Bofa muss weiße Flagge hissen

Trotz Insolvenzantrag soll die Produktion weiterlaufen: die Bonner Fahnenfabrik.

BONN. Die Bonner Fahnenfabrik ist pleite. Trotz der Fußball-WM konnte der Umsatzverfall nicht dauerhaft gestoppt werden.

Vor fünf Jahren waren die Hoffnungen noch groß: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland sollte der Bonner Fahnenfabrik (Bofa) Impulse geben, die stagnierenden Umsätze wieder nach oben bringen. Doch es gab nur ein Strohfeuer. Der Bofa, Bonner Familienunternehmen mit 145-jähriger Tradition, gelang es nicht, die Erosion ihres Geschäfts zu stoppen. Am Montagabend stellte das Unternehmen beim Amtsgericht Bonn Insolvenzantrag.

Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalterin Ingrid Trompertz war es neben dem scharfen Wettbewerb vor allem die Zurückhaltung der Kunden, auch wegen der Eurokrise, die die Bofa an den Abgrund brachte.

Die Fahnenfabrik erzielt den Löwenanteil ihres Umsatzes mit Werbefahnen, etwa für Autohersteller, Supermärkte, aber auch öffentliche Auftraggeber wie Bund, Städte und Gemeinden. "Das Unternehmen hat deutlich zu spüren bekommen, dass die Kassen der Kommunen leer sind", sagte ein Sprecher der Insolvenzverwalterin.

Trotz des Insolvenzantrags soll die Produktion im Werk an der Bonner Nordbrücke weiterlaufen. "In dieser schwierigen Situation für das Unternehmen und die Mitarbeiter werde ich alle Mittel ausschöpfen, um das Unternehmen zu sanieren und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Trompertz.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Agentur für Arbeit sind die Löhne und Gehälter für die noch rund 70 Beschäftigten gesichert. Vom Betriebsrat war am Montag keine Stellungnahme zu erhalten.

Wie es mit der Bofa weitergeht, ist derzeit noch offen. Theoretisch infrage kommen unter anderem ein Verkauf an einen Investor, der das Unternehmen saniert, oder auch eine Sanierung aus eigener Kraft. Dabei muss sich aber nachweisen lassen, dass das Unternehmen Chancen hat, dauerhaft am Markt zu bestehen.

In den vergangenen zehn Jahren ist der Jahresumsatz der Bofa um rund 30 Prozent auf laut Sprecher noch etwa sieben Millionen Euro gesunken. Zu besten Zeiten beschäftigte die Bofa rund 400 Mitarbeiter, im Jahr der Fußball-WM 2006 waren es noch rund 100.

 

Der Ursprung der Bofa:

Als Ein-Mann-Betrieb gründete der Koblenzer Josef Meyer 1862 in Bonn ein Geschäft für Dekorationsartikel und Tapeten. Die Siegesfeiern der preußischen Soldaten brachten ihn auf die Geschäftsidee: Mit Schablonen druckte er den Preußenadler auf weißen Stoff und nähte außen schwarze Streifen an - der erste in großer Stückzahl produzierte Verkaufsrenner der Bonner Fahnenfabrik.