Viel erreicht und noch viel zu tun: Kramp-Karrenbauer besucht Meckenheimer Frauen-Union

Viel erreicht und noch viel zu tun : Kramp-Karrenbauer besucht Meckenheimer Frauen-Union

200 Besucher in der Meckenheimer Jungholzhalle empfangen die neue CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Unter den Zuhörern sind unter anderen Hilde Philippi , CDU-Ratsfrau aus Wachtberg und die Meckenheimerin Gaby Negatsch.

Hilde Philippi ist ein Fan von AKK. „Sie hat eine klare Sicht auf die Politik, sie ist präzise und stringent bei der Abhandlung der Themen“, sagt die CDU-Ratsfrau aus Wachtberg, „das sieht man schon daran, dass sie mit der Wahl ihres Generalsekretärs Paul Ziemiak Brücken geschlagen hat.“ Auch die Meckenheimerin Gaby Negatsch findet gut, wie Annegret Kramp-Karrenbauer Politik macht. „Sie hat eine Zuhör-Tour gemacht“, also erst einmal wissen wollen, was die Menschen denken, „und sie macht Politik mit Diplomatie“, fügt sie noch hinzu. Beide haben ihr im CDU-internen Wahlkampf gegen Friedrich Merz und Jens Spahn die Daumen gedrückt – und sich sehr gefreut, als sie die Mehrheit der Delegierten beim Parteitag erreichte.

Das ist eine Woche her. An diesem Freitagabend sitzen die beiden unter den rund 200 Besuchern in der Meckenheimer Jungholzhalle und warten auf die neue CDU-Bundesvorsitzende. Als Kramp-Karrenbauer kommt, steht ein großer Teil der Besucher auf und klatscht begeistert. „Wir im Wandel – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ hatte die Meckenheimer Frauen-Union ihre Veranstaltung genannt und dazu bei der Zuhör-Tour-Veranstaltung im Juni in Bonn die damalige CDU-Generalsekretärin eingeladen. Wenige Wochen später sagte sie zu. Jetzt führt sie die gesamte Partei – hat ihre Zusage aber nicht zurückgezogen. „Ich finde toll, dass sie auch als Vorsitzende in unsere Stadt kommt“, sagt Gaby Negatsch.

Von dominanten Männern spricht die Meckenheimer Frauen-Unions-Vorsitzende Sabrina Gut-sche bei ihrer Begrüßung. Denkt sie an Merz und Spahn? Kramp-Karrenbauer nimmt den Ball nicht auf und betont zu Beginn ihrer Rede nur, die beiden wüssten, dass auch sie nach diesem Wettstreit um die Parteiführung weiterhin gebraucht würden.

Schnell ist sie bei der Frage: „Was haben wir als und für die Frauen erreicht?“ 1988, als ihr ältestes Kind geboren wurde und sie schnell wieder gearbeitet hat, habe sie durchaus den Vorwurf gehört, sie sei eine Rabenmutter. Heute sei es völlig anders: Die Erwartung an die jungen Frauen sei doch so, dass sie einen tollen Beruf sowie mehrere Kinder haben sollen, „und in der Adventszeit soll die Wohnung auch noch toll dekoriert sein“. Frauen stünden zuweilen unter großem Druck.

Dabei müsse es Ziel von Frauen und Männern sein, „ein entspannteres Familienleben zu führen“. In anderen Ländern sehe man, dass es für Mütter und Väter anders geht. „Es gibt dort eben keine Besprechungen nach 17 Uhr, weil die Kita dann schließt. Wenn das in Schweden geht, muss das auch bei uns möglich sein.“ Sie spricht darüber, dass es immer noch viel zu große Ungleichheiten von Frauen und Männern bei den Gehältern gibt. Und ist dann bei ihrer Partei.

Vor der Hamburger Entscheidung habe es geheißen, nach Angela Merkel sei doch mal wieder ein Mann dran. „50 Jahre gab es männliche CDU-Vorsitzende, da haben wir als Frauen noch Luft nach oben“, sagt Kramp-Karrenbauer unter dem Lachen der Besucher. Auch an der Parteibasis müsse es das Ziel sein, mehr Frauen für die Politik zu motivieren: zum Beispiel mit kürzeren und früher am Abend gelegenenen Sitzungen.

Theresa May habe ihr bei einem Termin in dieser Woche in Berlin erzählt, wie die britischen Konservativen Frauen geschult haben, damit sie sich innerparteilich besser gegen Männer durchsetzen können. Davon könne die CDU viel lernen. „Denn gerade bei den Direktkandidaten brauchen wir mehr Frauen“, sagt Kramp-Karrenbauer. Schließlich gäben Frauen bei Wahlen immer mehr den Ausschlag. Und da könne die CDU mehr tun. Ziel müsse die Parität von Frauen und Männern bei den Kandidaten sein. „Ja, wir haben viel erreicht, aber wir haben auch noch viel zu tun“, bilanziert sie und fügt mit einem Schmunzeln hinzu, „Gleichberechtigung setzt man nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander durch.“

Das erhofft sie sich auch für die Partei, erzählt, dass sie in dieser Woche „ein erstes gutes Gespräch mit Friedrich Merz“ gehabt habe. Es gebe jetzt keinen Grund, „irgendetwas übers Knie zu brechen“. Sie sei aber sehr zuversichtlich, „dass wir eine Art finden, wo wir die Expertise und das Engagement von Friedrich Merz in der Partei irgendwie einbinden können“. Auch dafür gibt es viel Beifall. Manche Besucher sind offenbar auch Merz-Fans.

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