G8-Gipfel in Camp David: Iran, Syrien, Euro-Krise

G8-Gipfel in Camp David : Iran, Syrien, Euro-Krise

Für den Fall, dass es allzu hasenfüßig hergehen sollte auf dem wuchtigsten Gipfel-Marathon seit Ewigkeiten, hat Barack Obama sich schon einen Ort ausgesucht, an dem man selbst in der größten Krise beherzt die Ärmel hochkrempelt. Nach dem Treffen der G8-Länder in Camp David und dem sich anschließenden Nato-Treffen in Chicago reist der wahlkämpfende amerikanische Präsident nächste Woche in das vor einem Jahr von einem Tornado zerstörte Örtchen Joplin im Bundesstaat Missouri.

Vorher will der im November um eine zweite Amtszeit ringende Regierungschef als Gastgeber Verwüstungen anderer Natur durch führungsstarke Diplomatie beikommen.

Beim Treffen der führenden acht Industrie-Nationen - neben Amerika sitzen Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich, England und Italien auf dem Landsitz des US-Präsidenten 100 Kilometer nördlich von Washington beieinander - spielt neben Dauerthemen wie Iran, Syrien, arabischer Frühling oder der Hunger in Afrika die Euro- und Finanzkrise die Hauptrolle. Aus Obamas Sicht nimmt vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht genug Geld auf Pump in die Hand, um die Verstörungen an den Finanzmärkten zu beruhigen und den durch das politische Hauen und Stechen in Griechenland bedrohten Zusammenhalt der Euro-Zone zu sichern. In seiner Kritik an der von Deutschland beharrlich forcierten Sparpolitik hat Obama im neuen französischen Präsidenten Francois Hollande einen noch unberechenbaren Verbündeten. Dessen Forderung nach einem das Wachstum ankurbelnden Konjunkturprogramm für die Eurozone wird aus Sicht von deutschen Diplomaten in Washington "das Tischgespräch in vielfältiger Weise beleben".

Hollande könnte auch ab Sonntag in Chicago eine dominierende Rolle zukommen, wenn die Nato festzurren will, wie es in Afghanistan weitergehen soll. Nur diesmal nicht zur Freude Obamas. Hollande hatte im Wahlkampf fest versprochen, die rund 3400 französischen Soldaten noch in diesem Jahr abzuziehen. Die Nato und Obama pochen getreu der Linie "Gemeinsam rein, gemeinsam raus" auf das erst für 2014 vereinbarte Ende des Kampfeinsatzes. Erschwert wird die Debatte zusätzlich durch die Nato-Kreisen heftig debattierte Frage, wie viele letztlich kampffähige Soldaten des westlichen Bündnisses auch über 2014 am Hindukusch bleiben sollen.

Die Zahlen, die kein Regierungschef öffentlich bestätigt, schwanken zwischen 15.000 und 30.000. Hollandes erste Schritte auf internationalem Parkett, sagen Experten des US-Außenministeriums, sind auch deshalb von "größter Bedeutung", weil Obama ein anderer wichtiger Kandidat für Händeschüttel-Fotos abhanden gekommen ist.

Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt der G8 die kalte Schulter, was substanzielle Fortschritte im Syrien-Konflikt oder beim Atomstreit mit Teheran ausschließe. Auf die Nato bezogen wird sich das Fehlen Putins auch negativ auf den Versuch auswirken, Russland in die umstrittene europäische Raketenabwehr zu integrieren, der übrigens auch Frankreichs neuer Präsident überaus kritisch gesonnen ist. In Chicago wird eine erste Teil-Einsatzfähigkeit des Sicherheitsschirmes verkündet, der zentral vom deutschen Nato-Stützpunkt Ramstein gesteuert werden soll.

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