Sportgeschäfte: Adidas und Nike verärgern Sporthändler

Sportgeschäfte : Adidas und Nike verärgern Sporthändler

Sportartikelhersteller wollen mehr eigene Verkaufsflächen eröffnen und vermarkten sich zunehmend selbst. Die Geschäfte in der Region fürchten deshalb Wettbewerbsdruck.

Große Sportartikelhersteller umgehen zunehmend den Einzelhandel, indem sie ihre Produkte selbst vermarkten und verkaufen. Dazu nutzen Hersteller wie Adidas und Nike eigene Geschäfte, den Onlinehandel oder Verkaufsflächen in Sportgeschäften, auf denen die Hersteller bis ins Detail bestimmen, wie ihre Produkte vermarktet werden. Die Verlierer dieser Selbstvermarktung sind die Sportfachhändler. Einige besonders gefragte Produkte dürfen sie überhaupt nicht mehr verkaufen – oder nur stark eingeschränkt. Immer höher angesetzte Mindestbestellmengen machen ihnen zusätzlich zu schaffen.

Die Kult-Badelatsche „Adilette“ steht exemplarisch für viele Produkte. Europas größter Sportartikelhersteller Adidas hat die „Adilette“ der Sportmodelinie „Adidas Originals“ zugeschlagen, die nur noch über ausgewählte Kanäle vertrieben werden soll. „Bis zum Jahr 2020 möchten wir mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes über selbst kontrollierte Verkaufsflächen erzielen“, hatte Adidas Chef Herbert Hainer vor einem Jahr angekündigt.

„Dass Adidas da bis zu 40 Prozent ohne den Fachhandel verkauft, das ärgert uns“, sagt Intersport-Chef Kim Roether. „Viele Innovationen und „heiße“ Produkte gibt es für uns nicht mehr oder sie werden nur noch ausgewählten Geschäften zur Verfügung gestellt.“ Dabei seien es vor allem die gehypten Produkte, die der Händlerverund brauche, um die junge Zielgruppein die Läden zu locken. Bei Adidas und dem Weltmarktführer Nike entwickelt sich das Geschäft mit eigenen Läden und Online-Shops gut. Mehr über weniger Partner zu verkaufen, lautet das Ziel. Selbst kontrollierte Verkaufsflächen können zwar auch in Läden der Partner stehen.

David Longert, Inhaber von Laufsport Bunert in Siegburg, ärgert sich mitunter ebenfalls über die Entwicklung. „Dieses Vorgehen ist nicht sehr erfreulich“, sagt er. „Problematisch wird es vor allem dann, wenn Hersteller den Preis dann auch noch deutlich unter die unverbindliche Preisempfehlung senken.“ Doch die Hersteller diktieren den Einzelhändlern zusätzlich die Konditionen einer Bestellung. Will Longert etwa den gefragten Laufschuh Nike Free 3.0 bestellen, bekommt er ihn nur in Verbindung mit anderen Schuhen des Herstellers.

Auch für den Adidas Ultraboost müsse eine gewisse Stückzahl günstigerer Modelle mitgeordert werden. „Um günstige Konditionen zu kriegen, werden Rabatte immer mehr mit der Frage gekoppelt, ob Textilien mitbestellt werden“, fügt Longert hinzu. Dass es bei innovativen und neuen Produkten gewisse Restriktionen, wie Mindestbestellmengen oder Vorschriften zu der Anzahl der Schuhmodelle gibt, sei dabei sinnvoll, etwa um zu verhindern, dass auch fachfremde Händler Sportschuhe anbieten.

„Der Händler muss das Spiel letztendlich mitspielen“, sagt Uwe Stephan, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg. Zu groß sei die Marktmacht der Hersteller. „Der Produzent hat die Möglichkeit, die Konditionen zu diktieren.“ Neben der Konkurrenz durch den Onlinehandel bedeute das zusätzlichen Wettbewerbsdruck für den Einzelhandel.

Kleinen Händlern machen die harschen Konditionen die Angebotsvielfalt kaputt. Weil das Budget und die Ladenfläche begrenzt sind, fehlen die Ressourcen, um auch kleinere Lieferanten ins Sortiment aufzunehmen. „Statt zehn Marken kann der Händler dann zum Beispiel nur noch sechs Marken anbieten“, sagt Longert. Andere Händler verzichten deshalb ganz auf Marken wie Adidas und Nike.

Die Spielregeln würden von einigen Herstellern sehr eng gesetzt, sagt der Inhaber eines Bonner Sportgeschäfts, der die zwei Marken aufgrund der Mindestbestellmengen nicht führt. Wer so gegen seine Handelspartner agiere, müsse sich nicht wundern, wenn der Einzelhandel dann nicht mehr mitmache. Helmut Hendricks, Inhaber von Südstadtsport in Köln sagt, Händler würden nach Alternativen suchen, wenn Artikel wie die Adilette für sie wegfallen. „Was die Hersteller nicht verstehen wollen ist, dass es letztendlich an uns Händlern liegt, was verkauft wird, weil wir die Kunden beraten“, sagt Hendricks. Durch den Einzelhandel seien die Hersteller und ihre Marken erst groß geworden.

„Das Abenteuer der eigenen Vermarktung bietet sich nur für Unternehmen an, deren Marke so stark ist, dass die Kunden dort von allein hinlaufen“, sagt Thomas Roeb, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Offensichtlich wollen die Hersteller damit die Marge des Einzelhandels einbehalten.“ 50 bis 60 Prozent des Produktpreises würden üblicherweise an den Handel gehen, für die Hersteller sei das ein verlockendes Geschäft. ga/dpa