Studie: Strom in NRW teilweise zu teuer

Studie : Strom in NRW teilweise zu teuer

In Nordrhein-Westfalen haben nach einer Studie der Verbraucherzentrale zahlreiche Versorger 2013 im Windschatten der Energiewende ihre Preise übermäßig angehoben. Eine zunächst im Internet publizierte Preistabelle rief die Verbraucherzentrale NRW allerdings wegen eigener Berechnungsfehler am Abend zurück.

"Mindestens die Hälfte der Grundversorger in NRW hat die öffentliche Diskussion über die Energiewende und die steigende EEG-Umlage instrumentalisiert, um unangemessen hohe Aufschläge zu fordern", sagte Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

Landesweit gibt es 113 Anbieter, die rund 3,5 Millionen grundversorgte Haushalte mit Strom beliefern. Neben den Preisaufschlägen moniert Müller die Informationspolitik der Grundversorger: Rund 60 Prozent hätten ihre Kunden unzureichend über die jüngsten Preiserhöhungen informiert. Die auffälligsten Unternehmen werde die Verbraucherzentrale NRW deshalb abmahnen.

Grundlage der Kritik ist eine landesweit angelegte Studie über die Strompreiserhöhungen von Januar bis Mai 2013. Darin analysierten die Verbraucherschützer Briefe, mit denen die Grundversorger die Preiserhöhungen ankündigten. Zudem werteten sie für jeden einzelnen Anbieter aus, welche Kosten ihm durch gestiegene EEG- und andere Umlagen sowie veränderte Netzentgelte in diesem Jahr entstehen. Diese Zusatzkosten verglichen sie mit der Höhe des jeweiligen Preisaufschlags.

Ergebnis: Jeder zweite Grundversorger wälzt seine Zusatzkosten komplett auf die Verbraucher ab - oder greift ihnen noch viel tiefer in die Taschen. "Das ist nicht akzeptabel - und wirkt fast schon anstößig angesichts der Tatsache, dass die Beschaffungspreise für Strom an der Börse massiv gesunken sind", sagte Müller.

"Verbraucher dürfen nicht einseitig nur an den Kosten beteiligt werden, sondern müssen ebenso von Entlastungen profitieren." In der von der Verbraucherzentrale später allerdings wegen Berechnungsfehlern zurückgerufenen Tabelle waren die jüngsten Preiserhöhungen bei der Kölner Rheinenergie und bei den Stadtwerken Bonn (SWB) nicht beanstandet worden.

NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) nannte das Verhalten der Anbieter nicht akzeptabel. Sie müssten die gefallenen Börsenpreise für Strom an die Verbraucher weitergeben statt ihre Gewinne hochzuschrauben. Der Wettbewerb sei immer noch viel zu schwach ausgeprägt.

Nach Schätzungen der Verbraucherzentrale zahlen die Betroffenen in der NRW-Grundversorgung durch die nicht gerechtfertigten Preisaufschläge 2013 insgesamt mehr als 50 Millionen Euro zusätzlich. Die Verbraucherzentrale werde die "Schwarzen Schafe" abmahnen, sagte Müller. Dabei drohen allerdings nur geringe Bußgelder von einigen tausend Euro pro Fall.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betonte dagegen den "harten Wettbewerb" der 1100 Stromversorger in Deutschland. Pauschale Aussagen über Preise brächten wenig, weil regionale Gegebenheiten wie unterschiedliche Netzentgelte zu starken Preisdifferenzen führten. Außerdem müsse beachtet werden, welches Niveau der bisherige Preis hatte, also wann die letzte Preisanpassung erfolgt sei. Ratsam sei grundsätzlich das direkte Gespräch mit dem Versorger.

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