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Interview mit Johannes Lambertz: "Subventionen fordern wir nicht"

Interview mit Johannes Lambertz : "Subventionen fordern wir nicht"

Johannes Lambertz, Chef der RWE-Kraftwerkssparte, zu den Herausforderungen der Energiewende in Deutschland. Am Mittwoch nimmt der Essener Energiekonzern RWE sein neuestes Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath in Betrieb.

Am Mittwoch nehmen Sie Ihr neues Braunkohlekraftwerk in Neurath in Betrieb. Inzwischen haben in Deutschland aber erneuerbare Energien Vorrang. Lohnt sich der Betrieb überhaupt noch?
Johannes Lambertz: Es ist richtig, dass unsere Kraftwerke wegen des starken Ausbaus der erneuerbaren Energien häufiger heruntergefahren werden müssen. Denn laut Gesetz genießt der Ökostrom bei der Einspeisung ins Netz Vorrang. Die Zeit, in der unsere Kraftwerke voll ausgelastet sind, wird kürzer. Hinzu kommt, dass der Strompreis an der Strombörse gesunken ist. Das verringert natürlich die Wirtschaftlichkeit.

Wie reagieren Sie?
Lambertz: Wir verstehen uns mit unseren konventionellen Kraftwerken als Partner der erneuerbaren Energien. Das heißt, wir müssen schnell und flexibel Strom liefern, wenn Flaute herrscht und die Sonne nicht scheint. Die neueste Generation unserer Kohlekraftwerke lässt sich genauso schnell hoch- und wieder runterfahren wie ein modernes Gaskraftwerk. Und genau darauf wird es künftig ankommen.

Trotzdem noch einmal die Frage: Lohnt sich der Bau eines konventionellen Kraftwerks in Deutschland überhaupt noch?
Lambertz: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen würden wir kein neues Kraftwerk mehr in Deutschland bauen. Gleichzeitig bin ich mir aber sicher, dass sich die Rahmenbedingungen so ändern werden, dass auch bei einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien konventionelle Kraftwerke als Sicherheit benötigt werden.

Was muss die Bundesregierung denn ändern? Subventionen für den Bau von Kohlekraftwerken?
Lambertz: Subventionen fordern wir nicht. Denn das würde zu extrem hohen Strompreisen führen. Der Strompreis für den Haushaltskunden steigt ohnehin bereits durch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Es gibt Vorschläge von Experten, dass die erneuerbaren Energien über kurz oder lang per Gesetz auch Verantwortung für die Versorgungssicherheit übernehmen sollen. Das würde dann zum Beispiel bedeuten, dass ein Unternehmen, das Wind- und Solarstrom verkauft, auch einen Anteil gesicherte Leistung zum Beispiel aus Speichern, Gas- oder Kohlekraftwerken vorhalten muss, um im Ernstfall - also bei Flaute und schlechtem Wetter - lieferfähig zu bleiben.

Zeigt sich die Bundesregierung denn offen für solche Vorschläge?
Lambertz: Ich habe den Eindruck, dass in Berlin sehr intensiv darüber nachgedacht wird, wie der Strommarkt auch zukünftig noch funktionieren kann.

Ist nicht Eile geboten? Die Bundesnetzagentur warnte bereits vor Stromausfällen im Winter.
Lambertz: Bei der Stromversorgung knirscht es schon gewaltig im Gebälk. Das betrifft aber vor allem die Netze. Bei den Kraftwerken ist genügend Reservekapazität vorhanden. Wenn wir neue Kraftwerke bauen, dann schaffen wir aber keine zusätzlichen Kapazitäten, sondern ersetzen alte Anlagen durch leistungsfähigere, flexiblere und umweltfreundlichere.

Glauben Sie, dass die Energiewende ein Erfolg wird?
Lambertz: Die Energiewende muss ein Erfolg werden, weil unser Industrieland von günstiger Energie lebt. Mir bereitet Sorge, dass hier bereits eine schleichende Aushöhlung im Gang ist. Das Monitoring, also die genaue Beobachtung des Energiemarktes, ist jetzt wichtiger denn je. Denn es wird dazu führen, dass die Politik genügend Informationen bekommt, um den Weg auch rechtzeitig immer wieder justieren zu können. Schließlich ist unser Unternehmen RWE am Gelingen der Energiewende selbst stark interessiert. Die erneuerbaren Energien - wir investieren ja unter anderem in Windkraftanlagen im Rheinischen Revier - bleiben auch in den kommenden Jahren unser wichtigstes Wachstumsfeld.

Zur Person

Johannes Lambertz (62) ist seit Februar 2008 Vorstandschef der RWE-Kraftwerkssparte RWE Power AG. Der gebürtige Kerpener hat nach einer Maschinenschlosserlehre an der FH und an der RWTH in Aachen Ingenieurwissenschaften studiert, dort auch gearbeitet und promoviert. 1981 kam er zur damals noch als Rheinbraun AG firmierenden Braunkohlesparte des Essener Energiekonzerns RWE.