Kommentar zum Fall Lügde: Hoher Anspruch

Kommentar zum Fall Lügde : Hoher Anspruch

Die Opposition im NRW-Landtag hat für einen Untersuchungsausschuss im Fall Lügde gestimmt. Es geht dabei nicht nur um die Aufklärung der Verbrechen, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Aufklärung der Begleitumstände des Missbrauchsfalls in Lügde und der missratenen Ermittlungen. Das klingt erst mal gut und ist bestimmt einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss wert. Die Opposition im Düsseldorfer Landtag hat sich jetzt zusammengerauft und parteiübergreifend für die Einsetzung des Gremiums gestimmt, von den Grünen bis zur AfD. Schon das zeigt die große Betroffenheit über das Versagen von Behörden und Polizei.

Offene Fragen gibt es mehr als genug: Was ging schief, als das Jugendamt dem Hauptverdächtigen eine Pflegetochter anvertraute? Warum stolperte niemand über die desolaten Begleitumstände seines Familienlebens? Welche Rolle spielte die Tatsache, dass Ämter in Niedersachsen und in NRW beteiligt waren? Wer hat die Verdachtsmomente übersehen und Hinweise nicht weiterverfolgt? Wo verschwanden die Beweismittel und warum war die Polizei nicht in der Lage, schnell und adäquat zu ermitteln? Innenminister Reul hat sich um Aufklärung bemüht und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Gleichwohl muss er sich die Fragen gefallen lassen.

Doch dabei darf es nicht bleiben. Ein Fall wie der in Lügde darf schlicht nie wieder vorkommen. Es muss also Konsequenzen geben, nicht nur im Sinne der Bestrafung von Verantwortlichen, sondern in der Organisation und Überwachung von Behördenarbeit.

Der Landtag kann dabei helfen, wenn sich der Ausschuss in diesem Fall auf die Sachfragen konzentriert. Es gibt Untersuchungsausschüsse, die haben wahre Wunder vollbracht und Probleme gelöst. Das sollte auch die Erwartung an diesen Ausschuss sein. Es wird nicht reichen, Herbert Reul und die Regierung vorzuführen.

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