Kfz-Zulieferer aus Königswinter: Baumot will Diesel-Nachrüstkits auf den Markt bringen

Kfz-Zulieferer aus Königswinter : Baumot will Diesel-Nachrüstkits auf den Markt bringen

Die Königswinterer Baumot Group AG will noch 2019 Diesel-Nachrüstkits auf den Markt bringen. Kosten je System: rund 3000 Euro.

Ein unscheinbares Schild weist den Weg im Oberpleiser Gewerbegebiet in Sichtweite der A3. „Twintec Baumot“ ist darauf zu lesen. Beinahe gleichberechtigt führt auch heute noch das Unternehmen beide Firmennamen, fünf Jahre, nachdem die Schweizer Baumot das seinerzeit in Schieflage geratene Königswinterer Unternehmen übernahm. Seither firmiert Twintec unter dem Dach der Baumot Gruppe. Neben Twintec gehören noch die Baumot Technik in Witten sowie die Schweizer Baumot AG mit allen Auslandstöchtern zum börsennotierten Unternehmen mit Sitz in Königswinter. „Wir werden beide Unternehmen noch stärker zusammenführen“, sagt Vorstandschef Marcus Hausser. So lange würde auch der Name Twintec weitergeführt.

Baumot wie Twintec teilen sich denselben Markt. Während Baumot Nachrüstlösungen für Dieselabgasreinigungssysteme bei Bussen und Lkw anbietet, ist Twintec traditionell im Pkw-Geschäft tätig. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. „Unser Geschäft ist sehr vom Gesetzgeber abhängig“, sagt Hausser. Bei jeder Verschärfung der Emissionsnorm springe das Geschäft an, mit jeder neuen politischen Diskussion erlahme die Nachfrage auch gleich wieder.

Das politische Gezerre um Luftreinhaltepläne und Fahrverbote in Innenstädten macht nicht nur die Fahrzeughalter mürbe. Auch die Nachrüster hätten sich viel eher eine klare Linie der Politik gewünscht. Auch wenn es noch in keiner deutschen Stadt flächendeckende Fahrverbote für Euro-5-Diesel gibt, scheinen die meisten rechtlichen wie technischen Hürden aus dem Weg geräumt, sodass Baumot und andere Hardware-Nachrüster sich berechtigte Hoffnungen machen, endlich ins lukrative Nachrüstgeschäft einsteigen zu können. 270 Milligramm Stickoxid je Kilometer dürfen Autos hierzulande im Realbetrieb noch ausstoßen. Darin sieht Hausser kein Problem: „Wir können mit unserer Technik jede Emissionsnorm erfüllen“, sagt er und fügt hinzu: „Überall auf der Welt“. Was zumindest für Baumot wichtig ist, denn gut drei Viertel seines Geschäfts macht das Unternehmen, das rund 70 Mitarbeiter beschäftigt, davon 20 in Königswinter, im Ausland. Stark im Markt sei man, so Hausser, etwa in Italien Großbritannien und Israel. Entwickelt wird im eigenen Haus, allerdings nicht in Königswinter, sondern in Dortmund. Produziert werden die Reinigungssysteme von Partnerfirmen. Neben der Verwaltung befindet sich ein Lager am Firmensitz, ein weiteres ist zurzeit noch in Sankt Augustin angemietet.

Allerdings lief das vergangene Jahr weniger gut als erhofft, bekennt der Vorstandschef, ohne ins Detail zu gehen. Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr werden erst in den nächsten Wochen veröffentlicht. Nur so viel verrät er: „Das Jahr war hart, aber das erste Quartal 2019 lief sehr gut und macht Hoffnung.“ 2017 lagen die Erlöse mit 9,8 Millionen Euro allerdings deutlich unter den Vorjahreswerten von 38,3 Millionen Euro. Vor allem die Entkonsolidierung der Kontec-Gruppe machte sich bemerkbar. Twintec hatte den Ingenieur-Dienstleister aus der Nähe von Stuttgart 2015 übernommen. 2017 durchlief die Firma ein Insolvenzverfahren, die Königswinterer beschlossen, die Kontec-Geschäftsfelder nicht weiter zu betreiben. Unterm Strich stand bei Baumot ein Vorsteuerverlust von 6,2 Millionen Euro zu Buche, nach 3,6 Millionen Vorsteuerverlust ein Jahr zuvor.

Noch in diesem Jahr wollen die Königswinterer ihre Nachrüstlösungen für Euro-5-Diesel auf den Markt bringen. „Wir starten mit Sets für die Mercedes E-Klasse und den Transporter Sprinter sowie für den VW Passat“, so Technik-Vorstand Stefan Beinkämpen. Dann werde das Angebot zügig sukzessive auf andere Modelle erweitert. Beinkämpen schätzt das Potenzial auf 1,3 Millionen Autos: „Zehn Prozent davon könnten wir nachrüsten.“ Bei Kosten von etwa 3000 Euro pro System ergibt sich, rein rechnerisch, ein Markt von 400 Millionen Euro. Die Modellpalette für den Marktstart ist wohl kalkuliert. Daimler und VW sind die Hersteller, die ihren Kunden eine finanzielle Unterstützung bei der Nachrüstung anbieten. Zugleich verhehlen die Autokonzerne nicht, dass sie eine Software favorisieren, um die Abgaswerte zu verbessern. Beinkämpen ist von Berufs wegen für eine Hardwarelösung und verspricht: „Mit unserem System sind unsere Kunden nie wieder von Fahrverboten betroffen.“

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