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Schulkonsens: Neue Schulen auf dem Vormarsch

Schulkonsens : Neue Schulen auf dem Vormarsch

Der Konsens zwischen Rot-Grün und Schwarz zeigt Wirkung. Bevor sich Nordrhein-Westfalens grüne Führungsfrau Sylvia Löhrmann auf in den bayerischen Wahlkampf macht, verkündet sie Freitagmittag in Düsseldorf noch Verbindendes: "Der Schulkonsens übertrifft unsere Erwartungen deutlich."

Was Löhrmann damit meint: Die Verabredung von SPD, CDU und Grünen zur Umorganisation der Schullandschaft, getroffen im Juli 2011, trägt deutlich Früchte. In der Sprache der Ministerin: "Eine Politik der Ermöglichung hat vor Ort eine innovative Schulentwicklung in Gang gesetzt."

Wie sich die Schullandschaft binnen zweier Jahre verändert hat, hat sie als Übersichtskarte den Statistiken, die sie an diesem Tag vorstellt, gleich hinzugefügt. In der Tat: 45 von 53 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW haben neue "Schulen des längeren gemeinsamen Lernens", wie das amtlich heißt, eingerichtet.

Wer nicht mitmacht, gerät allmählich in die Außenseiterrolle, auch wenn es natürlich weiter Kritik gibt. Der Verband Bildung und Erziehung sieht eine Entwicklung hin zu einem zweigliedrigen Schulsystem: eben jenen Schulen des gemeinsamen Lernens und dem Gymnasium. Der vor allem Realschullehrer organisierende Verband Lehrer NRW spricht sogar von einer Weichenstellung "Richtung Einheitsschule".

"Das Interesse von Kommunen und Eltern an neuen Schulen des längeren gemeinsamen Lernens ist ungebrochen", sagt Sylvia Löhrmann. Die Zahlen belegen das: Zum neuen Schuljahr gehen 42 neue Sekundarschulen und 30 neue Gesamtschulen an den Start. Seit Schuljahrsbeginn 2011/2012 ergibt das 155 neue Schulen dieser Arten, 84 Sekundar- und 58 Gesamtschulen. Zusammen kommen diese Schulen auf 30 000 Schüler. Die Gegenrechnung: 139 Schulen alten Typs laufen (Klasse für Klasse) aus, darunter 74 Hauptschulen und 58 Realschulen.

Im Regierungsbezirk Köln gehen sechs Sekundarschulen und sieben Gesamtschulen neu an den Start. Gesamtschulen in Alfter, Bergisch-Gladbach, Blankenheim/Nettersheim, Hennef, Königswinter, Neunkirchen-Seelscheid und Siegburg. Sekundarschulen in Mechernich/Kall, Simmerath, Stolberg, Swisttal, Waldfeucht und Wiehl.

Hinzu kommt (in Minden) ein neuer Schultyp, der den Bildungsföderalismus allerdings auch wieder ein Stück unübersichtlicher macht: die Primus-Schule. Anders als der Name vermuten lässt, verbirgt sich dahinter keine Eliteschule, sondern eine besondere Form von Schule längeren gemeinsamen Lernens: eine Schule, die die Klassen eins bis zehn integriert. Der Übergang von der Grnd- auf eine weiterführende Schule entfällt also. Im Bildungsjargon: "Eine Bildungsbiografie ohne Brüche" (Löhrmann) wird möglich.

Gut möglich, dass dennoch nicht alle Löhrmanns Grundurteil teilen: "Pragmatismus ist an die Stelle von Ideologie getreten."

Klassengrößen in Nordrhein-Westfalen

Immer weniger Kinder werden geboren, doch dass deswegen die Klassen langsam kleiner werden, merken vor allem Großstadtkinder selten. Die sichtbarste Veränderung gab es noch an den Hauptschulen: Saßen 1976 rund 31 Kinder in einer Hauptschulklasse, sind es jetzt knapp 22. Der Richtwert ist 24.

Die Gesamtschulen halten mit 28 Schülern pro Klasse seit Jahren beinahe unverändert den Richtwert für die meisten Schulen der Sekundarstufe I. Die Realschulen liegen statistisch etwas über 27, die Gymnasien leicht unter 28 Schülern pro Klasse. Die Grundschulen liegen mit etwa 23 Schülern ebenfalls einige Zehntel unter ihrem Richtwert. Allerdings gibt es Ausnahmen, die auch Klassen mit mehr als 30 Schülern möglich machen, um nicht Einzelne an weit entfernte Schulen verweisen zu müssen. (dpa)