Unternehmen präsentieren sich: Azubi-Speed-Dating in der Stadthalle

Unternehmen präsentieren sich : Azubi-Speed-Dating in der Stadthalle

113 Betriebe haben sich beim Azubi-Speed-Dating in der Bad Godesberger Stadthalle jungen Leuten präsentiert. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen in der Region allgemein gut.

Als die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und die Handwerkskammer Köln vor einigen Jahren das erste Azubi-Speed-Dating veranstalteten und damit anderen Städten folgten, hielt sich die Begeisterung bei beiden noch in Grenzen. „Uns war das Thema Speed-Dating unheimlich. Wir haben gedacht, dass das nicht seriös genug ist“, erzählte Dario Thomas, Leiter des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung bei der IHK. Doch was damals mit gerade einmal 30 Betrieben begann, hat sich inzwischen zu einer wichtigen Präsentationsmöglichkeit für Unternehmen und potenzielle Auszubildende entwickelt: Beim am Mittwoch in der Bad Godesberger Stadthalle ausgerichteten Azubi-Speed-Dating waren 113 Aussteller dabei.

Zum wiederholten Mal nutzte etwa der Maschinenbauer Kautex aus Beuel die Chance, das eigene Unternehmen interessierten jungen Leuten zu präsentieren – sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich. „Wer sich bei uns für eine Ausbildung interessiert, sollte gut organisiert und kontaktfreudig sein“, zählte Christina Rossol zwei gewünschte Eigenschaften für die Industriekauffrau und den Industriekaufmann auf. Bei wem das Interesse in der Stadthalle geweckt wurde, muss sich allerdings etwas in Geduld üben: Für das laufende Jahr sind die Ausbildungsplätze des Unternehmens bereits vergeben.

Erschwerte Suche nach Auszubildenden

Nicht so einfach gestaltet sich die Azubigewinnung dagegen für Thomas Bäßgen, der in vierter Generation den familieneigenen Malermeisterbetrieb in Hennef führt. „Es ist schwierig, heute gute Auszubildende zu bekommen“, sagt Bäßgen. Deshalb hat er sich erstmals dazu entschieden, an dem Azubi-Speed-Dating zu beteiligen – nicht ohne Erfolg: Einem Interessierten habe er ein Praktikum angeboten, erzählt Bäßgen. In seinem Betrieb beschäftigt er 15 Angestellte, von denen rund die Hälfte auch ihre Ausbildung bei ihm gemacht haben. „Es ist ein sehr anspruchsvoller Beruf, in dem man aber auch wahnsinnig gute Perspektiven hat“, betont Bäßgen, der eine „gute körperliche Belastbarkeit“ als wichtige Grundvoraussetzung für eine Lehre in einem Malerbetrieb bezeichnet.

Nicht nur für ihn, sondern auch für viele andere Handwerksbetriebe hat sich die Suche nach geeigneten Auszubildenden in den vergangenen Jahren erschwert. „Die Zahl der unbesetzten Stellen ist mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der unvermittelten Bewerber“, sagte Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn. Dieser Umstand habe zuletzt dazu geführt, dass sich die Unternehmen quasi bei den Interessierten bewerben müssten. Wie gut die Chancen für junge Leute in der Region derzeit stehen, beweisen auch die Zahlen der Handwerkskammer: Für das vergangene Jahr verzeichnet sie in Bonn einen Zuwachs von acht Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und im Rhein-Sieg-Kreis ein Plus von rund drei Prozent.

Um auch weiterhin an qualifizierte Auszubildende zu kommen, müssen Betriebe folglich neue Pfade beschreiten – unter anderem mit dem Speed-Dating. „Für einige Betriebe ist dies fast die einzige Chance zur Gewinnung von Auszubildenden“, betont Krause. Doch auch für angehende Azubis ist das Speed-Dating nicht selten von Erfolg gekrönt: Die 17-jährige Alissa Kemp besuchte die Veranstaltung, um sich über die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement zu informieren: „Ich hatte mit drei Firmen sehr gute Gespräche und habe sogar eine persönliche Einladung bekommen.“