Stellenstreichung beim Autobauer: Bundeswehr-Werbung in Köln empört Ford

Stellenstreichung beim Autobauer : Bundeswehr-Werbung in Köln empört Ford

Die Bundeswehr sucht mit umstrittenen Sprüchen neue Bewerber unter entlassenen Mitarbeitern des US-Autobauers Ford. Auch VW-Beschäftigte stehen im Fokus.

Das Management der Ford-Werke, der Betriebsrat und die Kölner IG Metall sowie der DGB kritisieren eine Werbekampagne der Bundeswehr. In der Umgebung der Ford-Werke fahren etwa Lieferwagen mit Plakatwänden, die auf Jobangebote der Bundeswehr aufmerksam machen. Die Art der Werbung stößt dabei auf heftige Kritik.

Ford-Betriebsratschef Martin Hennig nannte die Kampagne „geschmacklos“. Ford-Arbeitsdirektor Rainer Ludwig nannte sie „respektlos und niveaulos“. Die Mitarbeiter bei Ford seien fassungslos und empört, so beide gegenüber dieser Zeitung.

„Job Fort?“, fragt die Bundeswehr und schreibt „Fort“ im Stile des Logos des Autobauers. „Zynisch wird der Arbeitsplatzabbau von Ford missbraucht, um Werbung für Arbeitsplätze bei der Bundeswehr zu machen“, kritisiert Kölns DGB-Vorsitzender Witich Roßmann. Er spricht von einer unerträglichen Provokation für die um ihre Arbeitsplätze besorgten Ford Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Kölns IG-Metall-Chef Dieter Kolsch spricht von einer Verhöhnung der Arbeit und Leistung von vielen tausend Beschäftigten und ihrer Arbeit. Der DGB und die IG Metall fordern von der Bundeswehr eine Entschuldigung bei den Arbeitnehmern der Ford-Werke für diesen Zynismus und eine Rücknahme der Anzeige.

Besonders empört Betriebsratschef Hennig der Satz auf dem Plakat „Mach was wirklich zählt“. Damit werde die bisherige Tätigkeit der Mitarbeiter in den Dreck gezogen. Das bedeute doch, „dass die bislang nur Mist gemacht haben“, so Hennig weiter. Ford streicht in Deutschland über 5000 Stellen und unterbreitet den Mitarbeitern Abfindungsangebote sowie Hilfen für einen vorgezogenen Ruhestand.

Die Bundeswehr wirbt auch in Wolfsburg um Mitarbeiter, nachdem VW Stellenstreichungen angekündigt hatte. „Wir wollen uns den Menschen, die von einem Stellenabbau betroffen sind, als berufliche Alternative vorstellen“, teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit. Die Bundeswehr biete eine Vielfalt an Karrieremöglichkeiten an. Gerade für Fachpersonal aus den Bereichen Technik und Handwerk könnte das eine bisher unbekannte Perspektive sein. „Bundesweit bieten wir mehrere tausend gute, sichere Jobs an – auch in Köln als einer der größten Arbeitgeber.“ Die Aktion laufe am Donnerstag einmalig sowohl in Köln, als auch in Wolfsburg.

Die Botschaften „Job Fort?“ in Köln und „Einen Job fürs Volk wagen“ in Wolfsburg würden auch von Mittwoch bis Freitag im Umkreis der beiden Standorte als Anzeigen in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram ausgespielt.

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