Deutscher Katholikentag: Ökumene im Mittelpunkt

Deutscher Katholikentag : Ökumene im Mittelpunkt

Ausgerechnet der gastgebende Bischof des Katholikenstages 2014 sorgt in Mannheim für große Verärgerung: Kurzfristig sagte Gerhard Ludwig Müller, zugleich Ökumene-Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, mit Ausnahme seiner Teilnahme am Schlussgottesdienst am Sonntag alle Termine ab.

Offensichtlich hatte Müller, der zum konservativen Flügel in der 70-köpfigen Deutschen Bischofskonferenz zählt und als Ökumene-Skeptiker gilt, die Verärgerung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) falsch eingeschätzt.

Plötzlich war es ihm doch möglich, wenigstens am heutigen Samstag zwei Termine wahrzunehmen, darunter an einem wichtigen theologischen Gespräch über die Ökumene. Umso mehr ist das ZdK erfreut, dass sich der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, viel Zeit nahm. "Katholiken sind ganz wunderbare Menschen", findet der Präsident des nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentags im nächsten Jahr in Hamburg, Gerhard Robbers. Interessant ist, wie eng der Mannheimer Katholiken- und der Hamburger Kirchentag thematisch beieinander liegen. Beiden geht es gesellschaftlich um eine neue, bescheidenere Lebensform, die Zukunft ermöglicht.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, unterstrich am Freitagabend in einem ökumenischen Gottesdienst die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Kirchen: "Je weniger die Gesellschaft den christlichen Glauben mitträgt und die religiöse Praxis stützt, desto wichtiger ist es, dass unsere Gemeinden und Gruppen zusammenarbeiten und in ökumenischer Gemeinschaft den Glauben bezeugen. Doch es reicht nicht aus, eine Zweckgemeinschaft zu bilden. Es geht um das Bemühen, auch menschlich und geistlich communio zu leben - zu einer Gemeinschaft zu werden, in der wir den Glauben teilen, den Glauben des anderen mittragen und uns vom Glauben des anderen anstecken und durch ihn beschenken lassen."

Aus der Sicht des Theologieprofessors Otto Hermann Pesch, der zu den bedeutendsten katholischen Theologen der Gegenwart zählt, ist die Ökumene nicht mehr zurückzudrehen. Er sprach aus, was nach wie vor viele Bischöfe nicht wahrhaben wollen: "Das gewachsene ökumenische Vertrauen, ja die vielen Freundschaften auf der Gemeindeebene und unter Amtsträgern, lassen sich nicht mehr einschüchtern und zurückfahren" An der Basis fühlten sich Christen nicht mehr in getrennten Kirchen, sondern in verschiedenen Gemeinden.

Nach Pesch sind viele Erfolge der Ökumene durch den Ungehorsam einzelner Christen erwirkt worden. So gebe es vor Ort eine Gastfreundschaft bei Abendmahl und Eucharistie, die faktisch kein Bischof mehr kontrollieren könne, weil die betreffenden Gemeindeglieder die angeblich ungelösten theologischen Probleme beim besten Wille nicht mehr einsehen würden.