Großfeuer in Kathedrale: Welle der Hilfe nach Brand von Notre-Dame

Großfeuer in Kathedrale : Welle der Hilfe nach Brand von Notre-Dame

Nach der Brandkatastrophe in Paris unterstützen Menschen und Regierungen aus vielen Ländern den Wiederaufbau der Kathedrale. Sorgen gibt es auch um Kirchen mit Holzdächern in Deutschland.

Die Bilder von der brennenden Kathedrale Notre-Dame in Paris haben Millionen Menschen in der ganzen Welt erschüttert und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Binnen Stunden sagten französische Unternehmen Wiederaufbauhilfen von über 600 Millionen Euro zu. Präsident Emmanuel Macron hatte noch in der Nacht die komplette Wiederherstellung des nationalen Symbols angekündigt. Besorgte Stimmen verwiesen auf mögliche Gefahren auch für wichtige Bauwerke in Deutschland.

Die Bundesregierung bot umgehend Unterstützung an. „Wenn Deutschland helfen kann, und sei es mit Unterstützung von Fachkräften und Restauratoren, um das, was verloren gegangen oder beschädigt worden ist, wieder aufzubauen, werden wir Frankreich dabei unterstützen“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun unserer Redaktion. Die gotische Kirche sei ein enormer Kulturschatz und Teil der französischen Seele, sagte der CDU-Politiker. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Menschen in ganz Europa auf, sich am Wiederaufbau von Notre-Dame zu beteiligen.

Dombaumeister in NRW alarmiert

Der Brand war am Montag gegen 18.50 Uhr entdeckt worden und hatte sich rasend schnell über das Dach ausgebreitet. In den frühen Morgenstunden hatte die Feuerwehr ihn unter Kontrolle. Struktur und Fassaden seien gerettet worden, Gewölbe und Giebel noch nicht vollständig gesichert. Die Behörden vernahmen gestern Arbeiter von Firmen, die mit Renovierungsaufträgen beschäftigt waren. Ermittelt wird wegen Fahrlässigkeit. Die Staatsanwaltschaft vermutet einen „Unfall“, keine vorsätzliche Tat.

Nach der Brandkatastrophe sind auch die Dombaumeister in NRW alarmiert. Viele Kirchen haben Dachstühle aus Holz. Die Verantwortlichen in Köln, Bonn und anderen Städten hoben vor allem ihre Brandschutz-Bemühungen hervor. Bei der derzeitigen Sanierung des Bonner Münsters steht auch der Brandschutz im Vordergrund. „Ich konnte die Bilder von Paris nicht sehen, ohne daran zu denken, dass unserer Basilika mit ihrem Holzdachstuhl eine ähnliche Tragödie widerfahren könnte“, sagte der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken.

Tatsächlich gibt es grundsätzliche Kritik am Brandschutz von Kirchen in Deutschland. Es gebe so gut wie keine Frühwarnsysteme, sagt ein Unternehmer, der lange Jahre als Denkmalpfleger diverse Kirchen betreute. „Fast überall fehlen dafür die finanziellen Mittel, der Brandschutz ist katastrophal.“ Schon kleinste Ereignisse wie Staub-Explosionen könnten in Holz-Dachstühlen zu Bränden führen. Etwas weniger gefährdet scheint der Kölner Dom. Dombaumeister Peter Füssenich hält eine ähnliche Katastrophe wie in Paris für wenig wahrscheinlich, weil es dort ein Eisentragwerk gibt.

Feuerwehren "sehr gut ausgerüstet"

Grundsätzlich seien die Berufsfeuerwehren für solche Großfeuer „sehr gut gerüstet“, sagte Tobias Thiele von der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft. Allerdings bestehe bei derartig großen Gebäuden immer das Problem, schnell viel Wasser in diese Höhen zu bringen. Sorgen bereiteten vielen Feuerwehren der fehlende Nachwuchs. Weil die Einstiegsgehälter wenig attraktiv seien, könne rund jede zehnte Stelle bei den Berufsfeuerwehren derzeit nicht besetzt werden.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), zugleich Bevollmächtigter der Bundesrepublik für die deutsch-französischen kulturellen Beziehungen, rief Bürger, Unternehmen, Verbände und Vereine in NRW zu Spenden für den Wiederaufbau auf. Notre-Dame sei nicht nur für Frankreich bedeutsam, sondern für ganz Europa. „Deshalb sollte auch ganz Europa beim Wiederaufbau helfen“, so Laschet.

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