Gefährliche Eskalation: Kräftemessen am Golf

Gefährliche Eskalation : Kräftemessen am Golf

Die USA und der Iran beschuldigen sich gegenseitig: Was über den Angriff auf die Öltanker bekannt ist – und was nicht.

Nach den Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman beginnt die Propagandaschlacht zwischen den USA und dem Iran. Haben Soldaten oder Verbündete Teherans die Anschläge verübt, um die Rücknahme der Wirtschaftssanktionen zu erzwingen, wie die US-Regierung sagt? Oder wurden die Tanker angegriffen, um den Iran zu diskreditieren und einen Krieg zu provozieren, wie die iranische Botschaft bei den Vereinten Nationen erklärte? Gesicherte Erkenntnisse über die Hintermänner gab es am Freitag noch nicht. Allerdings zeichnete sich ab, dass die Spannungen am Golf weiter eskalieren könnten.

Fest steht, dass sich die Angriffe am Donnerstagmorgen Ortszeit im Golf von Oman nahe der Straße von Hormus ereigneten, jener engen Stelle im Persischen Golf, durch die fast 20 Prozent der weltweiten Ölexporte transportiert werden. Nacheinander setzte zuerst der mit Schwerbenzin beladene Tanker „Front Altair“ und dann das Schiff „Kokuka Courageous“, das Methanol an Bord hatte, Notrufe ab. Beide Schiffe waren rund 40 Kilometer südlich der iranischen Küste durch Explosionen am Rumpf beschädigt worden, die „Front Altair“ stand in Flammen. Die Mannschaften beider Tanker blieben unverletzt. Die Schiffe sollen in nahe gelegene Häfen gebracht werden.

Der Iran spricht von "Unfällen"

Damit endet aber auch schon der von allen Seiten akzeptierte Teil der Geschichte. Während der Iran, dessen Rettungsmannschaften nach Teheraner Angaben als erste bei den beiden Schiffen ankamen, von nicht näher bezeichneten „Unfällen“ sprach, warf die US-Regierung den Iranern einen gezielten Angriff vor.

Die Art und Weise, wie die Tanker beschädigt wurden, ist ebenfalls umstritten. US-Quellen legen einen Anschlag mit Haftminen nahe, die mit Magneten an der Außenhülle der Schiffe angebracht worden sein sollen. Minen dieser Art waren vor fast genau einem Monat bei ähnlichen Angriffen auf vier Tanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verwendet worden. Auch damals hatten die USA den Iran beschuldigt.

Allerdings erklärte der japanische Betreiber der „Kukoka Courageous“, Mitglieder der Besatzung hätten vor der Explosion „fliegende Objekte“ in der Nähe der Schiffe gesehen. Es blieb unklar, ob es sich dabei um Drohnen gehandelt haben könnte. Fotos des Schiffes zeigten zwei große Löcher im Rumpf des Tankers.

Für die US-Regierung gibt es keinen Zweifel, dass der Iran die Tanker angegriffen hat. Die USA veröffentlichten ein Video, das angeblich zeigt, wie iranische Revolutionsgardisten mit einem Schnellboot an eines der Schiffe fahren und eine nicht explodierte Haftmine entfernen, um Spuren zu beseitigen. Der Iran weist alle Anschuldigungen zurück. Die Botschaft des Landes bei der UNO sprach von „Kriegstreiberei“, „hinterhältigen Ränkespielen“ und „Operationen unter falscher Flagge“, mit denen der Iran als Aggressor dargestellt werden sollte. Auch der Iran legte keine Beweise für seine Sicht der Dinge dar.

Keine Unschuldslämmer

Keine der beiden Seiten ist ein Unschuldslamm, was verdeckte Gewaltaktionen angeht. Im Oktober 1983 starben 241 US-Soldaten bei einem Anschlag im Libanon, für den nach Überzeugung amerikanischer Gerichte die radikal-islamische Hisbollah und der Iran verantwortlich waren. Beim Berliner Mykonos-Anschlag von 1992 ließ Teheran vier Exilpolitiker töten.

In den USA fühlen sich manche Kritiker Trumps an die Lage vor dem Irak-Krieg von 2003 erinnert, als die damalige US-Regierung falsche Vorwürfe verbreitete, um die Öffentlichkeit auf einen militärischen Konflikt vorzubereiten. Je nach Betrachtungsweise kommen noch andere Akteure in Betracht, die ein Interesse an einer Eskalation haben könnten. Neben den USA befürworten ihre regionalen Partner wie Israel und Saudi-Arabien einen harten Kurs gegenüber dem Iran. Infrage kommen auch pro-iranische Gruppen in der Region, die von Hardlinern in Teheran bei den Angriffen auf die Tanker eingesetzt worden sein könnten.

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