Aufhebung der Waffenruhe: Panzergefechte bei Donezk

Aufhebung der Waffenruhe : Panzergefechte bei Donezk

Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko hat nach der Aufhebung der Waffenruhe in der Ostukraine erklärt, die Streitkräfte würden ihre Angriffe gegen die Kämpfer der prorussischen Separatistenrepubliken Donezk und Lugansk sofort wieder aufnehmen. Die Rebellen hätten demonstriert, dass sie an keiner Verhandlungslösung interessiert seien.

Poroschenko: "Sie haben öffentlich erklärt, dass sie den Friedensplan im Allgemeinen und die Waffenruhe im Besonderen nicht unterstützen wollen. Über 100 Mal haben sie die Waffenruhe provokativ verletzt." Tatsächlich waren die Kämpfe während der zehntägigen Feuerpause nur teilweise abgeflaut. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums fielen in diesem Zeitraum 27 ukrainische Soldaten.

Gestern gab es in dem Dorf Karlowka bei Donezk heftige Gefechte zwischen Rebellen und Regierungstruppen, bei denen beide Seiten auch Panzer einsetzten. In der Stadt Kramatorsk geriet am Morgen ein Kleinbus unter Beschuss, nach Angaben der Donezker Gebietsverwaltung starben vier Passagiere. "Es macht keinen Unterschied, ob Waffenstillstand herrscht oder nicht", sagte Gennadi Kim, der separatistische Stadtkommandant von Kramatorsk unserer Zeitung. "Die Ukrainer haben ihn nie eingehalten, sie haben immer wieder Wohnviertel beschossen." Auch im Stadtzentrum von Donezk gab es Schießereien, bei Slawjansk griff die ukrainische Luftwaffe ein Trainingslager der Rebellen an.

Am Vortag hatte der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Gruppentelefonat mit Poroschenko, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande auf eine Fortsetzung der Waffenruhe gedrungen und ein gemeinsames Monitoring der von den Rebellen kontrollierten Grenzübergange durch OSZE-Beobachter und ukrainische Grenzer vorgeschlagen. Im Donbass kämpfen zahlreiche russische Freiwillige. Die Ukraine, aber auch die USA, werfen Russland außerdem vor, es schaffe Panzer und schwere Geschütze ins Kampfgebiet.

Nach Ansicht vieler Beobachter arbeiten die Rebellen auf eine weitere Eskalation des Konfliktes hin, um Russland zu einer direkten Militärintervention zu bewegen. Am Sonntag Abend hatten Vertreter der separatistischen "Donezker Volksrepublik" russische Journalisten eingeladen, gemeinsam mit Soldatenmüttern der schon vereinbarten Kapitulation einer ukrainischen Militärgarnison beizuwohnen.

Als die Frauen und Journalisten bei der Kaserne aus ihrem Bus stiegen, gerieten sie unter heftiges Gewehrfeuer, ein russischer Kameramann wurde tödlich verletzt. Die russischen Staatsmedien machen die ukrainische Armee für seinen Tod verantwortlich. Aber überlebende russische Journalisten äußerten gegenüber unserer Zeitung den Verdacht, die Rebellen hätten den Hinterhalt organisiert, um die antiukrainische Stimmung in der russischen Öffentlichkeit weiter anzuheizen.

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