Bilanz in Bonn/Rhein-Sieg: Bei der Volksbank steigt die Kreditnachfrage

Bilanz in Bonn/Rhein-Sieg : Bei der Volksbank steigt die Kreditnachfrage

Vor der geplanten Fusion mit der Kölner Bank bleibt der Gewinn des Genossenschaftsinstitutes Volksbank Bonn/Rhein-Sieg stabil. Die Firmen in der Region verzeichnen eine gute Konjunktur.

Trotz der Probleme, die für Banken aus der derzeitigen Niedrigzinsphase herrühren, stehen für die Volksbank Bonn/Rhein-Sieg die Zeichen auf Wachstum. Besonders die Kreditnachfrage steigt: Das Kundenkreditvolumen nahm im vergangenen Jahr um 8,2 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zu.

In diesen Zahlen spiegelt sich die gute Konjunktur der Firmen in der Region wieder: „Viele Firmen haben volle Auftragsbücher und beurteilen ihre Zukunftsaussichten weiter positiv“, sagte Vorstandschef Jürgen Pütz bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Dienstag in Bonn. Der Wohnungsbau sei der Hauptwachstumsträger im Kreditgeschäft. Das Neugeschäft legte um 21,4 Prozent auf 272 Millionen Euro zu. Unter Druck stand die Zinsspanne, also der Unterschied zwischen dem Zinsertrag aus Krediten und dem Zinsaufwand aus Einlagen. An diesem Unterschied verdienen Geldinstitute. Bei der Volksbank ging die Zinsspanne um 1,9 Millionen Euro auf 43,5 Millionen Euro zurück.

Zuwächse erzielte die Volksbank auch bei den Kundeneinlagen. Sie stiegen um 2,8 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro. Selbst das traditionelle Sparbuch bleibt in Mode: Die Sparbuch-Einlagen stiegen um 6,4 Prozent auf 338 Millionen Euro. Dabei zahlt die Volksbank ihren Anlegern derzeit fast keine Zinsen, sagte Pütz. Aber dennoch müsse sie beim Einlagengeschäft draufzahlen. Denn beim Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken, der DZ Bank, zahle sie selbst für die Geldanlage Negativzinsen in Höhe von - 0,4 Prozent.

Das Gesamt-Kundenvolumen, also die Summe aus Einlagen, Ausleihungen, Vermittlungsgeschäft und Wertpapieren, stieg um 4,6 Prozent auf rund 4,9 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme, Indiz für die Größe einer Bank, legte um 2,6 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von 4,95 Millionen Euro, nur 50.000 Euro weniger als 2015.

Es ist voraussichtlich die letzte Bilanz, die die Volksbank selbstständig erstellt. Ende Mai sollen die Vertreterversammlungen beider Häuser über die Fusionspläne mit der Kölner Bank abstimmen (der GA berichtete). „Derzeit ist eigentlich alles auf diesen Tag ausgerichtet“, meinte Pütz. Er sieht in dem Zusammenschluss unter zwei etwa gleich großen Instituten die Chance, Ertragsquellen durch neue Angebote zu erschließen und Kosten zu senken. Beides sei in der Niedrigzinsphase nötig. Das neue Institut wird Volksbank Köln/Bonn heißen. Chef soll Pütz werden. Das fusionierte Institut soll zwei Hauptsitze haben: in Bonn und in Köln. Weder Filialschließungen noch Kündigungen sollen durch den Zusammenschluss ausgelöst werden, sagte Pütz.

Unter den Genossenschaftsbanken gibt es eine Welle an Fusionen. Aus den neun Instituten in der Region würden bis zum Jahresende voraussichtlich fünf, berichtete Pütz. 1970 habe es noch 7000 in Deutschland gegeben, derzeit sei die Zahl unter 1000 gesunken. Weitere 100 Zusammenschlüsse seien für dieses Jahr bereits angemeldet.

Als eine wesentliche Ursache für den Fusionstrend gilt die zunehmende Digitalisierung des Geschäftes. Bei der Volksbank Bonn/Rhein-Sieg hat sich die Zahl der Nutzer des Mobile Banking über das Smartphone beispielsweise binnen Jahresfrist um 17,6 Prozent auf 75.422 Girokonten gesteigert.

Die Digitalisierungspläne gehen weiter: Derzeit spricht Pütz mit anderen Volksbanken über den Aufbau eines regionalen Immobilienportals und einer Crowdinvesting-Plattform. Crowdinvesting ist eine Finanzierungsform, bei der sich zahlreiche Anleger mit geringen Geldbeträgen über das Internet an zumeist jungen Unternehmen beteiligen. Die Kosten für den Aufbau solcher Portale seien so hoch, dass es sich für eine Volksbank alleine nicht lohne.

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