bremsen.

„Die Busse dürfen zwar fahren, aber die Fahrgäste nicht einsteigen“, erzählt Klaus Schönherr von Betzen + Bruzzo Reisen aus Bonn. Die Hälfte seiner Fahrten sind Klassenfahrten, die das Schulministerium allerdings bis zu den Herbstferien verboten hat. Weitere 40 Prozent seines Geschäfts betreibt der Unternehmer mit Tourneen von Bands wie zum Beispiel Querbeat. Doch diese dürfen keine Konzerte spielen, sodass seine größten Einnahmequellen wegfallen. „Alle Kunden haben bis zum 15. Oktober abgesagt“, berichtet Schönherr. Ein paar Monate könne er so noch durchhalten, weil er auch im Winter durch die Tourneen gut gewirtschaftet habe. „Aber dann müssen wir richtig ans Eingemachte.“ Er sei dankbar für die Soforthilfe des Staates. Allerdings habe diese lediglich für etwa 22 Tage ausgereicht. Wirklich helfen würde seiner Meinung nach, den Umsatz des Vorjahreszeitraums zur Hälfte auszuzahlen.

Die zwölf Festangestellten in seinem Mietbusbetrieb musste Oleksiy Kolomatskiy, Geschäftsführer des Troisdorfer Unternehmens Heeß, alle in Kurzarbeit schicken. Seine acht Fahrzeuge stehen seit Mitte März still. Obwohl er seit Ende Mai wieder fahren dürfte, hat er bisher nur einen Bus wieder voll angemeldet. „So können wir wenigstens jeden Tag eine Fahrt bedienen, falls Kunden kommen“, sagt Kolomatskiy. Sein Hauptgeschäft verdient er allerdings mit Fahrten für Schulklassen sowie zu Fußballspielen – die im Moment alle nicht stattfinden.