Bonner Fahnenfabrik

Franzosen übernehmen insolventen Traditionsbetrieb

Bonn. In den Werkshallen kurz hinter der Bonner Nordbrücke stapeln sich die Wäschekörbe mit bunten Fahnen und Stoffbahnen. Bis zum 1. April muss das gesamte Inventar des Unternehmens gezählt und registriert sein. Denn dann übernimmt das französische Familienunternehmen Doublet bei der Bonner Fahnenfabrik (Bofa) das Ruder.

Am Freitag verkündeten Konzernchef Luc Doublet und sein Sohn Jean Bernard in Bonn den Kauf des insolventen Traditionsbetriebs. Damit ist die Schließung des Fahnenherstellers, der künftig Bofa Doublet heißen soll, abgewendet. 61 der insgesamt 74 Beschäftigten sollen ihren Job behalten. 13 Mitarbeiter wechseln in eine Transfergesellschaft. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es.

Damit hat eine viermonatige Zitterpartie um die Zukunft des Betriebs ein Ende. Im November vergangenen Jahres hatte der 1866 gegründete Industriebetrieb Insolvenz beantragt. Der harte Wettbewerb in der Branche zusammen mit der Euro-Krise hätten die Fahnenfabrik in Schieflage gebracht, hieß es damals.

Für den französischen Fahnenhersteller Doublet waren die Bonner trotzdem nach eigenen Angaben ein "idealer Übernahmekandidat". Das Familienunternehmen aus Lille will die Produktion am Standort weiterführen. Das Siebdruckverfahren ergänze die eigenen digitalen Druckereien, sagte Luc Doublet. Er will Aufträge, die bisher vor allem an Zulieferer in China weitergereicht wurden, künftig in der Bonner Fahnenfabrik ausführen lassen.

Mit einer Mischung aus "deutscher Qualität und französischer Kreativität" will Seniorchef Doublet dem Bonner Betrieb neuen Schwung verleihen. Sein Sohn Jean Bernard soll dafür die Verantwortung übernehmen, der 34-Jährige plant mit seiner Familie bereits den Umzug aus Lille nach Bonn.

Sein Vater hat die Ziele für den Neuerwerb in Deutschland hoch gesteckt: "Wir wollen den Umsatz der Bofa innerhalb von zwei bis drei Jahren verdoppeln", kündigte Luc Doublet gestern an. Der Standort solle ausgebaut werden, sagte Doublet weiter, ohne konkrete Investitionssummen zu nennen.

Bisher waren die Franzosen in Deutschland lediglich über einer Vertriebsniederlassung in Kassel vertreten. Nun will Doublet mit seinem Geschäftsmodell den hiesigen Markt erobern. Der Fahnenhersteller bietet seinen Kunden neben den bedruckten Stoffen auch Dienstleistungen an. So sorgt Doublet nach eigenen Angaben dafür, dass bei Großereignissen wie dem Radrennen Tour de France oder Olympischen Spielen Fahnen an den richtigen Orten aufgestellt und zur passenden Zeit gehisst werden.

"Wir liefern sogar Zement, um Fahnenmasten zu befestigen", sagte Luc Doublet. Aktuell fertigen die Franzosen nach eigenen Angaben Banner für die Olympischen Spiele in London. Ein Teil davon solle auch in Bonn hergestellt werden, hieß es.

Doublet war nicht der einzige Interessent für die Bonner Fahnenfabrik. "Es gab zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland, ein Interessent kam aus den USA", sagte Insolvenzverwalterin Ingrid Trompertz gestern. Doublet habe das überzeugendste Konzept für die Weiterführung des Betriebs vorgelegt. Auch der bisherige Bofa-Geschäftsführer Uwe Busch lobte den neuen Eigentümer als "aussichtsreichen Partner".

Die Bofa-Mitarbeiter wurden gestern bei einer Betriebsversammlung über den Investor informiert. "Nach der langen Ungewissheit waren wir erleichtert", sagte Monika Rothe, die als Zuschneiderin in der Näherei der Bofa arbeitet.