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Thailand: Protest-Anführer entgeht Bombenattentat unverletzt

Thailand : Protest-Anführer entgeht Bombenattentat unverletzt

Der Anführer der seit zweieinhalb Monaten andauernden Anti-Regierungsproteste Suthep Thaugsuban ist in der thailändischen Hauptstadt Bangkok um Haaresbreite einem Anschlag entgangen. "Er war nur 30 Meter entfernt, als der Sprengsatz explodierte", behauptete sein Sprecher Akanat Promphan am Freitag, "er blieb unverletzt."

31 Menschen wurden zum Teil blutüberströmt in nahe gelegene Krankenhäuser eingeliefert. Seit Beginn der Proteste in Bangkok starben acht Menschen.

Bei den Verletzten vom Freitag handelt es sich überwiegend um Angehörige von Sutheps Leibwächter-Garde. Die Behörden machen die Truppe für den Tod eines Polizisten verantwortlich, der in den Weihnachtstagen bei Ausschreitungen ums Leben gekommen war. Seither gab es mehrere kleinere Anschläge auf die Garde und ein Attentat auf das Haus von Abhisit Vejjajiva, dem Chef der oppositionellen Demokratischen Partei. "Die Polizei ist sauer, weil die Regierung sie seit Wochen davon abhält, gegen die Demonstranten vorzugehen", sagt ein Kenner der thailändischen Sicherheitskräfte, "deshalb heuert sie auf eigene Faust Kriminelle an, um die Demonstranten zu attackieren."

Aber gestern sahen sich die Regierungsgegner, die den Rücktritt der gewählten Premierministerin Yingluck Shinawatra verlangen und Thailands Parlament auf eine unbestimmte Zeit durch ein "Reformkomitee" ersetzen wollen, erstmals seit Beginn der Proteste mit wütenden Bewohnern von Bangkok konfrontiert.

Hunderte von Moped- und Autofahrern konfrontierten die Demonstranten. Die Regierungsgegner, deren Zahl während der vergangenen Tage deutlich gesunken ist, versuchen seit Montag vergeblich, Bangkok lahmzulegen. Sie blockieren aber mehrere Regierungsgebäude, darunter das Amt für Ausstellung von Reisepässen und Ausweisen. Die Polizei musste einschreiten, um die blockierenden Regierungsgegner vor dem Zorn ihrer Landsleute zu schützen.

Trotz der schwindenden Unterstützung für die Regierungsgegner kann Premier Shinawatra nicht aufatmen. Sie hält vorläufig eisern an den für 2. Februar geplanten Neuwahlen fest. 53 Parteien haben sich registrieren lassen, aber die führende oppositionelle Demokratische Partei boykottiert den Urnengang. Außerdem lässt der Chef der Wahlkommission, Somchai Srisuthiyakorn, der noch von der zwischen 2006 und 2008 amtierenden Militärjunta ernannt wurde, keine Gelegenheit aus, eine Verschiebung des Urnengangs zu verlangen.

Die Regierung will nicht auf ihn hören. "Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre trauen wir den Gerichten nicht mehr", sagt ein Regierungsvertreter, "wenn wir die Wahl trotz eines bestehenden königlichen Dekrets verschieben, könnten wir deswegen anschließend vor Gericht gezerrt werden."

Wie begründet die Regierungssorge vor einem "heimlichen Coup" mit juristischen Mitteln ist, bewies das Verfassungsgericht. Es erklärte ein von der Yingluck-Regierung beschlossenes Schnellbahnprojekt, das innerthailändische Reisezeiten zwischen Städten auf drei Stunden beschränken würde, für verfassungswidrig. Die Begründung: Das Vorhaben widerspreche der von König Bhumibol entwickelten Philosophie der Genügsamkeitswirtschaft, die Bescheidenheit vorschreibe.