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Immobilien: Bauboom in der Region

Immobilien : Bauboom in der Region

Die Nachfrage nach Wohnungen ist vielerorts so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Von Januar bis Juni wurde bundesweit der Bau von 182 800 Wohnungen genehmigt.

Die Immobilienpreise in Deutschland steigen fast überall. Die Nachfrage nach Wohnungen ist dennoch so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr. Von Januar bis Juni wurde bundesweit der Bau von 182 800 Wohnungen genehmigt. Laut Statistischem Bundesamt waren das 30,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es ist der höchste Halbjahresstand seit dem Jahr 2000. Das gilt auch für Bonn, Köln und den Rhein-Sieg-Kreis, wo bisher ein Anstieg von 60 bis 80 Prozent zu verzeichnen ist.

In welchen Gegenden boomt der Wohnungsbau?

Die meisten Wohnungen wurden im ersten Halbjahr in Berlin genehmigt, gefolgt von München und Hamburg. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln spricht von einem „Nachfrageboom“ in Ballungszentren und Universitätsstädten.

Wie viele Baugenehmigungen gab es 2016 bisher in der Region?

Die nordrhein-westfälischen Bauämter gaben mit 31 413 so viele Wohnungen zum Bau frei wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Wie das statistische Landesamt Information und Technik NRW (IT.NRW) am Donnerstag mitteilte, waren das 41,6 Prozent mehr als von Januar bis Juni 2015. Im Rhein-Sieg-Kreis stiegen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr um 63,9 Prozent im Vergleich zu 2015, in Köln um 74,3 Prozent und in Bonn sogar um 78,5 Prozent. „Vor allem bei Mehrfamilienhäusern ist im Land ein Zuwachs zu beobachten“, sagte Leo Krüll von IT.NRW.

Wo ist vom Wohnungsboom nicht viel zu spüren?

In strukturschwachen Gegenden in Ostdeutschland, die von Abwanderung betroffen sind. Auch in der Südwestpfalz und in Teilen von NRW mit den Städten Krefeld, Leverkusen und Hamm war die Zahl der Baugenehmigungen um über 30 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2015.

Was hat den derzeitigen Bauboom ausgelöst?

Die Hypothekenkredite sind wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank historisch günstig. Für langfristige Darlehen lag der Zins Ende des zweiten Quartals nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Schnitt bei gerade einmal 1,8 Prozent. Anleger setzen auf steigende Immobilienpreise. Zudem sorgt die Zuwanderung Hunderttausender Flüchtlinge nach Deutschland dafür, dass insgesamt mehr Unterkünfte gebraucht werden. Deshalb stiegen die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen, zu denen auch Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünfte zählen, im ersten Halbjahr um gut 174 Prozent.

Wer profitiert vom Boom?

Gewinner sind vor allem Besitzer von Immobilien in gefragten Regionen. Ihre Häuser oder Wohnungen sind in den letzten Monaten vielerorts rasant im Wert gestiegen. Vermieter in Großstädten profitieren zudem oft von steigenden Mieten. Auch Investoren an den Kapitalmärkten verdienen mit der Spekulation auf weiter steigende Preise viel Geld.

Wer sind die Verlierer?

Menschen, die in Ballungsräumen auf der Suche nach günstigem Wohnraum sind. „Eines fehlt ganz besonders: bezahlbares Bauland“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Hier sei auch die Kommunalpolitik gefordert. Dem Mieterbund zufolge fehlen in Deutschland bis zu eine Million vor allem günstige Wohnungen. Demnach müssten jährlich 400 000 Wohnungen neu gebaut werden, davon 100 000 Sozialwohnungen.

Kommen Hausbauer noch immer leicht an Kredite?

Von April bis Juni vergaben Kreditinstitute nach Angaben der Bundesbank 3,8 Prozent mehr Immobilienkredite als im Vorjahr. Die Finanzbranche warnt allerdings, dass verschärfte Bestimmungen die Vergabe bremsen könnten. Die Institute müssen seit Ende März die Kreditwürdigkeit von Kunden genauer prüfen. Verbraucherschützer haben keine Hinweise, dass Kreditwünsche im großen Stil abgelehnt werden. ⋌