Vorwurf der Insolvenzverschleppung

Weitere Anzeigen gegen Bonner Von-Floerke-Gründer

Im Alter von 23 Jahren präsentierte David Schirrmacher sein Unternehmen 2015 in der TV-Gründershow „Höhle der Löwen“ und gewann den Bonner Unternehmer Frank Thelen als Investor. FOTO: DPA

Im Alter von 23 Jahren präsentierte David Schirrmacher sein Unternehmen 2015 in der TV-Gründershow „Höhle der Löwen“ und gewann den Bonner Unternehmer Frank Thelen als Investor. FOTO: DPA

Bonn. Die Lage des Bonner Herrenmode-Unternehmens von Floerke spitzt sich zu. Die letzte Filiale in Köln ist nur sporadisch geöffnet, Düsseldorf und Münster sind geschlossen.

Gegen den Gründer und Geschäftsführer des Bonner Mode-Start-ups von Floerke, David Schirrmacher, sind weitere Strafanzeigen gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigte, dass unter anderem der Vorwurf der Insolvenzverschleppung geprüft werde. Zuvor hatte es bereits zwei Anzeigen gegen den Jungunternehmer wegen des Verdachts auf Betrug gegeben.

Von Floerke hatte über das Internet Spirituosen verkauft, diese zum Teil aber nicht an die Kunden ausgeliefert. Schirrmacher wollte sich auf Anfrage nicht zur Situation seines Unternehmens, an dem auch der aus dem Fernsehen bekannte Bonner Investor Frank Thelen beteiligt ist, äußern.

Probleme gibt es offenbar auch mit den Ladengeschäften des Unternehmens. Der „Showroom“ mit den knallbunten Fliegen und Einstecktüchern am Bonner Markt ist schon seit Wochen nicht mehr für Besucher geöffnet. Jetzt hat das Bonner Herrenmode Start-up von Floerke nach Düsseldorf auch seine Münsteraner Filiale geschlossen. Nur der Laden in der noblen Kölner Mittelstraße blieb bisher – zumindest sporadisch – geöffnet. Immer wieder bleibt das Geschäft während der Öffnungszeiten geschlossen. Am Donnerstagmittag hing ein Zettel vor der verriegelten Ladentür: „Bin beim Schneider.“

Wie es um das durch die TV-Show „Höhle der Löwen“ bekannt gewordene Unternehmen steht, will der Von-Floerke-Geschäftsführer und Firmeninhaber auf Anfrage nicht sagen. Dafür häufen sich die Beschwerden von Kunden und Mitarbeitern. Der Kölner Helge David Gilberg ist einer von vielen, die sich über das Bonner Unternehmen ärgern: Von Floerke habe Warengutscheine für Maßanzüge verkauft und dieses Angebot dann unvermittelt eingestellt. „Meine Gutscheine über 1300 Euro will das Unternehmen jetzt nicht zurückzahlen“, beschwert sich der Kunde. Auch hierzu will sich das Unternehmen auf Anfrage nicht äußern.

Thelen an Firma beteiligt

Bei Anlegern warb von Floerke damit, dass seine extravaganten Accessoires bei großen Handelsketten wie Sinn oder Kaufhof in die Sortimente aufgenommen worden. Doch auch dort zeigt man sich über den Gründer mittlerweile ernüchtert. „Da liegt noch Zeug von dieser Firma in den Läden rum“, sagt Sinn-Generalbevollmächtigter Friedrich-Wilhelm Göbel. Weitere Bestellungen werde es nicht geben. Wegen der geringen Umsatzgrößen bewege sich von Floerke für die Sinn-Gruppe jedoch „im Rahmen der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit“. Bei Kaufhof heißt es auf Anfrage: „Es bestehen keine Geschäftsbeziehungen mehr zwischen Galeria Kaufhof und Von Floerke.“

Für den Bonner Investor Frank Thelen dürfte sein ehemaliger Schützling sich zu einem ausgewachsenen Sorgenkind entwickelt haben. Mit 17 Prozent ist Thelen an dem Unternehmen beteiligt, in der Anfangsphase hat er den Jungunternehmer bei PR-Auftritten unterstützt. Werbewirksam staubsaugte Thelen den lilafarbenen Teppich vor der Kölner Filiale bei deren Eröffnung. Heute äußert sich der durch seine Fernsehauftritte bekannte Unternehmer nur noch äußerst widerwillig zu seinem Mit-Bonner. Warum das Investment von seiner Homepage verschwunden ist, will Thelen auf Anfrage genauso wenig kommentieren wie die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen seinen früheren Schützling. Thelen dementierte allerdings zuletzt, dass er versuche, seine Von-Floerke-Anteile zu veräußern.

Es dürfte derzeit nicht einfach sein, einen Käufer für die Beteiligung zu finden. Auch für die Anteilseigner, die über die Crowdfunding-Plattform Kapilendo bei von Floerke mit insgesamt 1,2 Millionen Euro eingestiegen sind, hat sich das Geschäft mit den bunten Fliegen als bisher wenig lukrativ erwiesen. Sie müssen schlimmstenfalls mit einem Totalausfall ihrer Geldanlage rechnen, nachdem ihnen zuvor üppige Zinsraten von neun Prozent im Jahr versprochen worden waren. Ob und wann sie ihr Geld sehen – auch diese Frage lässt Schirrmacher auf Anfrage unbeantwortet.

Nachdem der Gründer vor Weihnachten nach eigenen Angaben ins Ausland verreist war, wurde er von Kunden zuletzt dabei beobachtet, Ware in das Kölner Ladengeschäft zu transportieren. Auch hier sorgten sich die Mitarbeiter zuletzt um ausstehende Löhne. „Ob und wann wir bezahlt werden, ist völlig unklar“, sagte eine Von-Floerke-Beschäftigte dem General-Anzeiger. „Bei einer Insolvenz wäre zumindest dieser Aspekt durch das Insolvenzgeld geregelt.“