Auf Trab

Kommentar

Bonn. Als Chefkontrolleur der Deutschen Telekom kann der Marathonläufer Ulrich Lehner Ausdauer gut gebrauchen. Hinzu kommt die Kunst des Spagats: Er muss im Aufsichtsrat zwischen vielen widerstreitenden Interessen vermitteln.

Die am Gewinn orientierten Investoren kritisieren zu Recht, dass die Deutsche Telekom bei der Profitabilität manchem europäischen Konkurrenten hinterherhinkt. Sie fordern eine klarer als bisher nach vorne gerichtete Strategie. Die spannende Frage wird sein: Ziehen Vorstandschef René Obermann und sein Aufseher hier am gleichen Strang und in die gleiche Richtung?

Die Arbeitnehmervertreter dagegen verlangen, dass endlich Schluss mit den zahllosen Umstrukturierungen beim Bonner Konzern ist.

Sie fordern ein Ende des jahrzehntelangen Personalabbaus, der seit der Privatisierung in Deutschland bisher jährlich rund 10 000 Arbeitsplätze gefordert hat. Schafft es Lehner, die verunsicherte Belegschaft hinter sich zu bringen? Aber allem schwebt noch der Bund mit seiner Restbeteiligung von immerhin knapp einem Drittel und den damit verbundenen politischen Interessen und Empfindlichkeiten.

Ausgebuffte Profis wie Helmut Sihler und Klaus Zumwinkel sind in ihrer Funktion als Telekom-Aufsichtsratsschefs schwer ins Schwitzen gekommen, etwa bei der vorzeitigen Ablösung der Vorstandschefs Ron Sommer und Kai-Uwe Ricke. Auch ohne solche Probleme dürften Dauerthemen wie die Regulierung oder der längst nicht ausgestandene Mammutprozess um den dritten Börsengang Lehner auf Trab halten.

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