Innovationen in der Region: Astronauten werden in Bonn handwerklich ausgebildet

Innovationen in der Region : Astronauten werden in Bonn handwerklich ausgebildet

Seit November lässt die europäische Raumfahrtbehörde ESA ihre Astronauten bei der Reinold-Hagen-Stiftung, der Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg, für Reparatur- und Wartungsarbeiten ausbilden.

Wenn Astronauten zukünftig auf der Internationalen Raumstation ISS an der Elektrik arbeiten, Metall bearbeiten, Löcher bohren und dabei freischwebende Bohrspäne mit Rasierschaum einfangen, ehe sie in Gerätschaften eindringen und dort Kurzschlüsse auslösen, dann tun sie das mit Knowhow aus Bonn: Seit November lässt die europäische Raumfahrtbehörde ESA ihre Astronauten bei der Reinold-Hagen-Stiftung, der Weiterbildungsgesellschaft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, für handwerkliche Reparatur- und Wartungsarbeiten ausbilden.

Nur ein Beispiel, wie die regionale Wirtschaft von der Raumfahrt profitiere, erklärte IHK-Präsident Stefan Hagen am Dienstagabend im Deutschen Museum Bonn, wo sich die Industrie im Dialog mit Raumfahrern der Frage widmete, wie man gemeinsam mit Raumfahrt die Zukunft gestalten könne. Raumfahrt ist ein Forschungs- und Wirtschaftszweig zugleich, so Walther Pelzer, Vorstand Raumfahrtmanagement im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln: „Man könnte meinen, Raumfahrt sei eine elitäre Truppe, die einen Weg gefunden hat, Wissenschaft zu betreiben, die mit dem Alltag nichts zu tun hat. Das ist keineswegs so.“

Satellitenkommunikation und -Navigation seien heute unverzichtbar. Sie takteten den internationalen Wertpapierhandel, machten Landwirtschaft effizienter, hielten die Stromnetze mit Echtzeitdaten stabil, helfen bei der Erdbeobachtung, der Katastrophenhilfe oder bei der Strafverfolgung, etwa im Kampf gegen Raubfischerei vor der Küste Afrikas.

Irdischer Nutzen

Innovationen fürs All haben heute einen irdischen Nutzen, so der DLR-Vorstand, etwa in der Werkstofftechnik oder der Medizin. „In den 1970er Jahren gab es die Visionen von Fabriken im All“, ergänzte Thomas Reiter, der einst auf der russischen Station MIR und der ISS geforscht hat und heute Berater des ESA-Generaldirektors ist: „Fabriken gibt es nicht, produziert wird trotzdem: Große Mengen an Daten.“

Extreme Rahmenbedingungen des Weltalls und die Schwerelosigkeit ermöglichten ganz spezielle Experimente der Physik, Biologie und Humanmedizin – von der Wissenschaft wie auch von Unternehmen: Airbus baut derzeit mit der ESA das Modul Bartolomeo, das als kommerzielles Testfeld voraussichtlich Mitte 2019 an der ISS andocken und auch anderen Firmen für deren Experimente angeboten wird.

Innovationen für die Raumfahrt sind dabei ein Auslöser wirtschaftlicher Prosperität, betone Thomas Reiter: Im Umfeld der 20 ESA-Standorte in Europa wurden bereits über 700 Neugründungen durch die europäische Raumfahrtbehörde betreut, „und jedes Jahr kommen etwa 160 Start-ups dazu.“ Von der „Raumfahrtindustrie“, den Netzwerken für Innovationen und Forschung und auch der Nähe zum Hauptsitz des DLR in Köln profitiere schließlich die Wirtschaft im gesamten Land, betonte auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

Mehr von GA BONN