Aktionäre begrüßen Fusionspläne

So lief die Hauptversammlung der Deutschen Telekom in Bonn

Auf der Bühne: Einen Multifunktionskasten mit Glasfasern hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges mitgebracht.

Auf der Bühne: Einen Multifunktionskasten mit Glasfasern hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges mitgebracht.

Bonn. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom in Bonn gibt es kritische Fragen zum Toll-Collect-Vergleich mit dem Bund. Vorstandschef Timotheus Höttges verteidigt zugleich die Form des Glasfaserausbaus.

Die Bühne des Bonner WCCB war am Donnerstag wieder eine Baustelle. Eine Baustelle, auf der unter den aufmerksamen Blicken von 2300 Aktionären gearbeitet wurde. Telekom-Chef Timotheus Höttges demonstrierte zu Beginn der Hauptversammlung seines Konzerns, wie heute an den grauen Telekom-Kästen am Straßenrand - im Unternehmensjargon Multifunktionskästen genannt - Glasfaseranschlüsse für die Kunden geschaltet werden.

380.000 Kästen hat die Telekom an den Straßenrändern stehen. Jeder mit Stromanschluss. „Stellen Sie sich vor, jeder Multifunktionskasten wäre eine Stromtankstelle“, sagte Höttges. Die Telekom arbeite daran, diesen Plan zu verwirklichen.

Ganz auf der Seite von Höttges waren die Aktionäre, als er die Pläne erläuterte, T-Mobile US und Sprint zu fusionieren. Zwischenapplaus bekam er für die Aussage, dass das fusionierte Unternehmen sich auf dem US-Mobilfunkmarkt dann auf „Augenhöhe mit den Platzhirschen AT&T und Verizon" bewege. Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sah das Unternehmen allerdings durch die lange Genehmigungsprozedur „am Anfang eines langen Weges“. Höttges zeigte sich optimistisch, was die Genehmigungschancen grundsätzlich betrifft: „Wir würden diesen Deal nicht angehen, wenn wir uns nicht eine große Chance auf ein Gelingen ausrechnen würden“, sagte der Vorstandschef.

Die Zustimmung der zuständigen Behörden werde aber harte Arbeit. Die Telekom müsse für die Zustimmung mehrere Behörden überzeugen. Besonders die Rolle des Regierungsausschusses für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) sei im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA „interessant“. Der CFIUS-Ausschuss hatte zuletzt ausländische Übernahmen aus China blockiert. Daneben haben auch die US-Telekom-Aufsichtsbehörde FCC, die Kartellbehörde, das Justizministerium und auch US-Präsident Donald Trump mitzuentscheiden.

Der Umfang des US-Geschäftes und die Dauer des Genehmigungsprozesses sorgte Portfoliomanager Ingo Speich von Union Investment: „Wir haben die Sorge, dass die Dividendenwachstumsstory in Gefahr gerät.“ Die Telekom hatte die Dividende in den vergangenen drei Jahren um insgesamt 30 Prozent erhöht. Für das vergangene Jahr bekommen die Anteilseigner 65 Cent pro Aktie.

Höttges sieht bei der Geschäftskundensäule T-Systems noch harte Arbeit anstehen, bis das Geschäft in die Gewinnzone kommt. „Es wird nicht ohne empfindliche Einschnitte in die Struktur gehen“, sagte Höttges.

"Teures Vergnügen"

Auch die am Vorabend geschlossene Einigung mit dem Bund im 14 Jahre langen Streit um das Mautsystem Toll Collect beschäftigte die Aktionäre. „Das sieht mir nach einem teuren Vergnügen aus“, meinte DSW-Vertreter Hechtfischer.

Höttges wertete das anders: „Ich finde, das ist ein faires Ergebnis“, sagte er. Es sei darum gegangen, einen gordischen Knoten zu durchschlagen. Gemeinsam mit den anderen Gesellschaftern und dem Bund hatte sich die Telekom auf einen Vergleich im Volumen von 3,2 Milliarden Euro geeinigt. Das liege nah an dem Betrag, auf den sich die Telekom eingestellt habe, sagte Höttges. Die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr werde dadurch nicht beeinflusst. Die Telekom muss noch 550 Millionen Euro in bar für den Vergleich aufwenden. 65 Millionen Euro seien an Rechtsanwaltskosten angefallen. Daimler, die die gleiche Summe zahlen, hatte mitgeteilt, dass die Summe den operativen Gewinn senken könnte. Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt bezeichnete den Vergleich als „die beste Lösung“, um Rechtsstreitigkeiten zu reduzieren. Das Schiedsgericht sei seit 14 Jahren zu keinem Schluss gekommen, und es habe auch keine Perspektive gegeben, dass das in absehbarer Zeit geschehen werde.

Toll Collect gehört zu jeweils 45 Prozent der Deutschen Telekom und Daimler, der Rest entfällt auf den französischen Autobahnbetreiber Cofiroute. Der Bund hatte wegen des verspäteten Starts der Maut ursprünglich Forderungen in Höhe von insgesamt 9,5 Milliarden Euro geltend gemacht, die beklagten Unternehmen Forderungen von 4,9 Milliarden Euro.

Angesichts der Pläne von Vodafone im Rahmen eines milliardenschweren Geschäftes mit Liberty Global den deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia zu übernehmen, hat Höttges die eigene Strategie verteidigt. „Unsere Kritiker nehmen ständig das Wort Kupfer in den Mund, um uns zu diskreditieren“, sagte Höttges. Aber das Unternehmen investiere längst ausschließlich in Glasfaser. Allein in diesem Jahr verlege die Telekom 60.000 Kilometer Glasfaser und gehe damit auch in ländliche Gebiete. Die TV-Kabelnetzbetreiber investierten derzeit hingegen nicht in der Fläche, sondern beschränkten sich auf städtische Gebiete. Denn sie könnten ja auf das Telekomnetz zurückgreifen. Er wolle einen fairen Wettbewerb erreichen.