Kommentar zur Deutschen Bahn: Problem liegt tiefer

Kommentar zur Deutschen Bahn : Problem liegt tiefer

Die Attacke von Staatssekretär Enak Ferlemann auf die Deutsche Bahn ist berechtigt. Aber das Problem liegt tiefer. Es genügt nicht, der Bahnführung mitzuteilen, dass sie sich bewegen muss. Die Politik muss sich auch bewegen, meint GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Mal sind es die Verspätungen, dann die verkommenen Bahnhöfe, das fehlende Personal, die hohen Schulden und verfehlte Strategie sowieso: Gründe, die Bahn zu kritisieren, gibt es eigentlich immer. Wenn jetzt so etwas wie ein Ultimatum aus dem Bundesverkehrsministerium kommt, dürfen sich die Bahnkunden schon ein wenig fragen, ob sie sich da gerade verhört haben. Staatssekretär Enak Ferlemann hat vermutlich recht mit all seinen Punkten, und mit der Analyse über eine reformunfähige Organisation auch. Aber gehört die Bahn nicht schon etwas länger dem Bund? Und redet die Politik nicht ständig mit, wenn es um Etats, Investitionsentscheidungen, Unternehmensstrukturen und Führungspersonal geht?

Es ist doch schon seit langer Zeit eine Unsitte, dass ausgediente Spitzenpolitiker in den Bahn-Aufsichtsrat oder gar Vorstand wechseln. Es war doch auch eine Idee des Eigentümers Bund, die Bahn zu einer Aktiengesellschaft zu machen, was dann auf halber Strecke abgeblasen wurde. Die Folgen tragen die Bahnkunden bis heute, denn über lange Jahre hat das Unternehmen viel zu wenig in Strecken und Material investiert. Die Liste der Versäumnisse lässt sich leicht verlängern.

Ferlemanns Attacke ist berechtigt, aber das Problem liegt tiefer. Es genügt nicht, der Bahnführung per Zeitung mitzuteilen, dass sie sich jetzt endlich bewegen muss. Es ist da etwas mehr Reform nötig. Zum Beispiel sollte noch einmal über die Loslösung der Bahn vom Eigentümer Bund nachgedacht werden. Der tut nämlich weder den Mitarbeitern noch den Kunden wirklich gut.

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