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Der SPD-Kanzlerkandidaten-Check: Sigmar Gabriel: Der Parteiführer

Der SPD-Kanzlerkandidaten-Check : Sigmar Gabriel: Der Parteiführer

Sigmar Gabriel beherrscht das Spiel der Macht. Will er, dann tritt er an. Als Parteichef hat Sigmar Gabriel das Recht des ersten Vorschlags (und auch Zugriffs).

Entschließt sich Gabriel zur Kanzlerkandidatur, kann ihn daran in der SPD kaum jemand hindern.

Gabriel verströmt die Aura der Omni-Kompetenz. Und dies gleich noch auf allen Netzen. Als früherer Ministerpräsident von Niedersachsen und Ex-Bundesumweltminister war der 52-Jährige immer wieder mit Fragen von Ansiedlung, Wirtschaftsförderung oder dem Ausbau Erneuerbarer Energien befasst. Argumente der Industrie kennt er auswendig: Gabriel musste sich permanent mit der Atomlobby auseinandersetzen.

Gabriel hat einen Vorteil: Er ist wegen seiner Körpermasse physisch nicht zu übersehen und wirkt schon allein dadurch sehr präsent. Der Pädagoge mit Praxis in der Erwachsenenbildung galt Anfang 2000 in der Generation der damals 40-Jährigen Plus als eines der größten politischen Talente in der SPD.

Tatsächlich kann sich Gabriel hinstellen, wo er will. Ob 30 Zuhörer, 300 oder 3000, egal zu welchem Thema, der Saal wird immer gut unterhalten und mit leicht verständlichen Beispielen aus dem Leben bei Konzentration gehalten. Knut, der Eisbär aus dem Berliner Zoo, war Gabriel als Bundesumweltminister ein beliebtes Mittel, um den Klimawandel zu erklären. Nach der Geburt seiner Tochter hat sich Gabriel in die Elternzeit verabschiedet, aus der er per Twitter mit der Welt verbunden bleibt. Er weiß: Familienpolitik kommt an.

Keine Frage: Gabriel ist nicht nur nominell der starke Mann der SPD. Kaum jemand beherrscht wie der gebürtige Goslarer die Klaviatur der Macht. Programmatisch hat der SPD-Chef schon Pflöcke eingerammt, an denen ein anderer Kanzlerkandidat nur schwer vorbeikäme: das Wiederentdecken der Schwerindustrie, die Vergemeinschaftung von Schulden in der Euro-Zone. Gabriels Nachteil: Der 13. SPD-Vorsitzende nach dem Krieg ist auch vielen in seiner Partei immer noch zu unberechenbar.

Gabriel war schon Regierungschef - von 1999 bis 2003 als niedersächsischer Ministerpräsident. Als Bundesumweltminister der großen Koalition pflegte er zu Bundeskanzlerin Merkel einen guten Gesprächsdraht. Er weiß, wie man eine Partei führt. Nur Wahlen hat er als Spitzenkandidat noch nicht gewonnen.