Verbesserungen in Kitas: Forderung nach kleineren Gruppen und mehr Fachkräften

Verbesserungen in Kitas : Forderung nach kleineren Gruppen und mehr Fachkräften

Ein Bündnis aus Erziehern, Eltern und Gewerkschaften fordert kleinere Gruppen und mehr Fachkräfte. Der Düsseldorfer Landtag wird über die Forderungen debattieren.

Für nächsten Dienstag hat sich im Düsseldorfer Landtag eine Delegation aus Erziehern, Eltern und Gewerkschaften angekündigt. Sie vertritt ein Bündnis, das den familienpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen eine Unterschriftenliste übergeben will. Mehr als 75.000 hat das Bündnis schon zusammengebracht. Das Ziel: Bei der Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in NRW mehr Verbesserungen für Kinder und Erzieher in den Kitas zu erreichen.

Die Übergabe der Unterschriften soll die nächste Stufe des Protests gegen die Pläne der schwarz-gelben Koalition im Düsseldorfer Parlament sein. Schon Ende Mai hatten gut 12.000 Menschen bei einer Kundgebung unter dem Motto „Mehr Große für die Kleinen“ für mehr Fachkräfte und bessere Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten demonstriert.

Thorsten Böning, früher Leiter einer katholischen Kita in Gelsenkirchen und jetzt in der Mitarbeitervertretung im Bistum Essen tätig, ist einer der Organisatoren der Aktionen. Dem GA sagt er: „Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir Verbesserungen erreichen können.“ Darauf angesprochen, meint der CDU-Familienpolitiker Jens Kamieth, das sei durchaus noch möglich, wenngleich viele der Forderungen schon umgesetzt seien.

Möglichkeiten dazu gibt es noch genug, wenn der in der vorigen Woche vom Landeskabinett beschlossene Gesetzentwurf im Landtagsplenum und in den Ausschüssen beraten wird. Nach dem Willen von Familienminister Joachim Stamp (FDP) soll das Gesetz schon in der nächsten Woche im Landtag auf der Tagesordnung stehen.

Doch wogegen richtet sich die Kritik des Bündnisses aus Erziehern, Gewerkschaften und Eltern? Zum Beispiel gegen die Größe der Gruppen. Das neue KiBiz sieht vor: höchstens 25 Kinder in Über-Dreijährigen-Gruppen, 10 Kinder in Unter-Dreijährigen-Gruppen und 20 Kinder in gemischten. „Damit berücksichtigt man die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aber nicht“, sagt Böning. In kleineren Gruppen könnten die Erzieher besser auf die Kinder eingehen. Daher verlangt das Bündnis maximal 20 Kinder in Über-Dreijährigen-Gruppen und 17 in gemischten. Einher geht damit auch die Forderung, mehr pädagogisches Personal einzustellen und dem vorhandenen mehr Möglichkeiten zur Vor- und Nachbereitung, auch für Elterngespräche, zu geben.

Mehr Flexibilität in der Kita, etwa durch verlängerte Öffnungszeiten, hat sich die Landesregierung auf die Fahnen geschrieben. Zunächst 50 Millionen Euro und später sogar 100 Millionen sollen dafür bereitgestellt werden. Doch Böning und seine Mitstreiter sind da skeptisch: „Wenn eine Familie ihr Kind am Dienstag länger betreut haben will, eine andere am Donnerstag und wieder eine andere am Freitag, die Familien aber nur Betreuungszeiten von 35 Stunden gebucht haben, dann reicht das Geld nicht aus, um die Kitas 50 Stunden zu öffnen.“ Da stoße Flexibilität an ihre Grenzen.

Die Forderung des Bündnisses: Die Finanzierung der Kitas solle sich nicht an den gebuchten Betreuungszeiten der Kinder (25, 35 oder 45 Stunden pro Woche), sondern an den Öffnungszeiten orientieren.

Böning und seine Mitstreiter wünschen sich auch, dass die Erzieherausbildung attraktiver wird. Den angehenden Fachkräften künftig im Anerkennungsjahr, also zumeist im vierten Jahr der Ausbildung, Geld zu zahlen, sei „ein Schrittchen in die richtige Richtung“, werde aber keinen spürbaren Effekt bringen, meint er. Besser wäre es, die angehenden Erzieher schon zu Beginn der Ausbildung finanziell zu unterstützen, denn der größte Teil der Kita-Mitarbeiter macht eine schulische Ausbildung und die wird nicht vergütet.

Dass Schüler, die eine sogenannte praxisintegrierte Ausbildung (piA) machen, einen Zuschuss von 8000 Euro erhalten, findet Böning grundsätzlich gut. Doch diesen Ausbildungsweg würden nur wenige Bewerber gehen, hat er festgestellt. Der CDU-Politiker Kamieth ist da anderer Meinung: Die piA sei „schon jetzt insbesondere für Quereinsteiger ein wichtiger Ausbildungsweg und wird weiter an Bedeutung zunehmen“.

Insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro zusätzlich und jährlich will die schwarz-gelbe Koalition in die Kinderbetreuung investieren. Davon stehen knapp eine Milliarde für mehr Erzieher zur Verfügung, für flexiblere Öffnungszeiten und für eine bessere Sprachförderung. Den Kommunen will das Land die Garantie geben, dass jeder notwendige Betreuungsplatz bewilligt wird, wofür 115 Millionen bereit stehen. Zudem wird ein weiteres Kitajahr für die Eltern beitragsfrei. Der Einnahmeausfall, den das Land mit gut 200 Millionen beziffert, soll den Kommunen erstattet werden.

Was auch kommen soll, aber noch nicht im Gesetzentwurf steht, ist laut Kamieth eine Imagekampagne für den Erzieherberuf: „Es ist so ein toller Beruf, die Kleinsten in ihren ersten Lebensjahren zu begleiten und zu bilden, das wollen wir mehr herausstellen“, sagt der CDU-Politiker. Dagegen dürften die Mitglieder des Bündnisses jedenfalls nichts haben.

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