Kommentar zu Donald Trumps Rückzieher: Rohrkrepierer

Kommentar zu Donald Trumps Rückzieher : Rohrkrepierer

US-Präsident Trump macht den Rückzieher vom Rückzieher. Seine halbherzige Korrektur musste aus zwei Gründen zum Rohrkrepierer werden, kommentiert Dirk Hautkapp.

Es klingt so grotesk, wie es wahr ist: Hätten die TV-Frühstücks-Moderatoren von Fox News nicht schnell in den Chor derer eingestimmt, die Donald Trump nach seinem Auftritt neben Wladimir Putin de facto in die Nähe des Landesverrats gerückt haben, Amerikas zunehmend instabil wirkender Präsident hätte keine Klarstellung seiner grotesken Aussagen von Helsinki erwogen.

Weil Trump glaubt, durch Fox direkt zu seinen Anhängern sprechen zu können, und weil die Kongresswahlen im November über sein politisches Schicksal entscheiden, drehte er für die Galerie widerwillig bei. Und machte, kein Wunder bei seiner Persönlichkeitsstruktur, alles noch schlimmer. Seine halbherzige Korrektur musste aus zwei Gründen zum Rohrkrepierer werden.

Erstens: Trump hat mit der Muttermilch aufgesogen, dass man sich generell bei Fehlern nie entschuldigt, sondern noch brutaler zurückschlägt. Zweitens, und noch ernüchternder: Trump glaubt tatsächlich Putin mehr als den eigenen Geheimdiensten. Besser: Er muss Putin mehr glauben, weil der russische Präsident allen Anzeichen nach weiß, in welchen Kellern Trumps „Leichen“ liegen. Anders ist die devote Haltung, die Trump vor des Kremls Thron einnimmt, nicht zu erklären.

Für den sich noch verantwortlich fühlenden Teil der Republikaner in Washington ergibt sich daraus die Verpflichtung, Trump so schnell wie möglich per Gesetz die außenpolitische Spielwiese zu verkleinern. Wenn durchsickert, was Trump und Putin während ihres über zweistündigen Vier-Augen-Gesprächs eingestielt haben, könnte es sonst ein böses Erwachen geben.