Filialen werden geschlossen: Commerzbank will Vollzeitstellen konzernweit reduzieren

Filialen werden geschlossen : Commerzbank will Vollzeitstellen konzernweit reduzieren

Die Commerzbank will die Zahl ihrer Vollzeitstellen konzernweit um 4300 reduzieren. Zudem sollen 200 der insgesamt etwa 1000 Filialen geschlossen werden. Zudem will die Bank ihre Tochter comdirekt integrieren und die polnische mBank verkaufen.

Die Commerzbank will die Zahl ihrer Vollzeitstellen konzernweit um 4300 reduzieren. Zudem sollen 200 der insgesamt etwa 1000 Filialen geschlossen werden. Das teilte das Kreditinstitut am Freitagnachmittag in einer Pflichtmeldung an die Börse mit. Zudem will die Bank ihre Tochter comdirekt integrieren und die polnische mBank verkaufen.

Die Commerzbank zählte Ende Juni im Konzern noch 40 700 Vollzeitstellen. Nach den bisherigen Plänen sollten die bis Ende 2020 auf rund 38 000 sinken. Nun sollen weitere Stellen wegfallen. Durch einen andererseits aber geplanten Stellenaufbau in strategischen Bereichen in Höhe von 2000 Arbeitsplätzen beläuft sich der Stellenabbau im Konzern voraussichtlich unter dem Strich auf rund 2300 Vollzeitstellen.

Dieser weitere konzernweite Stellenabbau sei "leider unvermeidbar", hieß es in dem Schreiben. Der Stellenabbau soll möglichst sozialverträglich gestaltet werden. Mit den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern seien die Maßnahmen noch nicht besprochen worden. Das würde aber erfolgen, sobald und sofern der Aufsichtsrat die Pläne durchwinkt.

Durch das neue Strategieprogramm will sich die Bank zukunftssicher aufstellen. Es handelt sich bei dem Papier allerdings vorläufig erst um einen Entwurf, der in der kommenden Woche im Aufsichtsrat der Bank erörtert werden soll. Am Freitag will Commerzbank-Chef Martin Zielke dann über die Ergebnisse berichten.

Neben dem Jobabbau und dem Ausdünnen des Filialnetzes sieht die Strategie "Commerzbank 5.0" zudem vor, sich verstärkt auf den Heimatmarkt zu fokussieren. Denn im Zuge der Neuausrichtung will die Bank auch ihre polnische Tochter mBank verkaufen. Die ist an der Börse in Warschau gelistet und bringt einen Börsenwert von umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro auf die Waage. Da die Commerzbank selbst gut zwei Drittel der Aktien hält, würde der Verkauf dem Geldhaus rund zwei Milliarden Euro in die klammen Kassen spülen.

Wie andere Banken auch leidet die Commerzbank unter anderem unter schwindenden Erträgen aufgrund des schwierigen Zinsumfeldes. Erst vergangene Woche hatte die Europäische Zentralbank nachgelegt und die Minuszinsen für Banken, die Geld bei der Zentralbank parken, von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent erhöht. Diese Situation wird sich wohl in den kommenden Jahren auch nicht wesentlich ändern. "Das klingt auf den ersten Blick relativ einfallslos", kommentierte deswegen Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW die Pläne. "Kosten sparen ist das eine, aber das alleine ist nicht die Medizin, die die Commerzbank nun braucht." Was fehle, sei ein Impuls für die Zukunft. "Die große Frage steht weiterhin im Raum, wie die Bank in Zukunft Geld verdienen will."

Jedenfalls wird das Geld durch den Verkauf der polnischen Tochter für die geplanten Umbauten gebraucht. Vorgesehen ist in der Strategie ein Investitionsvolumen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro. So will die Commerzbank zum einen in neue Technologien investieren: Rund 750 Millionen Euro sollen in Digitalisierung und die IT-Infrastruktur fließen. Weitere 850 Millionen Euro entfallen auf Kosten für den geplanten Stellenabbau und das Ausdünnen des Filialnetzes.

Mehr von GA BONN