Kommentar zur Lage bei Bayer: Baumanns heikle Mission

Kommentar zur Lage bei Bayer : Baumanns heikle Mission

Die Bonner Hauptversammlung endete für Bayer-Chef Werner Baumann in einem Debakel. Die Mehrheit der Aktionäre verweigerte ihm die Entlastung. Was ist die Konsequenz? Ein Kommentar.

Schwer beschädigt ist Bayer-Chef Werner Baumann aus der Hauptversammlung in Bonn hervorgegangen. Dass ihm nur knapp 45 Prozent der Aktionäre die Entlastung erteilt haben, ist ein Debakel – eines mit Ansage: Es war klar, dass die Anleger die enorme Talfahrt an der Börse in Folge der Monsanto-Übernahme nicht hinnehmen würden. Baumann die Entlastung zu verweigern, war ihr Ventil, um Dampf abzulassen. Das ist völlig nachvollziehbar.

Natürlich ist das Abstimmungsergebnis rechtlich nicht bindend. Gleichwohl kommt es einem Misstrauensvotum gleich. Was folgt daraus? Rücktritt? So einfach ist es nicht. Dann müsste erst einmal eine neue Führung her, die sich dann noch einarbeiten müsste. Folge wäre eine Phase der Ungewissheit, womöglich eine Hängepartie – auch das kann nicht im Sinne der Aktionäre sein. Baumann zeigte sich in Bonn davon von der Monsanto-Übernahme überzeugt und beteuerte, dass das umstrittene Mittel Glyphosat bei korrekter Anwendung ungefährlich sei. Nach dem Motto „Hier steh ich und ich kann nicht anders“ verteidigte er seinen Kurs.

Damit ist er nun zum Erfolg verdammt. Er muss dauerhaft unter Beweis stellen, dass der Monsanto-Kauf strategisch richtig war. Das wird sich im Laufe der kommenden Jahre zeigen. Aber das reicht nicht: Wie es mit Bayer weitergeht, hängt besonders von der unberechenbaren US-Justiz ab, wo Tausende Glyphosat-Klagen anhängig sind. Wenn der Konzern nicht untergehen will, muss er dort bestehen. Dem Vorstandschef steht eine heikle Mission bevor.

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