Kommentar zur steigenden Schülerzahl: Ort der Zukunft

Kommentar zur steigenden Schülerzahl : Ort der Zukunft

Die Schulen brauchen mehr Geld und Personal. Wer sich manch marodes Schulgebäude ansieht, der würde sich fürs erste mit einer Renovierung begnügen, kommentiert Henning Rasche.

Mit dem Sieg von Donald Trump in den USA, ist in unser Bewusstsein gerückt, dass die Werte der Demokratie nicht selbstverständlich sind. Ein US-Präsident könnte die Demokratie gefährden, an diese Aussage muss man sich gewöhnen. Das Erstarken von Rechtspopulisten, von autoritären Mächten in aller Welt, bereitet Sorge. Auf Geschichtsvergessenheit gibt es jedoch eine kluge Antwort: Der größtmögliche Schutz der Demokratie heißt Bildung.

Und so ist es nun notwendig, das große Rad zu drehen. Wenn dieses Land möchte, dass es weiter überwiegend von Demokraten bevölkert wird, dann muss es in die Zukunftswerkstätte Schule investieren. Dort wird jungen Menschen vermittelt, was Egoismen einzelner Staaten anrichten können. Dort lernen sie, wie brüchig Frieden ist und wie wichtig die dieser Tage im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel in die Kritik geratene Diplomatie. Mehr Geld für Lehrer, Schulgebäude, Turnhallen, aber auch für Computer, Internet und Tablets auszugeben, liegt in höchstem staatlichen Interesse. Kluge Menschen braucht das Land.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung liefert Argumentationshilfe. Die Forscher zeigen auf, dass selbst vier Prozent mehr Schüler das Bildungssystem vor Herausforderungen stellen können. Zehntausende neue Lehrer werden benötigt, um diesem als „Schüler-Boom“ verkauften sanften Anstieg der Schülerzahlen Herr zu werden. Neue Lehrkräfte müssen nicht nur bezahlt, sondern gut ausgebildet werden. Das wird auch einen Kraftakt der Universitäten erfordern. Dass die Schulen durch die Studie in den Blickpunkt geraten, könnte das Umdenken bei den Bundesländern möglicherweise erleichtern. Dass sie gleich in die Vollen gehen und das Bildungsbudget umgehend erhöhen, sollte man aber lieber nicht erwarten. Die zaghafte Stellungnahme des NRW-Schulministeriums gibt keinen Anlass für überschwängliche Hoffnung.

Es spricht für sich, dass es eine Organisation wie die Bertelsmann-Stiftung braucht, um überhaupt steigende Schülerzahlen festzustellen. Der Grund dafür liegt im komplexen Föderalismus. Bildungspolitik gibt es in Deutschland in sechzehnfacher Ausfertigung. Die Kultusministerkonferenz erstellt die eigene Prognose für die Entwicklung der Schülerzahlen offenbar lediglich alle fünf Jahre. Wie solche Prognosen durch Flüchtlingsströme und steigende Lust auf Familiennachwuchs hinfällig werden, erleben wir jetzt. Das gleiche könnte allerdings umgekehrt geschehen. Niemand garantiert, dass die Schülerzahlen tatsächlich weiter fröhlich steigen.

Die Schulen brauchen aber in jedem Fall mehr Geld und Personal. Wer sich manch marodes Schulgebäude ansieht, der würde sich fürs erste mit einer Renovierung begnügen. Ausbau und Digitalisierung der Schulen sind indes genauso notwendig.