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Arbeitslose in Bonn und der Region: Arbeitsagentur stellt Millionen für Weiterbildung bereit

Arbeitslose in Bonn und der Region : Arbeitsagentur stellt Millionen für Weiterbildung bereit

Die Arbeitsagentur Bonn/Rhein-Sieg stellt Millionen bereit für Weiterbildung. Obwohl die Agentur mit mehr Menschen rechnet, die sich arbeitslos melden werden, ist sie zuversichtlich, dass sie neue Perspektiven geben kann.

Angesichts einer sich abschwächenden Konjunktur erwartet die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg ein „intensives Arbeitsjahr“. Schwarzmalen wolle er aber nicht, erklärte der Geschäftsführer der Behörde, Bernd Lohmüller, am Freitag vor Journalisten in Bonn. Obwohl die Agentur mit mehr Menschen rechnet, die sich arbeitslos melden werden, ist sie zuversichtlich, dass sie mit Angeboten zur Weiterbildung und Qualifizierung den Betroffenen neue Perspektiven geben kann.

Lohmüllers Optimismus rührt daher, dass sich der Arbeitsmarkt über die vergangenen zehn Jahr recht positiv entwickelt hat: die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist mit knapp 344 000 auf einem Höchststand, die Arbeitslosenquote ging stetig zurück. Inzwischen schlagen die Integrierungsanstrengungen auch bei den Langzeitarbeitslosen durch. Im Dezember 2019 waren 17 772 Hartz-IV-Empfänger arbeitslos gemeldet, das waren 2,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dafür gab es einen leichten Anstieg bei der Zahl der Arbeitslosen im Rechtsbereich des Sozialgesetzbuches III: Mit 8745 Beziehern von Arbeitslosengeld 1, das maximal 24 Monate gezahlt wird und vom früheren Lohn abhängt, waren dies 5,4 Prozent mehr als im Dezember 2018.

Von positiven Erfahrungen mit dem neuen Teilhabechancengesetz berichtete der Geschäftsführer des Jobcenters Bonn, Günter Schmidt-Klag. 101 Menschen seien darüber in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt worden, davon mehr als die Hälfte (54 Prozent) in der Privatwirtschaft. Das Gesetz trat vor einem Jahr in Kraft und unterstützt die Arbeitgeber bei den Lohnkosten: In den ersten zwei Jahren trägt die Arbeitsagentur hundert Prozent, in den folgenden drei Jahren wird der Förderanteil jeweils um zehn Prozent gesenkt.

Auch das Jobcenter Rhein-Sieg profitierte von den Fördermitteln, dort konnten laut Geschäftsführer Ralf Holtkötter 107 Langzeitarbeitslose in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt werden. In diesem Fall sind sogar 70 Prozent der einstellenden Unternehmen dem Privatsektor zuzurechnen, der Rest sind Sozialverbände und Kommunen. Holtkötter sagte, dass er sich größere Nachhaltigkeit von diesem Programm erhoffe als im Vergleich zu den früheren 1-Euro-Jobs: „Bisher ist keiner der vermittelten Langzeitarbeitslosen wieder arbeitslos geworden.“

Vermittelt werde in viele Branchen, es gehe um Helferjobs im Garten- und Landschaftsbau, im Küchen- und Hausmeisterbereich. Im Jobcenter Rhein-Sieg gibt es zudem sechs Coaches, die die frisch in den Job vermittelten bei Problemen am neuen Arbeitsplatz unterstützen. „Diese Menschen machen eine enorme Entwicklung durch, weil sie erfahren, dass sie gebraucht werden“, sagte Holtkötter. „Dieses Gesetz war ein Paradigmenwechsel.“

Parallel dazu trat vor einem Jahr das Qualifzierungschancengesetz in Kraft, das sich an Arbeitnehmer richtet, die Sorgen haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, etwa im Zuge der Digitalisierung oder des Strukturwandels, wie er gerade im Automobilsektor mit der Umstellung auf die Elektromobilität passiert. Lohmüller erklärte, dass sich das Gesetz auch an Arbeitgeber richte, die nicht die benötigten Fachkräfte finden. „Neue Fachkräfte können zum Beispiel zukünftig mittels Förderung aus der eigenen Belegschaft heraus entwickelt werden. So werden wir die Beschäftigung in Unternehmen für die Zukunft besser fördern können.“ Ein Schwerpunkt des Gesetzes liegt auf Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Älteren.

Stolz ist das Jobcenter Bonn, für ein Projekt für Langzeitarbeitslose mit gesundheitlichen Problemen eine Förderung von mehr als 16 Millionen Euro aus einem Bundesprogramm erhalten zu haben, das auf vier Jahre angelegt ist.

Erfolge können die Jobcenter zudem mit den „Integration Points“ für Geflüchtete verzeichnen. Die Einrichtungen, die Sprachkurse und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, sind seit 2016 tätig. Die Arbeit werde mit den Netzwerkpartnern fortgeführt. Im Dezember waren in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis 6664 Gefüchtete als arbeitssuchend erfasst, darunter waren 3025 arbeitslose Menschen.  2019 hätten insgesamt rund 1500 arbeitslose Flüchtlinge nachhaltig in Arbeit gebracht werden können, hieß es.