Razzia gegen Al-Salam 313: Verdächtige aus Bonn nach Polizei-Razzia

Verbindungen zu "Al-Salam 313"? : Nach Razzia gibt es drei Verdächtige aus Bonn

Die Ermittlungen gegen die rockerähnliche Gruppe "Al-Salam 313" wegen Schleuserkriminalität weiten sich aus. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen drei Bonner, deren Verbindung zur Gruppierung ist unklar.

Nachdem die Polizei am Mittwoch mit einer Großrazzia in ganz Nordrhein-Westfalen gegen die irakische Rockergruppe „Al-Salam 313“ vorgegangen ist, gingen die Ermittlungen am Donnerstag weiter. Wie berichtet, waren unter anderem die Wohn- und Geschäftsräume eines 63-Jährigen aus Bonn durchsucht worden. Ihm wird vorgeworfen, bei der Einschleusung von Ausländern sowie Fälschungsdelikten beteiligt gewesen zu sein. Im Fadenkreuz von Polizei und Staatsanwaltschaft steht seine Sprachschule in Siegburg. Und die Frage: Wie sind seine Kontakte zu „Al-Salam 313“?.

Niclas von Hobe, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Essen, wollte auf GA-Nachfrage „nicht bestätigen“, dass der verdächtige Bonner ein Mitglied der Rockergruppe ist. Die Tendenz, dass der Mann mit der Organisation zu tun hatte, verfestige sich jedoch immer mehr. Die Ermittler gehen von einem „strafrechtlich relevanten Kontakt zu Personen aus dem Umfeld und zu Mitgliedern von Al-Salam 313“ aus, so die Staatsanwaltschaft.

Ermittlungen gegen zwei weitere Bonner

Wie berichtet, soll der Bonner als Geschäftsführer und Prüfungsbeauftragter seiner Sprachschule in Siegburg Sprachtests für Ausländer ganz gezielt manipuliert haben. So soll er unter anderem den Prüflingen vorher gegen Geld die Aufgaben gegeben haben. In diesem Zusammenhang habe er womöglich einen Komplizen in Köln, der ihm ausländische Sprachtestkandidaten vermittelte.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, ermitteln die Strafverfolgungsbehörden noch gegen zwei weitere Personen aus Bonn. Auch deren Wohnungen seien während der Razzia durchsucht worden. Einem der beiden Männer werfen die Ermittler Erpressung, Einschüchterung und das Eintreiben von Geldforderungen vor. Bei dem zweiten Beschuldigten geht es um die Einschleusung von Ausländern sowie die Fälschung von Sprachzertifikaten. Ob ein direkter Zusammenhang zum 63-Jährigen und dessen Sprachschule bestehe, mochte der Staatsanwalt nicht sagen. Von Hobe: „Es ist ein Komplex, der erst noch beleuchtet werden muss.“

63-Jähriger: Anschuldigungen sind haltlos

In aller Frühe hatten die Ermittler am Mittwoch die Wohnung des Hauptverdächtigen in Poppelsdorf untersucht. Danach ging es zur Schule nach Siegburg und in die Räume des DRK Ortsverbandes, in dem die Sprachtests teilweise durchgeführt wurden. Die Polizisten untersuchten sogar die Toiletten nach Hinweisen auf Testunterlagen. Der 63-Jährige sagte dem General-Anzeiger, die erhobenen Anschuldigungen seien haltlos. Er könne sich nicht erklären, wie sein Name ins Spiel gekommen sei.

Landesweit hatte die Polizei am Mittwoch 49 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht, die Aktion an zwölf Orten richtete sich insgesamt gegen 34 Beschuldigte. Die Ermittler werfen ihnen unter anderem Waffen- und Drogenhandel vor. Bei der Razzia hatte die Polizei einen Verdächtigen in Köln festgenommen. Der ist jedoch wieder auf freiem Fuß, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein Haftbefehl sei nicht beantragt worden. Bei dem Mann hatte die Polizei Falschgeld gefunden.

Zusammenhang zwischen Schleusung und Fälschung

Fest steht nach den Durchsuchungen für die Ermittler, dass nicht nur in Siegburg Sprachzertifikate gefälscht worden sind. „Die Einschleusung von Ausländern und die Fälschungsdelikte stehen häufig in einem Zusammenhang“, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft. In wie vielen Fällen das insgesamt geschehen sein soll, sei noch völlig unklar und sei Gegenstand der Untersuchung. „Die Beweismittel werden jetzt überprüft“, sagt von Hobe über die sichergestellten Computer, Handys und das Datenmaterial. Bei der Größe des Falls und der Menge an beschlagnahmten Gegenständen werde das noch ein bisschen dauern.

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