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Auf kleinen Umwegen zum Traumberuf

Auf kleinen Umwegen zum Traumberuf

Geselle Robert Daiminger glänzt als Einser-Prüfling der regionalen Kfz-Handwerksinnung - Ergebnis freut nicht zuletzt Godesberger Chef Volker Gorholt

Bad Godesberg. Robert Daiminger trifft man in seinem Ausbildungsbetrieb, der Karosserie-Firma Volker Gorholt, nicht unter einem Wagen an. "Es ist das Radlager hinten rechts", ruft der Kfz-Geselle seinem Chef Kay Gorholt über die moderne Hebevorrichtung hinweg zu.

Gorholt inspiziert die schadhafte Stelle ebenfalls und klickt dann von der Datenbank seines Computers aus den besten Zulieferer fürs nötige Ersatzteil an. "Ich hab' einfach schon immer gerne an Autos herumgeschraubt", erzählt derweil Daiminger.

Der Mann ist 39 Jahre alt, "Kfz-vorbelastet" und fand nach Ausbildung, Studien- und Berufsjahren im medizinischen Bereich irgendwann doch zu dem zurück, was er immer gerne als Hobby betrieb: Autos instand setzen. "Der Robert ist schwer Kfz-vorbelastet. Und wir wollten ihn von Anfang an als Mitarbeiter haben", gesellt sich Juniorchef Gorholt wieder hinzu.

Jetzt habe er nach knapp drei Ausbildungsjahren mit seiner Einserprüfung bei der Kfz-Handwerksinnung Bonn/Rhein-Sieg auch noch "den Bock abgeschossen", freut sich Kay Gorholt. Der Godesberger wurde nach den diesjährigen Prüfungen als einer von zwei Gesellen des Kreises besonders ausgezeichnet. Was an Daiminger so gut sei? Er knie sich einfach in jede Aufgabe rein. Er repariere sogar Bootsmotoren, wenn's sein müsse, ist Gorholt voll des Lobes. "Geht nicht, gibt es beim Robert nicht."

Währenddessen schaut sich auch Seniorchef Volker Gorholt, der schon seit 1973 seinen Fachbetrieb an der Bonner Straße hat, das defekte Auto an. Die Firma ist seit 2000 zum kleinen Familienbetrieb geschrumpft, der derzeit nur noch den jungen Praktikanten Simon Kabak mit beschäftigt. "Wir hatten sehr gute Jahre als Vertragshändler. Aber der Verdrängungswettbewerb in der Branche ist hart", schaut der Senior zurück.

Deshalb habe man sich jetzt auf die Wartung von Gebrauchtwagen, die TÜV- und Abgasuntersuchung, die optische Aufbereitung und Unfallinstandsetzung konzentriert und mache wieder gute Geschäfte. "Wobei wir immer technisch und elektronisch auf dem neusten Stand sein müssen".

Man habe sich bewusst entschieden, auch als Kleinbetrieb auszubilden - mit Erfolg. Daiminger sei "ein guter Mann", dem die Firma jetzt gerne einen Vertrag gegeben hat. Er sei nicht nur technisch erfahrener als normale Lehrlinge. Der Familienvater könne Verantwortung übernehmen. "Er kann einfach mit Kunden gut umgehen", zählt Volker Gorholt die Vorzüge seines Gesellen auf.

Der vertieft sich gerade schon in das, was unter der Motorhaube eines quietschroten Volvo Amazone zu finden ist. "Tolles Auto, ein richtig schöner Oldtimer", streicht Daiminger fast zärtlich über die Haube. Es sei das zweite Standbein der Firma, solche Hingucker wieder instand zu setzen, erklärt Kay Gorholt. Ein Friesdorfer Kunde führe dem Betrieb immer wieder solche Traumwagen zu, um sie danach, TÜV-tauglich gemacht, auf den Markt zu bringen.

"Da beweist sich der Robert dann auch gerne, wenn er defekte Teile, die es nicht mehr neu gibt, repariert." Kreativität sei vonnöten und das richtige Augenmaß. Dem Muster-Gesellen ist das Lob schon peinlich und er erzählt lieber, wie gerne er in diesem netten Familienbetrieb arbeitet.

Von den aktuell im Kreis 152 Absolventen hätten bislang nicht viele eine Stelle bekommen. Andererseits wisse er, dass ein Geselle im Großbetrieb besser bezahlt werde. "Das ist aber kein Thema für mich. Hier kann ich auch den direkten Kontakt zum Kunden haben."