Christliche Kirchen: Immer weniger Kirchenmitglieder in Deutschland

Christliche Kirchen : Immer weniger Kirchenmitglieder in Deutschland

Deutschlands Kirchen verlieren weiter deutlich an Mitgliedern. Sorge bereiten den Leitungen die hohen Austrittszahlen. Jeder Austritt schmerzt“, sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm.

„Besorgniserregend“ nennt Pater Hans Langendörfer den Negativtrend der Mitgliederzahlen der großen Kirchen in Deutschland. Und diesmal sind es nicht nur die aus den Vorjahren bekannten demografischen Verluste, die dem Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Sorge machen. Auch die Austrittszahlen stiegen 2018 rapide an. „Viele glauben uns nicht mehr, dass wir konsequent und entschlossen gegen Täter vorgehen“, erläuterte Langendörfer der Deutschen Presse-Agentur im Blick auf die Missbrauchsstudie.

Die Katholiken verzeichnen in Deutschland derzeit noch rund 23 Millionen Gemeindemitglieder, bei den Protestanten sind es rund 21 Millionen. Die Zahl der Kirchenaustritte indes stieg deutlich an: Bei den Katholiken von 167.504 um 19 Prozent auf 216.078, bei den Protestanten um 11,6 Prozent auf rund 220.000. „Jeder Austritt schmerzt“, sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. „Da Menschen heute, anders als früher, aus Freiheit entscheiden, ob sie der Kirche angehören wollen, gilt es für uns heute, noch deutlicher zu machen, warum die christliche Botschaft eine so starke Lebensgrundlage ist.“ Ohne die Menschen, die sich aus Überzeugung für die Mitgliedschaft in ihrer Kirche entschieden, wäre Deutschland heute ärmer und kälter.

Die Zahlen in der Region entsprechen dabei weitgehend dem Bundestrend. Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) hatte Ende 2018 noch 2,502 Millionen Gemeindeglieder. 2017 waren es noch 2,544 Millionen. Da sich 2019 kein wirklicher Run auf Taufen und Wiedereintrittsstellen abzeichnet, dürfte damit zu rechnen sein, dass die 2,5-Millionen-Marke bereits im laufenden Jahr unterschritten wird. Das Erzbistum Köln zählte im vergangenen Jahr noch 1,942 Millionen Katholiken – 29.090 Menschen weniger als im Jahr zuvor. Und auch hier stiegen die Kirchenaustritte deutlich an, nämlich von 13.900 auf 18.400.

„Wir wissen, dass die klassische Form des Kirche-Seins an vielen Stellen nicht mehr mit der Lebensrealität der Menschen zusammenpasst und wir daher manche Menschen nicht mehr erreichen“, sagte der Kölner Generalvikar Markus Hofmann. Gleichzeitig werde es für viele Menschen immer wichtiger, die Kirche wieder als Gemeinschaft von Gläubigen zu entdecken, anderen zu helfen, für andere da zu sein. „Genau das gehört doch zu den Dingen, die unserem Leben einen tieferen Sinn geben.“ Das Erzbistum Köln wolle eine für die gesamte Gesellschaft relevante Gemeinschaft von Menschen sein, die Jesus nachfolgen.

Die der katholischen Kirche gegenüber kritisch eingestellte Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ erklärte, auch der „nach wie vor schleppende Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche“ und ihrer Aufarbeitung durch die Deutsche Bischofskonferenz hätten zu dem rasant zunehmenden Auszug aus der Kirchengemeinschaft beitragen.

Schon im Sommer hatten beide großen Kirchen im Rahmen einer Projektion eine Halbierung der Kirchenmitgliederzahlen bis 2040 vorhergesagt. Damals war allerdings auch die Rede davon, dass man durch mehr Taufen und Wiedereintritte die langfristige Entwicklung beeinflussen könne. Doch davon sind die Kirchen derzeit offenkundig weit entfernt.

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