Kommentar zur Bonner Beethovenhalle: Katastrophe

Kommentar zur Bonner Beethovenhalle : Katastrophe

Die jüngsten Prognosen zu den Sanierungskosten, die bei bis zu 166 Millionen Euro liegen könnten, und der weiteren Verschiebung des Wiedereröffnungstermin auf Mitte 2022 sind alarmierend. Die Zahlen könnten für das Beethovenfest und das Beethoven Orchester ein Desaster werden.

Noch vor knapp zwei Monaten vermeldete die Stadt Bonn, dass die Krisenbaustelle Beethovenhalle wohl im Mai 2021 fertig sein werde und die Kosten sich auf 117,4 Millionen Euro belaufen würden. Schlimm genug. Wenn die Fertigstellung laut aktuellen Schätzungen auf frühestens Mitte 2022 verschoben wird und die Summe der Sanierungskosten um fast 50 Millionen auf 166 Millionen Euro explodieren könnte, ist das eine Katastrophe, deren Ausmaß noch gar nicht abzuschätzen ist. Die finanzielle Belastung, die daraus für die Kommune und den Steuerzahler erwächst, wird nur unter größter Anstrengung zu schultern sein.

Doch auch die betroffenen Bonner Musikinstitutionen und ihre Träger müssen sich Gedanken machen, wie sie mit dem neuen Szenario umgehen werden. Es ist unbestritten, dass das seit 2017 genutzte World Conference Center Bonn (WCCB) als Interimsspielstätte Kassengift für die Konzerte des Beethovenfests ist. Hinzu kommt, dass die Stadttochter BonnCC GmbH, die das WCCB betreibt, selbst unter erheblichem finanziellen Druck steht und besser zahlenden Mietern den Vorzug geben wird. Natürlich könnte das Beethovenfest auf den im Kongressgeschäft weniger umworbenen August ausweichen. Das aber würde wiederum zu Problemen im Marketing führen und gerade nach dem Hype um das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 einen schweren Rückschlag für das Festival bedeuten. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob der Bund unter diesen Bedingungen die für 2019 und 2020 bereits beschlossene Förderung des Beethovenfests fortsetzen wird.

Auch für das Beethoven Orchester ist die weitere Verschiebung ein Desaster. Zwar ist es unabhängig vom WCCB, genießt in der Oper aber auch nicht unbegrenztes Gastrecht.

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